Tangermünde (Sachsen-Anhalt) – Die Kleinstadt trägt seit 2019 den offiziellen Titel „Schönste Kleinstadt Deutschlands“. Ihre Bewohner preisen das schöne und sichere Leben in Tangermünde (etwa 10.000 Einwohner). Seit zwei Jahren lastet jedoch ein dunkler Schatten auf dem idyllischen Ort in der Altmark: der unaufgeklärte Mord an Marlis Sappelt (†61). Nun sollen 1800 Männer eine DNA-Probe abgeben.

Marlis war bei Nachbarn und Arbeitskollegen geschätzt, führte jedoch ein zurückgezogenes Einzelleben. Als die Tangermünderin am 9. Juni 2024 tot in ihrer Wohnung aufgefunden wurde, gingen Nachbarn zunächst von einer unentdeckten Erkrankung oder einem Haushaltsunfall aus – doch diese Annahmen bestätigten sich nicht.

Tangermünde hat eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Altstädte Deutschlands
Tangermünde hat eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Altstädte Deutschlands

Spärliche Spurenlage erschwert die Ermittlungen

„Die Frau wurde getötet“, stellt Staatsanwalt Thomas Kramer, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Stendal, nach Bekanntwerden des Obduktionsbefundes klar. Die Kriminalbeamten der Polizeiinspektion Stendal ermitteln wegen Totschlags gegen Unbekannt. Die Ermittlungen kommen jedoch rasch ins Stocken: Befragungen von Kollegen und Bekannten der Frau ergeben keine Hinweise auf ein Motiv oder einen Tatverdächtigen.

Beamte der Spurensicherung des Landeskriminalamtes untersuchten den Tatort im Juni 2024
Beamte der Spurensicherung des Landeskriminalamtes untersuchten den Tatort im Juni 2024

Gesichert ist: Marlis Sappelt wurde zuletzt am Freitag, dem 7. Juni, lebend gesehen. „Das war gegen 13 Uhr, als sie ihren Arbeitsplatz in der Otto-Kiesel-Straße verließ“, bestätigt Kripo-Sprecherin Juliane Jokmin.

Reporter suchen in der Hünerdorferstraße nach Indizien. An der Eingangstür des Hauses Nummer 46 finden sich Überreste von mehr als zwei Dutzend Polizeisiegeln. Ein Zeichen dafür, dass die Ermittler wiederholt an den Tatort zurückkehrten, um nach Spuren und bislang übersehenen Hinweisen zu fahnden.

Der Fall entwickelt sich zum ungelösten Kriminalfall

Nachbar Hanno G. (86) lebte jahrzehntelang Tür an Tür mit der Getöteten. Er berichtet: „Marlis lebte mit ihrem Bruder in dem Haus. Dieser war erst kurz zuvor verstorben. Vor Marlis‘ Tod tauchten Fremde mit einem großen Auto auf, parkten vor ihrem Haus und suchten sie auf. Es hieß, sie wolle ihr Haus verkaufen.“

Jürgen S. (65) kannte Marlis Sappelt. Für den Mord in der Nachbarschaft hat der Tangermünder keine Erklärung
Jürgen S. (65) kannte Marlis Sappelt. Für den Mord in der Nachbarschaft hat der Tangermünder keine Erklärung

Jürgen Steinecke (65) sagt über Marlis: „Sie war eine sehr ruhige, freundliche Nachbarin. Nach dem Tod ihres jüngeren Bruders wirkte sie noch verschlossener. Wir hier in der Hünerdorfer Straße können uns alle nicht vorstellen, wer ihr das angetan hat.“

Die Getötete wurde wie ihr Bruder auf dem anonymen Grabfeld des Tangermünder Friedhofs beigesetzt
Die Getötete wurde wie ihr Bruder auf dem anonymen Grabfeld des Tangermünder Friedhofs beigesetzt

Die Verstorbene und ihr Bruder wurden beide auf dem Friedhof in Tangermünde bestattet – auf einem anonymen Grabfeld, da keine weiteren Angehörigen bekannt sind.

Nach 21 Monaten zeichnet sich endlich ein Durchbruch ab: eine DNA-Spur! Polizeisprecherin Jokmin: „Bei der Fremd-DNA-Spur handelt es sich um die DNA eines Mannes, die bislang keiner Person zugeordnet werden kann.“ Das Amtsgericht erließ einen Beschluss, wonach alle Männer, die zum Tatzeitpunkt zwischen 17 und 75 Jahre alt waren und in bestimmten Ortsteilen wohnten, zu einer Reihen-DNA-Untersuchung aufgefordert werden.

Die freiwilligen Tests finden am letzten März-Wochenende im Tangermünder Grete-Minde-Saal statt.