Kiel (Schleswig-Holstein) – Der mutmaßliche Täter, der eine Betonplatte aus dem Hochhaus „Weißer Riese“ geworfen haben soll, ist gefasst. Am Freitag um 11 Uhr wurde ein 21-jähriger Bewohner des notorischen Gebäudes der Mordkommission vorgeführt und dem Haftrichter übergeben – der Vorwurf: versuchter Mord an einem Polizisten!
Der verdächtige Deutsche war am Donnerstag gegen 14 Uhr vorläufig festgenommen worden und verbrachte die Nacht im Polizeigewahrsam. Die Anhörung vor dem Haftrichter endete am Freitag kurz nach 12 Uhr. Der Haftbefehl wurde wegen versuchten Mordes sowie wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz erlassen. Im Zuge der Ermittlungen ergaben sich Hinweise, dass der Mann in erheblichem Umfang mit Drogen gehandelt haben soll. Sein Anwalt äußerte sich bislang nicht. Der Beschuldigte wurde in die Justizvollzugsanstalt überführt.
Im Rahmen des Falls fanden am Donnerstagnachmittag zudem Durchsuchungen an mehreren Orten im Kieler Stadtgebiet statt. Aufgrund der laufenden Ermittlungen werden derzeit keine weiteren Einzelheiten bekannt gegeben.

Polizistin nach Steinwurf nicht mehr dienstfähig
Nachdem ein Stein auf einen Streifenwagen im Kieler Stadtteil Mettenhof geworfen worden war, leitete die Polizei eine groß angelegte Razzia im „Weißen Riesen“ ein. 200 Einsatzkräfte stürmten am 14. Juli das Mehrfamilienhaus am Kurt-Schumacher-Platz und klingelten auf 22 Etagen an 242 Wohnungstüren. Sämtliche Bewohner wurden gebeten, DNA-Proben abzugeben. Eine Staatsanwältin war vor Ort, und Drohnen unterstützten den Einsatz. Zuvor hatten die Ermittler DNA-Spuren an dem Stein sichergestellt.
Versuchter Mord an einer Polizistin
Auslöser war ein schwerer Vorfall vom 2. Juni 2026, bei dem eine 25-jährige Polizistin durch ein herabgeworfenes Teil einer Gehwegplatte schwer verletzt wurde. Die Tat wird als versuchter Mord eingestuft. Die Beamtin ist bis heute nicht mehr diensttauglich. Ihr 59-jähriger Kollege blieb unverletzt.
Lange Zeit war unklar, aus welcher Wohnung der Gegenstand stammte. Die Bewohner schwiegen – obwohl die Staatsanwaltschaft eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise auf den Täter ausgesetzt hatte. Die Konsequenz: Das gesamte Hochhaus geriet unter Verdacht. Nun gibt es einen konkreten Tatverdächtigen.

Hochhaus im Brennpunkt-Viertel
Das Hochhaus in diesem sozialen Brennpunkt sorgt seit Jahren immer wieder für Schlagzeilen – bedingt durch Probleme wie Gewalt und Drogen. Die Polizei ist regelmäßig im „Weißen Riesen“ im Einsatz. Sprecherin Stephanie Lage berichtet: „Im Jahr 2025 gab es 107 Polizeieinsätze in dem Gebäude.“ Mit einer Höhe von 85 Metern ist der „Weiße Riese“ das höchste Wohnhaus der Stadt.


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