McKenna setzt seine körperlichen Vorteile ein, Oliha sucht den Weg ins Innere

Schon in den ersten Sekunden wurden die unterschiedlichen physischen Gegebenheiten und taktischen Konzepte der beiden Kontrahenten deutlich. McKenna (20-0, 10 KOs) konnte sich auf deutliche Vorteile bei Größe und Armlänge stützen, während Oliha (21-0, 10 KOs) aus dem Zentrum des Rings heraus die Distanz überwinden und mit Treffern zum Körper punkten wollte.

Der Italiener, der beim deutschen Veranstalter Ingo Volckmann (AGON Sports) unter Vertrag steht, konnte dabei vor allem seine Schnelligkeit in die Waagschale werfen. In der zweiten Runde gelangen Oliha einige beachtliche Treffer aus der Halb- und Nahdistanz. McKenna fand jedoch zunehmend besser ins Duell und stellte sich auf seinen Widersacher ein. In Runde drei traf der Ire mit seiner langen Führhand immer häufiger und brachte zudem Kombinationen an den Mann.

Ab dem vierten Durchgang erhöhte McKenna das Tempo und den Druck. Der Lokalmatador ging entschlossen nach vorne, arbeitete unermüdlich und landete die deutlich höhere Anzahl an sauberen Treffern. Oliha stemmte sich dagegen und versuchte, dem Druck standzuhalten. Zahlreiche Attacken aus der Nahdistanz endeten im Clinch, in dem beide Akteure darum rangen, den Gegner an die Seile zu drängen. Das Tempo blieb dabei stets hoch.

McKenna vs Oliha

Der Jab von McKenna wird zum Schlüsselelement

Im fünften Durchgang übernahm McKenna mehr und mehr das Kommando. Insbesondere seine Führhand avancierte zum dominierenden Werkzeug. Oliha agierte in diesem Abschnitt zu passiv und überließ seinem Gegenüber weite Teile der Gestaltung.

Auch in der Folge verstand es McKenna, die Vorhaben seines Kontrahenten zu unterbinden. Wenn Oliha die Distanz überbrückte, nahm ihm der Ire im Clinch oft die Chance auf weiteres Arbeiten. In Runde sieben versuchte McKenna wiederholt, Oliha an den Seilen festzunageln. War ihm das gelungen, schloss er mit Kombinationen ab und hielt den Druck konstant hoch.

Oliha wurde im achten Durchgang wieder aktiver und suchte häufiger selbst den Weg nach vorne. Am Gesamteindruck änderte das jedoch wenig. McKenna blieb der Ton angebende Boxer. In Runde neun war der Kampf zunehmend von körperlichem Einsatz, Schieben und Clinch geprägt.

Oliha bleibt gefährlich und steckt harte Schläge weg

Trotz des fordernden Kampfverlaufs präsentierte sich Oliha auch in der zehnten Runde in guter körperlicher Verfassung. McKenna landete jedoch weiterhin die härteren Treffer und bestimmte das Geschehen.

Im vorletzten Durchgang suchte Oliha noch einmal konsequenter seine Chancen. Er versuchte, Lücken in McKennas Deckung zu finden, was ihm mehrfach gelang. Doch auch der Ire blieb in der Offensive vielseitig. McKenna traf aus der langen Distanz, der Halbdistanz und der Nahdistanz und brachte einige schwere Treffer an. Oliha steckte die Schläge weg, blieb aufrecht und kämpfte weiter. Nach einem Zusammenprall mit den Köpfen zog sich McKenna zudem eine Platzwunde am Haaransatz zu.

Vor der zwölften Runde war klar, dass Oliha einen Knockout benötigte. Entsprechend entschlossen ging er nach vorne und versuchte, mit kraftvollen Aktionen die Entscheidung zu erzwingen. McKenna verteidigte jedoch aufmerksam, klammerte in den entscheidenden Augenblicken und lauerte seinerseits auf Kontergelegenheiten.

Aaron McKenna siegt deutlich nach Punkten

Nach zwölf intensiven Runden gab es keinerlei Zweifel am Ausgang. Die Punktrichter entschieden den Kampf mit 118-110, 117-111 und 116-112 einstimmig für Aaron McKenna.

Für den Iren hatte der Erfolg auch wegen des Austragungsortes eine besondere Bedeutung. Zum ersten Mal in seiner neunjährigen Profikarriere boxte McKenna in Irland und konnte seinen Auftritt vor heimischem Publikum mit dem Gewinn der IBF- und Zuffa-Weltmeistertitel krönen.

Damit stellt sich McKenna in die Reihe erfolgreicher irischer Champions wie Steve Collins und Andy Lee. Für Etinosa Oliha bedeutet dieser mutige Auftritt die erste Niederlage seiner Karriere.