Trier (Rheinland-Pfalz) – Der Attentäter von Trier, der einen Studenten mit einem Messer tötete, kam als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland – und wurde hier mit offenen Armen aufgenommen. Sajad M. (heute 22) soll sich schnell integriert haben. Und dennoch brachte der Afghane vergangene Woche den Studenten Marius Dick (22) um. Ohne erkennbaren Grund. The Pik zeichnet den verstörenden Fall nach.
Nach eigenen Angaben wurde der Flüchtling im Alter von zwölf Jahren an der iranisch-türkischen Grenze von seinen Eltern getrennt und kämpfte sich allein nach Deutschland durch. Sajad M. landete in Rheinland-Pfalz.
Er wuchs in einer Pflegefamilie auf
Da unbegleitete minderjährige Flüchtlinge besonders schutzbedürftig sind, folgten die Behörden strengen Verfahren: Informationen zufolge sollte er im beschaulichen Hunsrück eine neue Heimat finden. Eng betreut vom Jugendamt, in einer Pflegefamilie. Oberstaatsanwalt Peter Fritzen: „Es stimmt, dass der Beschuldigte als Jugendlicher zeitweise in einer Pflegefamilie lebte.“

Sportverein, Schulabschluss, Ausbildung
Es existieren Fotos von einem Sportverein, die den Jugendlichen zeigen. Er lächelt nicht. Auf einem späteren Bild ballt er die Fäuste. Sajad M. soll Karate trainiert und an Wettkämpfen teilgenommen haben. Er machte seinen Schulabschluss an einer Realschule und absolvierte anschließend eine Ausbildung in der Metallbranche. Alles mit Erfolg.
Zuletzt arbeitete er bei einem Trierer Mittelstandsunternehmen an der Kantbank (Maschine zum Biegen von Blech, Anm. d. Red.). Erst im vergangenen Jahr nahm Sajad M. mit Arbeitskollegen an einem Firmenlauf teil und war der Schnellste seines Teams. „Er war vier Jahre bei uns beschäftigt und sprach sehr gut Deutsch. Er galt als bestens integriert“, sagt Anja Natus (61), Sprecherin seines Arbeitgebers.
Täter tötete Marius mit einem großen Küchenmesser
Deutschland bot Sajad M. doch alles – warum wurde er dennoch zum Mörder? Auch das ist Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen.
Fest steht: Am vergangenen Mittwoch tötete der 22-Jährige den Studenten Marius Dick in der Robert-Schuman-Allee in Trier. Mit einem großen Küchenmesser. Ohne erkennbaren Grund. Marius war nach bisherigen Erkenntnissen ein Zufallsopfer.
Der 22-Jährige hat die Tat gestanden, zum Motiv schweigt er. Ein Richter ordnete statt Untersuchungshaft eine Unterbringung in der geschlossenen forensischen Psychiatrie an, da der Täter zuletzt in psychiatrischer Behandlung war. Seine Schuldfähigkeit soll durch ein Gutachten geklärt werden. Die Ermittlungen wegen Totschlags laufen weiter.

Blutprobe wird auf Drogen untersucht
Inzwischen liegen erste Ergebnisse einer Blutprobe vor. Laut Staatsanwaltschaft wurde kein Alkohol festgestellt. Noch unklar ist, ob der Täter unter Drogeneinfluss stand. Oberstaatsanwalt Fritzen: „Die Untersuchung der Blutprobe auf andere Substanzen ist noch nicht abgeschlossen. Diese dauert erfahrungsgemäß mehrere Wochen.“

Mit dem Leben in Deutschland abgeschlossen?
Laut Staatsanwaltschaft war der Täter nicht vorbestraft. Allerdings war er der Polizei Informationen zufolge wegen Verstößen gegen das Pflichtversicherungs- und das Waffengesetz bekannt. Kürzlich inserierte er einen Ford Focus zum Verkauf. Hatte er mit seinem Leben in Deutschland abgeschlossen? Wollte er fort? Alles noch unklar! Der Verteidiger von Sajad M. war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.



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