Seit Wochen ist die Region darum bemüht, den Wasserstand der Sambre durch kontinuierliches Abpumpen auszupegeln. Nun wurde Googles Vorhaben, an genau diesem Fluss Kühlwasser zu entnehmen, ein deutlicher Strich durch die Rechnung gemacht.
Der Internetriese Google hatte für sein avisiertes Rechenzentrum in Wallonien auf Kühlwasser aus der Sambre gesetzt. Doch an dem vorgesehenen Standort in Farciennes darf der Fluss, der auch durch das benachbarte Charleroi verläuft, künftig nicht mehr für die Wasserkühlung herangezogen werden. Der wallonische Raumordnungsminister François Desquesnes hat die dafür notwendige Genehmigungsänderung verweigert, wie die Tageszeitung „Le Soir“ berichtet.
Als Begründung für seine Entscheidung führt Desquesnes die außergewöhnlichen Hitzewellen, drohende Dürreperioden sowie das Vorsorgeprinzip an. „Mir fehlt der ausreichende Überblick, um zusichern zu können, dass die Region die von Google beantragte Wasserentnahme in den kommenden Jahren verkraften wird“, erklärte der Minister.
Googles belgische Rechenzentren: Erst Luftkühlung geplant, dann der Wechsel auf Wasser
Im Jahr 2024 erteilte die Region die Genehmigung für drei Rechenzentren, die zunächst mit Luftkühlung betrieben werden sollten. Während dieses Kühlprinzip für eines der Zentren weiterhin vorgesehen ist, sieht die Lage bei den anderen beiden anders aus: Im November 2025 stellte die Google-Tochter Crystal Computing den Antrag, zwei der drei Zentren zu einem zusammenzufassen und dabei stündlich 600 Kubikmeter Wasser aus der Sambre zur Kühlung zu verwenden. Wie „Le Soir“ schreibt, hätte dem Plan zufolge weniger als ein Viertel dieser Menge zurückgeführt werden sollen.

Sechs Google-Rechenzentren sind in Westwallonien bereits in Betrieb
Die Änderung wurde zunächst bewilligt, doch ein Bürger legte Einspruch ein. Ende Juli gelangte der Fall schließlich auf den Tisch des Ministers. Wasserentnahmen sollen künftig auf regionaler Ebene gesteuert werden. Dabei sollen die Trinkwasserversorgung, die Schifffahrt, die Landwirtschaft, die Kühlung von Atomkraftwerken sowie bereits zugesagte industrielle Bedarfe Vorrang genießen. Seit mehr als einem Monat pumpt die Region stündlich 28.000 Kubikmeter Wasser aus umliegenden Seen, um den Wasserstand der Sambre und des Brüssel-Charleroi-Kanals aufrechtzuerhalten.
Desquesnes zufolge sei ein Umdenken erforderlich, ebenso wie politische Entscheidungen über die Prioritätenreihenfolge. In der Gemeinde Saint-Ghislain in Westwallonien betreibt Google bereits sechs Zentren, die mit Kanalwasser gekühlt werden. In Farciennes hat Google nun die Option, ein luftgekühltes Rechenzentrum zu errichten oder den Rechtsweg vor dem Staatsrat, dem höchsten belgischen Verwaltungsgericht, zu beschreiten.
Rechenzentren-Boom: 60 geplante US-Projekte erzeugen so viel CO2 wie 27 Kohlekraftwerke
Der Boom beim Bau von Rechenzentren lässt nicht nur den Wasserbedarf, sondern auch den Stromverbrauch massiv ansteigen. Wie eine Untersuchung der „Financial Times“ ergab, könnten 60 geplante Großprojekte in den USA jährlich mehr als 100 Millionen Tonnen CO2 verursachen – eine Menge, die der Emission von rund 27 Kohlekraftwerken entspricht.
Dieser zusätzliche Bedarf führt laut „Financial Times“ vielerorts zum Bau neuer Gaskraftwerke. Drei Viertel der betroffenen Energieversorger planen oder errichten derartige Kapazitäten. Dadurch droht der Rechenzentren-Boom jahrelange Fortschritte im Klimaschutz zunichtezumachen – ungeachtet der Investitionen in erneuerbare Energien.

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