Hamburg – Es könnte die lang ersehnte Annäherung sein, auf die Millionen Anhänger seit Jahrzehnten warten. In einem Interview überrascht Dieter Bohlen (72) mit der Aussage, dass er sich erneut gemeinsame Auftritte mit seinem ehemaligen Modern-Talking-Partner Thomas Anders (63) vorstellen könne. Noch dazu klingt der Pop-Titan plötzlich äußerst versöhnlich.
Nach all den Jahren. Nach Zwist, Kränkungen, Anschuldigungen und Funkstille. Nach zwei Trennungen von Modern Talking. Nach einer Pop-Geschichte, die so gewaltig war, dass sie bis heute unvollendet wirkt. Bohlen erklärt: „Ich halte es für kindisch, wenn man seit Jahren wegen irgendeiner Sache, die Thomas mal getan hat oder die ich getan habe, nicht wenigstens darüber nachdenkt, unseren gemeinsamen Triumph noch einmal aufleben zu lassen.“

„Thomas ist nicht mein Feind“
Ein Satz, der aufmerken lässt. Weil er anders klingt als so manches, was Bohlen in den letzten Jahren über Thomas Anders von sich gab. Ausgerechnet Dieter Bohlen, der Mann für klare Ansagen, der nur selten einlenkt, sagt jetzt: „Thomas ist ja nicht mein Gegner. Ich laufe ja nicht seit Jahren mit Groll im Herzen herum. Das ist schon lange verflogen.“
Hoffnung auf ein Comeback
Modern Talking. Das waren Dieter Bohlen und Thomas Anders. Zwei Musiker, ein Klang, millionenfach verkaufte Tonträger, Welthits wie „You’re My Heart, You’re My Soul“, „Cheri, Cheri Lady“ oder „Brother Louie“. Ein deutsches Pop-Märchen, das in den Achtzigern begann, 1987 erstmals zerbrach, 1998 sensationell zurückkehrte und 2003 erneut und vermeintlich für immer endete. So dachte man jedenfalls. Doch jetzt sagt Bohlen: „Warum sollte man den Fans nicht einmal eine Freude machen und so etwas in der Art umsetzen?“

Konzerte, Musical und Doku für Modern Talking
Der Auslöser für Bohlens neue Überlegungen: Offenbar besteht weltweit enormes Interesse an Modern Talking. Bohlen berichtet: „Der Konzertveranstalter Live Nation hat uns gefragt, ob wir zehn große Shows geben möchten, global. Dann haben sie angefragt, ob wir ein Musical machen möchten: Modern Talking, das Musical. Dann wurde an uns herangetragen, ob wir nicht eine Dokumentation über Modern Talking drehen wollen. Da habe ich mir gedacht: Warum sagt man zu so etwas eigentlich immer Nein?“ Bei ihm setzte offenbar ein Umdenken ein. Nicht nur beruflich. Auch persönlich. Bohlen erzählt: „Ich werde oft gefragt, wie ich reagieren würde, wenn ich zufällig Thomas Anders irgendwo treffe? Ich würde sagen: ‚Hallo, Thomas.‘ Wenn wir ein gutes Gespräch hätten, könnte ich mir auch vorstellen, ihn zu umarmen.“ Seine Worte wirken wie ein vorsichtiges Friedensangebot nach Jahrzehnten.

Nach Informationen gab es zuletzt erneut Kontakt zwischen Bohlen und Anders, ausgehend von Dieter. „Nicht ich allein bin Modern Talking. Wir beide sind Modern Talking. Deshalb habe ich Thomas gefragt, ob wir nicht wieder etwas gemeinsam unternehmen wollen. Die Idee mit dem Musical finde ich recht gut, Thomas, glaube ich, auch. Bei möglichen gemeinsamen Auftritten sind wir noch unterschiedlicher Ansicht. Ich möchte sie durchführen. Für die Fans und für unsere gemeinsame Historie. Diese Feindseligkeiten zwischen Thomas und mir sind doch schon seit Jahrzehnten vorbei.“
„Man kann wieder etwas Neues ausprobieren“
Beide hätten ihr eigenes Leben geführt, so Dieter. „Ich habe die ganzen Jahre DSDS gemacht und RTL. Thomas hat seinen Schlager. Jeder macht sein Ding. Aber man kann ja auch wieder etwas Neues versuchen und dann vielleicht ein paar gemeinsame Konzerte geben. Ich finde es etwas lächerlich, den Fans diesen Wunsch dauerhaft zu verweigern. Ich glaube, es gibt nichts, was sie sich mehr wünschen.“

Vor allem im Ausland sieht Bohlen enormes Potenzial. „Es gibt ja viele Länder, in denen Modern Talking noch viel besser läuft als in Deutschland. In Mexiko, Brasilien, ganz Südamerika oder Osteuropa könnten wir noch einmal Großes erreichen. Da machen wir Stadien voll. Das schafft jeder von uns allein nicht. Er nicht und ich nicht. Aber gemeinsam als Modern Talking wären wir der Knaller.“
Auch in Deutschland traut Bohlen „einem Modern-Talking-Beben“: „Wenn wir ein Konzert auf Schalke oder im Volksparkstadion geben, kommen genauso viele Menschen wie bei Helene Fischer. Davon bin ich überzeugt. Es soll kein klassisches Comeback werden. Eher ein Geschenk an unsere Fans, weltweit. Ein letztes gemeinsames Aufleuchten einer Band, die längst Pop-Geschichte ist.“
Seine Botschaft an Thomas Anders ist deutlicher denn je. „Ich empfinde den Gedanken als großartig. Thomas weiß das auch. Jetzt liegt der Ball bei ihm. Meine Hand ist ausgestreckt.“ Auf eine Anfrage wollte sich Thomas Anders nicht äußern.

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