Hohen Neuendorf (Brandenburg) – Seit der zehnten Klasse waren Jason und Emmi ein Paar, beide 19 Jahre alt. Während er eine Ausbildung im Bereich Logistik absolvierte, arbeitete sie als Pflegerin in einem Seniorenheim. Bis zum Dienstag schien alles in bester Ordnung zu sein. Nun liegen Blumen und Kerzen vor dem Haus in der Dorfstraße in Bergfelde. Emmi ist tot – die Polizei geht davon aus, dass ihr Freund Jason sie getötet hat. Die Ermittler vermuten, dass er sie bereits am Mittwoch umbrachte und sich noch am selben Tag gegen 16.15 Uhr in unmittelbarer Nähe vor einen Regionalzug warf.

Der Bahnübergang, an dem man Jasons Leichnam entdeckte, liegt ungefähr acht Fahrradminuten von dem Haus im Dorf entfernt. Dort steht noch ein kleines Bahnwärterhäuschen, das an vergangene Zeiten erinnert. Der Mann, der dort arbeitet, ist für die Schrankenanlage verantwortlich. Er berichtet: „Genau hier vorn ist es passiert. Der junge Mann soll ebenfalls 19 gewesen sein. Es ist tragisch für alle Beteiligten. Auch für den Lokführer und meinen Kollegen, der zu der Zeit Dienst hatte – ich selbst war im Nachtdienst. Es dauerte zwei Stunden, bis die Strecke wieder befahrbar war.“

Blumen und Kerzen erinnern an Emmi
Quelle: Aus dem Internet
Bahnübergang Schönfließ
Quelle: Aus dem Internet

Auch am Bahnübergang entstand eine Gedenkstätte: Blumen, zwei Flaschen Bier, Kerzen, ein Drehpapier für Joints sowie ein Bild von Jason, der gerade an einer Zigarette zieht. Plötzlich erscheint der Großvater des Verstorbenen – er trägt ein kariertes Hemd und eine kurze Hose. Er ist an den Ort gekommen, an dem sein Enkel sich das Leben genommen hat.

Großvater besucht den Bahnübergang

Er wirkt tief erschüttert und erklärt: „Für uns Großeltern ist das völlig unbegreiflich. Jason war ein fröhlicher Mensch, genau wie seine Freundin Emmi.“ Auch Jason sei 19 Jahre alt gewesen. „Wir hatten am Tag zuvor noch mit ihr gesprochen. Da war alles in bester Ordnung, pure Freude.“ Das Fahrrad seines Enkels habe man am Bahnübergang entdeckt, allerdings sei ein DNA-Abgleich erforderlich, da keine eindeutige Identifizierung mehr möglich gewesen sei. „Ich hoffe nach wie vor, dass er es vielleicht nicht war.“

Jason (†19) tötete mutmaßlich seine Freundin Emmi (†19)
Quelle: Aus dem Internet

„Am Abend war ein Grillabend geplant“

Jason und Emmi hätten sich während der zehnten Klasse kennengelernt, erzählt der Großvater weiter. Er habe eine Lehre in der Logistikbranche gemacht, während sie als Pflegerin in einem Seniorenheim in Oranienburg tätig war. Der Opa zeigt auf seinem Handy ein Foto vom letzten Geburtstag: Emmi sitzt mit langen blonden Haaren und Brille neben Jason.

Der Großvater berichtet: „Es ist unfassbar. Wir hatten uns für den Abend zum Grillen verabredet. Dann rief Jasons Vater an und sagte: ‚Etwas Schreckliches ist passiert.‘“ Die Umstände, unter denen Emmi am nächsten Tag aufgefunden wurde, seien eindeutig gewesen. „Ja, den Anschein hat es, dass Jason sie getötet hat“, sagt der Großvater sichtlich betroffen, auch wenn er die leise Hoffnung nicht aufgeben will, dass am Ende doch alles anders gewesen sein könnte. „Emmis Vater sagte damals in seiner Verzweiflung: ‚Das ist ein Mörder, den bringe ich um.‘ Zu dem Zeitpunkt wusste er noch nicht, dass Jason sich vermutlich selbst das Leben genommen hat.“

Depressive Gedanken? Hier erhalten Sie sofort Unterstützung

The Pik berichtet in der Regel nicht über Suizide, um keine Nachahmung zu provozieren – es sei denn, die Umstände erfordern besondere Aufmerksamkeit. Falls Sie selbst unter Depressionen leiden oder Gedanken an Selbsttötung haben, wenden Sie sich bitte unverzüglich an die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de).

Unter der gebührenfreien Nummer 0800–1110111 oder 0800–1110222 stehen Ihnen Berater zur Verfügung, die Wege aus schwierigen Lebenslagen aufzeigen können.