Ob an einer Raststätte, am Seeufer oder tief im Wald: Meist nach Einbruch der Dunkelheit verabreden sich hier Fremde, die auf der Suche nach spontanem, anonymem und unkompliziertem Sex im Auto sind. Doch es kommen auch Paare, die dem Alltagstrott im Schlafzimmer entfliehen möchten. Und nicht selten treffen sich Menschen, die sich zuvor auf Erotik-Plattformen kennengelernt haben.

Nachdem der Pik-Artikel die Frage beleuchtete, warum sich Fremde zu Sex auf Parkplätzen verabreden, meldeten sich auch Leser zu Wort. Einer von ihnen, der selbst seit drei Jahren in dieser Szene aktiv ist, berichtete, dass es in der Fetisch-Hierarchie einen hohen Stellenwert habe, sich im Freien mit Unbekannten zu vergnügen.

Diese Einschätzung wird auch durch die Einträge auf den einschlägigen Websites gestützt. Auf „Poppen.de“, einer der größten Plattformen für unverbindliche Sex-Kontakte (angeblich mit 6 Millionen Mitgliedern), finden sich über 3500 Einträge in der Kategorie Parkplatzsex. Sie beschreiben Treffpunkte in ganz Deutschland, oft mit Fotos versehen. Die Angaben umfassen, wer sich dort trifft („Paare, Männer, Frauen, Bi“), die Anfahrtsbeschreibung und wichtige Hinweise („Achtung: einsehbar!“).

Ein Eintrag auf „Poppen.de“ zu einem Parkplatz in Würzburg. Hier gilt ein weißer, leerer Zettel im Frontfenster als Zeichen unter Gleichgesinnten

Das entscheidende Detail sind jedoch die häufig genannten Erkennungszeichen. Diese geheimen Codes signalisieren auf dem Sexparkplatz, dass man zum Vergnügen gekommen ist – und nicht etwa zum Joggen. Diese Zeichen sind vielschichtig. Auf dem Pendlerparkplatz am Golfclub Würzburg (Bayern) dient ein „weißer, leerer Zettel im Frontfenster“ als Signal. An einem See bei Schweinfurt (Bayern) wiederum deuten „Standlicht, Fenster oder Tür offen“ auf sexuelle Absichten hin.

Einfach Sonnenblende runtermachen

In Aalen (Baden-Württemberg), nahe dem Fußballplatz, sucht man bei Interesse den Blickkontakt. Anschließend heißt es: „bei Sympathie anlächeln und in der linken Hand das Handy zeigen“. In Winterberg (NRW) lautet die Devise: „einfach Sonnenblende runtermachen und warten“, um sein Interesse an Sex zu bekunden.

Ein Blick auf die Erotik-Portale und Seiten von Sex-Communitys offenbart jedoch auch allgemeine Verhaltensregeln für Parkplatzsex. Immer wieder ist vom „langsamen Flanieren“ von Auto zu Auto die Rede – einem vorsichtigen Abchecken, um Gleichgesinnte zu finden. Zudem gelten geöffnete Autotüren oder Fenster als Zeichen. Sie scheinen in der Szene zu bedeuten: Ich bin für alles offen, komm rein und mach es (oder: mach mit uns mit).

Das bedeutet Licht an

Viele Besucher von Sexparkplätzen sind zudem erregt von der Vorstellung, beobachtet zu werden. Das Erkennungszeichen für willkommene Voyeure: Licht an! Ein Nutzer schreibt in einem Forum für Liebe, Sex und Erotik: „Ich fahre gern Plätze an, die für Parkplatzsex bekannt sind, ziehe mich komplett aus und mach es mir im Auto gemütlich. Im Auto mache ich dann das Licht an (als Zeichen, ich möchte beobachtet werden) und mache es mir dann selbst.“