Karlsruhe – Die Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen den sogenannten „Reichsbürger-König“ Peter Fitzek (60) erhoben. Der selbst ernannte Monarch soll als Rädelsführer die kriminelle Vereinigung „Königreich Deutschland“ geleitet haben. Mit fragwürdigen Finanztransaktionen habe Fitzek seine Kasse gefüllt, so der Vorwurf der obersten deutschen Anklagebehörde.
„Die Gruppierung finanzierte sich durch illegale Bank- und Versicherungsgeschäfte sowie über Spenden, Geschenke und kostenpflichtige Seminare. Zwischen 2020 und 2025 nahm sie auf diese Weise rund zehn Millionen Euro ein“, erklärte die Bundesanwaltschaft in ihrer Anklageschrift.
Der angebliche Monarch aus Sachsen-Anhalt gilt als die bekannteste Figur der Reichsbürger-Szene. Vor fast 15 Jahren rief er in Lutherstadt Wittenberg sein eigenes Königreich aus. Er lehnt die Bundesrepublik Deutschland kategorisch ab: ihre Politiker, ihre Ausweise – sogar ihre Autokennzeichen. Für seine Gefolgsleute erfand Fitzek eigene Banken, Versicherungen und eine eigene Währung – zunächst das „Engelgeld“, später die digitale „E-Mark“ für Einkäufe in den Onlineshops seines Königreichs.

Laut Bundesanwaltschaft verfolgten Fitzek und seine Mitstreiter des „Königreich Deutschland“ das Ziel, „sein behauptetes ‚Staatsgebiet‘ auf die Grenzen des Deutschen Reiches von 1871 auszudehnen. Die Gruppe strebt danach, das System der Bundesrepublik Deutschland durch ein eigenes zu ersetzen.“
Seinen Anhängern verkaufte Fitzek indes wertloses Fantasiegeld – seine eigenen Kassen füllte der „König“ dagegen lieber mit Gold und harten Euros. Als Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am 13. Mai 2025 das Königreich endgültig verbot, beschlagnahmten Staatsbeamte das damalige Vermögen des selbst ernannten Monarchen.

Gold, Bargeld und Immobilien sichergestellt
Die Ermittler machten reiche Beute: Mehr als 162.000 Euro Bargeld, über 700.000 Euro in Gold sowie weitere 152.000 Euro Vereinsvermögen wurden beschlagnahmt. Hinzu kommen Immobilien im Millionenwert. Der Monarch hatte Schlösser und Gutshöfe in Sachsen, Thüringen und Niedersachsen erworben – drei dieser Anwesen wurden konfisziert.
Zu seinem Reichtum war der in Halle (Saale) geborene Mann, der vor der Wende als Koch arbeitete, durch illegale Bank- und Versicherungsgeschäfte gelangt. Bereits in früheren Verfahren hatten die Ermittlungsbehörden große Geldsummen bei Fitzek sichergestellt. Während der Corona-Pandemie gelang es ihm jedoch, eine beträchtliche Zahl neuer Anhänger zu gewinnen.

Ein ranghoher Justizbeamter, der mit dem Fall betraut ist, erklärte: „Seine sogenannten Sparbücher bewarb Fitzek mit dem Argument, der deutsche Staat habe darauf keinen Zugriff. Das spülte neues Geld in seine Kassen.“
Kein Verbot konnte den selbst ernannten König aufhalten
Seit Jahren geht die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) gegen Fitzeks Finanzgeschäfte vor. „Die illegal betriebenen Geschäfte wurden mehrfach untersagt und deren Abwicklung angeordnet“, bestätigt ein Bafin-Sprecher. Das beeindruckte den Herrscher, der sich selbst „Peter der Erste“ nennt, wenig: Immer wieder setzte er seine verbotenen Aktivitäten mit neuen Helfern fort – unter anderem trotz einer Verurteilung wegen unerlaubter Versicherungsgeschäfte.

Seit über einem Jahr sitzt Fitzek – trotz mehrerer Haftbeschwerden – in Haft. Zunächst musste er eine noch offene Freiheitsstrafe verbüßen. Im März 2022 hatte er in Wittenberg eine Security-Mitarbeiterin verletzt und zwei Bundeswehrsoldaten beleidigt. Das Urteil: acht Monate Haft. Anschließend kam er im Januar 2026 erneut in Untersuchungshaft. Bereits von 2016 bis 2018 hatte der Reichsbürger-Chef in seiner Geburtsstadt Halle (Saale) in U-Haft gesessen. Der Vorwurf damals: Untreue zu Lasten der Einleger seiner verbotenen Bank.
Da der „Imperator Fiduziar“ dem deutschen Staat seine Einnahmen verschwiegen haben soll, muss er sich nun auch wegen Steuerhinterziehung verantworten. Aufgrund hoher Fluchtgefahr soll Fitzek bis zum Prozessbeginn in Haft bleiben.









