Uelzen (Niedersachsen) – Bundesweite Bekanntheit erlangte die Krebspatientin Silvia Dronsch (53), als Friedrich Merz (70, CDU) sie während eines Bürgerdialogs vor laufenden Kameras zurechtwies. Eine Entschuldigung blieb aus; stattdessen übermittelte das Kanzleramt später eine Autogrammkarte. Aus dem Büro von Jens Spahn (46, CDU) kam zudem der Vorschlag, sie könne im Falle finanzieller Engpässe ihr Haus veräußern. Nun folgt der nächste Schock: Aufgrund wiederholter Anrufe von Dronsch im Niedersächsischen Sozialministerium wegen ihrer ausstehenden Grundsicherung stand plötzlich die Polizei vor ihrer Tür.

Am 15. August endet ihr Anspruch auf Krankengeld. Die Bewilligung ihrer Grundsicherung steht für Silvia Dronsch bis dato aus. Seit Monaten bemüht sich die 53-Jährige um Anträge und sucht Unterstützung bei Ämtern. Schließlich führte ihr Weg ins Sozialministerium nach Hannover. Dort gelang es ihr, bis ins Vorzimmer von Minister Andreas Philippi (61, SPD) durchgestellt zu werden, wo sie ihre Situation darlegte. Ein Mitarbeiter hörte eine Weile zu – und beendete das Gespräch schließlich einfach.

Silvia Dronsch rief wiederholt im Vorzimmer von Niedersachsens Sozialminister Andreas Philippi (61, SPD) an

Dronsch ließ nicht locker und versuchte es erneut – bis die Polizei vor ihrer Tür stand. Am Mittwoch gegen 16.30 Uhr hielt ein Streifenwagen vor ihrem Haus in Suhlendorf. Zwei Beamte stiegen aus und fragten unvermittelt nach ihrem Wohlbefinden. Im Verlauf des Gesprächs erfuhr die 53-Jährige: Bei der Polizei war ein Hinweis eingegangen, wonach sie Selbstmordgedanken geäußert habe. Ein Polizeisprecher bestätigt den Einsatz. Der Hinweis stamme vom LKA – vermutlich weitergeleitet von einer anderen Behörde.

„Ich bin überzeugt, dass man mich einschüchtern wollte“

Der Polizeibesuch blieb nicht unbemerkt. Nachbarn hatten den Streifenwagen gesehen und fragten später nach. Kurz darauf meldete sich eine Mitarbeiterin des Ministeriums. Sie sagte Unterstützung zu und bat darum, bis zum 12. August von weiteren Anrufen im Ministerium abzusehen. Auf Dronschs Nachfrage, weshalb die Polizei eingeschaltet worden sei, erklärte die Frau, dies sei aus Fürsorge erfolgt. Dronsch: „Ich habe mit keinem Wort erwähnt, dass ich mir etwas antun möchte. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich trotz meiner Krankheit stets stark geblieben bin.“ Für die 53-Jährige liegt ein anderer Schluss nahe: „Ich bin überzeugt, dass man mich einschüchtern wollte.“

Das Niedersächsische Ministerium für Soziales bestätigt, dass Dronsch wiederholt telefonisch und schriftlich Kontakt zu Mitarbeitern aufgenommen habe. Auch die Einschaltung der Polizei wird von dort eingeräumt. Laut Ministerium hätten Mitarbeiter in den Gesprächen den Eindruck gewonnen, Dronsch könne sich möglicherweise etwas antun.