Osternienburger Land (Sachsen-Anhalt) – Am 30. Juni postete Frances K. (32) ein Bild von sich und ihrem American Staffordshire Terrier „Abel“. Dazu schrieb die stolze Hundehalterin den Satz „Du bist alles für mich“ – ergänzt durch ein rotes Herz-Emoji. Eine Woche später tötete der Familienhund ihre vierjährige Tochter Matilda im Wohnzimmer.
Den vorliegenden Informationen zufolge war das Tier zuvor in einer Gitterbox eingesperrt. Ein 30-jähriger Besucher der Familie befreite den Hund am Mittwoch gegen 16.30 Uhr aus der Box, um mit ihm zu spielen. Als Matilda, die sich ebenfalls im Wohnzimmer aufhielt, den Hund streichelte, biss dieser plötzlich zu. Der American Staffordshire Terrier verbiss sich im Bauch des zarten Kindes. Die Erwachsenen versuchten verzweifelt, Hund und Mädchen zu trennen – jedoch vergeblich.
Christian Szydlik (31) und seine Freundin Isabell Lämmerzahl (28) wohnen im Unglückshaus Tür an Tür mit Matildas Familie. „Es war schrecklich. Wir hörten die verzweifelten Schmerzensschreie der Kleinen. Anschließend bekamen wir mit, wie die Mutter das Kind aus der Wohnung ins Freie trug.“ Die Blutspuren reichten bis nach draußen.

Jugendamt nimmt Geschwister in Obhut
Sämtliche Wiederbelebungsversuche – zunächst durch Polizeibeamte, später durch Rettungskräfte und den Notarzt – blieben erfolglos. Um 17.30 Uhr stellte der Mediziner vor Ort den Tod des Kindes fest. „Zum Glück hat der Hund nicht auch noch das Baby attackiert“, sagt Nachbarin Isabell. Neben Matilda befanden sich ihr großer Bruder (11) und das Neugeborene in einer Babyschale in der Wohnung. Die Kinder wurden anschließend vom Jugendamt in Obhut genommen.
Ein an dem Einsatz Beteiligter schildert: „Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams mussten sich um die Polizeibeamten kümmern, die den Anblick des toten Mädchens kaum ertrugen. Die Mutter wurde durch einen Seelsorger betreut.“
Ermittlungen wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung
Staatsanwältin Alexandra Jirschik von der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau erklärt zu dem Fall: „Gegen die Mutter und den Mann, der den Hund aus dem Käfig ließ, wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt.“ Der Leichnam wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Am Freitag soll der Körper des getöteten Mädchens in der Gerichtsmedizin Halle obduziert werden.

Den Informationen zufolge machten die Polizeibeamten bei dem Rettungseinsatz in der Ortschaft Drosa im Osternienburger Land auch einen sogenannten „Zufallsfund“: Die Beamten beschlagnahmten Klemmtütchen mit Rauschgift. Dabei soll es sich um Crystal Meth handeln. Wem die Drogen gehören und von wem sie konsumiert wurden, ist nun Teil der Ermittlungen.
„Abel“ wurde nach der tödlichen Beißattacke in ein Tierheim gebracht. Der American Staffordshire Terrier ist ein sogenannter Listenhund: Die Rasse steht in Sachsen-Anhalt auf der Liste der gefährlichen Hunde. Die Haltung solcher Rassen unterliegt dort verschiedenen Auflagen (unter anderem einem Wesenstest).
Andy Grabner, der Landrat von Anhalt-Bitterfeld, sprach am Mittwoch nach Bekanntwerden der Attacke von einem „erschütternden Hundeangriff“. Der Kommunalpolitiker weiter: „Ein Kind von nur vier Jahren sollte unbeschwert aufwachsen dürfen. Stattdessen hinterlässt diese unfassbare Tragödie eine Lücke, die niemals geschlossen werden kann. Ruhe in Frieden, kleine Seele. Du wirst nicht vergessen sein.“
Anfragen zur Hundeattacke und zum Tod ihrer Tochter ließ Frances K. bislang unbeantwortet.

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