Bedernau (Bayern) – Was verbarg sich in den Tiefen unter dem Mordhof? Nach den tödlichen Schüssen auf einen Öko-Guru auf einem Gehöft im Allgäu (Bayern) stießen die Ermittler am Rande des Anwesens auf einen makabren Fund: einen uralten Keller, dessen Gänge sich tief in die Erde erstrecken. Im hintersten Gewölbe befindet sich ein rätselhaftes Dreieck aus Holzlatten. Das Symbol erinnert an das „Allsehende Auge“, wie man es aus Kirchen oder Freimaurerlogen kennt. Doch statt eines Auges prangt in der Mitte der silberne Schädel eines Ziegenbocks.

Daniel Emminger (33) hatte den Hof bewohnt. In der Nacht zum 1. April wurde er vermutlich von einem Unbekannten mit einem Jagdgewehr in seinem Haus erschossen. Eine Ermittlerin der Kriminalpolizei sprach damals von einer „Hinrichtung“.

Im Dorf galt Emminger als Sonderling

„Er war wohl das, was man einen Aussteiger nennt“, erzählt Jürgen Tempel (62). Tempel amtierte zwölf Jahre lang als Bürgermeister der Gemeinde, zu der der abgelegene Einödhof in Bedernau (Bayern) zählt. „Ob er sich Feinde gemacht hatte? Er war kein einfacher Mensch“, so der frühere Rathauschef.

Daniel Emminger († 33) lebte seit sechs Jahren auf dem gepachteten Einödhof, er und seine Ex-Frau haben einen gemeinsamen Sohn (5). Das BKA veröffentlichte Foto und Namen des Opfers, um Hinweise zu der Bluttat zu bekommen

Streit um öffentliche Veranstaltungen

Tempel ergänzt: „Er veranstaltete Events mit bis zu 150 Gästen, obwohl sein gepachteter Hof weder über fließend Wasser noch einen Anschluss an die Kanalisation verfügte. Jede Feuerwehr muss für ihre Feste bestimmte Auflagen erfüllen. Für ihn schienen die Regeln nicht zu gelten.“

Am Zaun vor dem Tatort hängen Tierschädel. Die Kripo hat das Bauernhaus versiegelt

Yoga, Schwitzhütte und magische Kurse

Die Feste, die Emminger ausrichtete, waren jedoch keine gewöhnlichen Feiern. Er zog die esoterische Szene aus ganz Deutschland an. Aber auch Anbieter von Esoterik-Zubehör wie der Edelsteinschleifer Hans Schorer (45) kamen: „Er bot auf dem Gelände Kurse in Yoga und Selbstversorger-Landwirtschaft an. Es gab dort eine Schwitzhütte, und Daniel beschäftigte sich mit Alchemie.“

Die Symbolik des Ziegenbocks

Vermutlich nutzte Emminger den Kultraum mit dem Ziegenkopf, um die Esoterik-Anhänger zu beeindrucken oder dort eigene magische Zeremonien abzuhalten. Das dreieckige Lattengerüst steht in der Alchemie für die drei „Urprinzipien“ Körper, Seele und Geist. Der Ziegenbock als Kultobjekt („Baphomet“) geht auf den französischen Okkultisten Éliphas Lévi zurück. Er symbolisiert das Animalische im Menschen, aber auch die Weisheit, die als Licht der Aufklärung aus dem Osten kommt. Der silberne Ziegenkopf ist gen Osten ausgerichtet. Auch Satanisten verwenden dieses Zeichen.

Der Ziegenbock gilt bei Okkultisten als Symbol für das Tierische im Menschen
Unter dem Dreieck mit dem Ziegenbockkopf im Gewölbekeller steht das Wort „Ende“, daneben ein Ofen

Fahndet die Kripo nun im Satanisten-Milieu nach dem Mörder des Öko-Gurus? „Wir ermitteln in alle Richtungen“, erklärt Kommissar Johannes Stoll.

Ex-Bürgermeister Jürgen Tempel (62): „Emminger hatte den Einödhof gepachtet, wohnte dort seit Jahren“

Stammt der Täter aus dem Bekanntenkreis?

Wer hasste den Öko-Magier so sehr, dass er ihn hinrichten ließ? „Wir verfolgen mehrere Spuren. Eifersucht und auch Neid könnten eine Rolle spielen“, so ein Ermittler. Einen Raubüberfall schließt die Kripo aus, da das Opfer kein nennenswertes Vermögen besaß. Die Ermittler vermuten, dass der Täter aus dem Umfeld des Opfers stammen könnte. Auch eine lokale Herkunft wird angenommen, da ein sperriges Jagdgewehr verwendet wurde.

Für Hinweise, die zur Festnahme des Täters führen, hat das LKA eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt: 08331/10 04 99.