Berlin – Zwei ungeklärte Kapitel der deutschen Terrorgeschichte beschäftigen die Ermittler erneut: die brutalen Morde der Roten Armee Fraktion (RAF) an Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer (†62, 1977) und Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder (†58, 1991). Jahrzehntelang suchten die Behörden vergeblich nach den Todesschützen. Nun starten die Sicherheitsbehörden eine neue Offensive im Labor, um die ungelösten Fälle zu knacken.
Wie The Pik exklusiv aus Sicherheitskreisen erfuhr, setzen die Ermittler auf völlig neue kriminaltechnische Methoden. Spurensuche unter dem Mikroskop: „Asservate aus den Terroranschlägen der RAF, die sichergestellt wurden, werden mit modernsten Ermittlungsverfahren erneut analysiert“, so ein Fahnder. Demnach werden Haare neuen DNA-Untersuchungen unterzogen. „Der technische Fortschritt in der kriminaltechnischen Analyse ermöglicht heute neue Erkenntnisse aus Hautschuppen“, erläutert ein hochrangiger Beamter. Dabei geht es nicht nur um alte, sondern auch um neue Spuren. Der Experte ergänzt: „Im Zuge der Festnahme von RAF-Terroristin Klette wurden neue Asservate gesichert, die nun auf mögliche Verbindungen zu den RAF-Morden geprüft werden.“

Hintergrund dieser neuen Überprüfungen: Was zur Tatzeit 1977 und selbst 1991 technisch undenkbar war, ist heute im Labor Realität. Die moderne Forensik kommt ohne große Blut- oder Speichelspuren aus. Dank hochentwickelter Verfahren reicht heute die unsichtbare DNA einer einzigen, jahrzehntealten Hautschuppe aus, um ein klares Täterprofil zu erstellen.
Die Konsequenz: Sämtliche damals gesicherten Beweismittel – von Erpresserbriefen im Fall Schleyer bis zu Spuren am Tatort des Heckenschützen im Fall Rohwedder – werden nun erneut unter die Hightech-Mikroskope gelegt.

Festnahme von Klette brachte Durchbruch
Der entscheidende Impuls für die neue Ermittlungswelle war der spektakuläre Zugriff auf die RAF-Terroristin Daniela Klette (67) im Jahr 2024 in Berlin. Bei den anschließenden Durchsuchungen ihrer Wohnung und weiterer Verstecke in der Szene stellten die Ermittler umfangreiches neues Material sicher. Das Ziel der Fahnder: ein umfassender Datenabgleich. Klette wird unter anderem die Beteiligung am Sprengstoffanschlag auf die JVA Weiterstadt (1993) und ein Angriff auf die US-Botschaft in Bonn (1991) vorgeworfen. 2026 wurde sie wegen mehrerer schwerer Raubüberfälle auf Geldtransporter und Supermärkte zu 13 Jahren Haft verurteilt. Klettes mutmaßliche Mittäter, die RAF-Terroristen Burkhard Garweg (57) und Ernst-Volker Staub (71), sind weiterhin flüchtig.

Die neu gewonnenen biologischen Spuren aus Klettes Umfeld werden direkt mit den jahrzehntealten Asservaten der ungeklärten Morde abgeglichen. Sollte ein genetischer Fingerabdruck übereinstimmen, könnte das Rätsel um die tödlichen Schüsse nach Jahrzehnten gelöst werden. Mord verjährt in Deutschland nicht.
Die RAF-Morde an Schleyer und Rohwedder
Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer wurde 1977 in Köln entführt, seine vier Begleiter wurden erschossen. Nach 43 Tagen in Geiselhaft wurde Schleyer im Elsass ermordet. Bis heute ist unklar, wer die tödlichen Schüsse abgab.
Ein Heckenschütze feuerte 1991 drei Gewehrschüsse auf das Wohnhaus des Treuhand-Chefs Detlev Karsten Rohwedder in Düsseldorf. Rohwedder starb in seinem Arbeitszimmer. Am Tatort wurde eine Zigarettenkippe mit der DNA des Terroristen Wolfgang Grams (†) gefunden – doch wer der Schütze war, bleibt bis heute ein Rätsel.








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