Ellmau (Österreich) – Im Fernsehen präsentiert sich Ellmau als die heile Welt des ZDF-„Bergdoktors“ Dr. Martin Gruber, dargestellt von TV-Star Hans Sigl (57). Doch hinter der malerischen Fassade des Tiroler Promi-Dorfs tobt seit Jahren ein erbitterter Nachbarschaftskonflikt. Im Zentrum: das deutsche Geschwisterpaar Carsten (60) und Gabriele Olbrich (64). Sie fühlen sich verleumdet und von Teilen der Dorfgemeinschaft regelrecht verfolgt. The Pik suchte sie in Tirol auf.
Besonders schwer lasten auf den beiden die ungeheuerlichen Inzest-Vorwürfe. Es gab sogar eine anonyme Anzeige, das Landeskriminalamt ermittelte. „Es ist möglich, dass Nachbarn hier treibende Kräfte sind, aber die kriminellen Handlungen gehen weit über das Maß eines Nachbarschaftsstreits hinaus und zielen darauf ab, unser Leben und unseren Ruf zu zerstören“, erklärt Olbrich im Gespräch. Nach Angaben der aus Wolfsburg stammenden Geschwister begannen die für sie unerträglichen Unterstellungen im Jahr 2018.

Gabriele Olbrich: „Wir haben nur noch geheult“
Damals seien sie vom LKA auf eine Internetseite aufmerksam gemacht worden, die angeblich in ihrem Namen erstellt worden sei. Unter der Überschrift „Wir suchen Gleichgesinnte“ sollte auf einer gefälschten Website der Eindruck erweckt werden, die Olbrichs hätten eine sexuelle Beziehung. Darin findet sich der unglaubliche Inzest-Vorwurf: „Wir sind nicht verheiratet! Wir sind Geschwister! Und lieben uns! (...) Wir leben und arbeiten zusammen, wie ein Paar (...) Auch wenn du lieber Sex mit Kindern hast, bist du bei uns willkommen.“ Abwegige Unterstellungen, ohne jede Beweisgrundlage. Im März 2018 kam es daher zu einer Hausdurchsuchung bei den Olbrichs, die völlig überrascht waren. „Wir haben nur noch geheult“, sagt Gabriele.

„Was willst du, du Oarschloch?“
Ende Mai 2018 stellte die Staatsanwaltschaft Innsbruck das Verfahren wegen Blutschande (so der juristische Begriff für Inzest in Österreich) ein. „Nicht nachweisbar“, lautete das Fazit. Die üblen Gerüchte halten sich in Ellmau trotz fehlender Beweise jedoch bis heute. Sie sind auch der Auslöser für eine blutige Eskalation des Streits am 31. Juli 2022. Dieses Mal im Zentrum: der Schlagersänger Hansi Kiesler (70) und seine Tochter. Beim abendlichen Spaziergang mit Dobermann Eddy trafen die Olbrichs auf die Familie des Tiroler Musikers. Dann flogen Beleidigungen und Fäuste. Auf einem Handyvideo ist zu hören, wie Kiesler ruft: „Was willst du, du Oarschloch?“ Laut Olbrich soll er danach auch noch gebrüllt haben: „Ich schlag dich tot, du Kinderf*****!“


Die Olbrichs erlitten Rippen- und Nasenbeinbruch
Die Folgen der Auseinandersetzung laut Krankenhausbefund: Carsten Olbrich erlitt unter anderem einen Trommelfellriss, eine Rippenfraktur, Prellungen sowie Verletzungen an Zähnen und Lippe. Seine Schwester Gabriele zog sich einen Nasenbeinbruch sowie Kopf- und Brustprellungen zu.
Kiesler schildert eine völlig andere Version: „Er hat meine Tochter mit seinem Dobermann bedroht. Ich kam ihr zu Hilfe, und als er mich gefilmt hat, habe ich ihm das Handy aus der Hand geschlagen. Dann ist der Hund auf mich losgegangen. Da habe ich mich mit Tritten gewehrt, Olbrich fiel auf eine Bank und holte sich dabei eine blutige Lippe.“ Gabriele habe ihn an den Haaren gerissen, er habe „zurückgeschlagen, dann ist sie umgefallen“. An der Bank, wo die Keilerei stattfand, hängt nun das Schild „Watschnbank“. Für Kiesler ein Beleg dafür, dass er mit seiner Aktion viele Unterstützer in Ellmau hat.

Die Olbrichs fordern 99.000 Euro Schmerzensgeld
Für die Olbrichs ist es eher ein Symbol für die Missstände im Ort: „Wir haben hier zu niemandem mehr Kontakt“, sagen sie. Carsten Olbrich: „Keiner unternimmt etwas, alle lachen, tuscheln und sehen weg, obwohl jeder weiß, wer die Straftaten begangen haben dürfte. Selbst die Behörden ermitteln nicht korrekt oder einseitig, stellen Beweismittel nicht sicher, und prominente Mitwisser äußern sich nicht, ebenso wenig wie der Bürgermeister … nur um die heile ‚Bergdoktor‘-Welt nicht in ein schlechtes Licht zu rücken!“ Fest steht: Vier Jahre später kommt es im September erneut zu einem Prozess. Die Olbrichs haben Zivilklage in Innsbruck eingereicht. Er fordert 75.000 Euro, sie 24.000 Euro Schmerzensgeld.

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