Gräfenhainichen (Sachsen-Anhalt) – Ein 35-jähriger Arbeitsloser versetzt eine ganze Kleinstadt in Angst und Schrecken: Felix B., von den Einwohnern nur „Axtmann“ genannt, soll wahllos Passanten attackiert, Kinder mit einem Beil bedroht und seit Wochen immer wieder für Chaos gesorgt haben. Ein Ortsbesuch in einer Gemeinde, die an einem scheinbar unbeherrschbaren Bewohner verzweifelt.
Attacke mit Hund: Ehefrau schildert den Schock
„Es ist schrecklich, dieser Mann muss endlich weg“, sagt Annette Albrecht-Hotowy (59) mit leiser Stimme. Seit Sonntagabend um 21 Uhr ist ihr bewusst, wie gefährlich Felix B. sein kann: Sie wurde Zeugin, wie ihr Ehemann ohne jeden Grund zum Angriffsziel wurde. „Als mein René vor dem Haus eine Zigarette rauchte, kam der Axtmann vorbei und schrie, er würde ihm in die Fresse treten“, berichtet die 59-Jährige fassungslos. Danach eskalierte die Situation: Felix B. schlug dem Mann ins Gesicht und hetzte seinen Hund auf ihn.

„Er trug Bissverletzungen davon und konnte sich nur mit einer Markisenstange verteidigen“, erklärt Annette Albrecht-Hotowy. Erst ihr Sohn Michael gelang es, den Axtmann aus dem Hausflur zu vertreiben. Für die 59-Jährige steht außer Frage: „Michael hat meinem Mann das Leben gerettet.“ Die Polizei bestätigt den Vorfall. „Die Bisswunden des Geschädigten wurden vor Ort von einem Rettungswagen versorgt“, so Sprecherin Doreen Wendland.
Ein Tag voller Straftaten
Doch nicht nur dieser Übergriff wird dem Axtmann zur Last gelegt. Auch für weitere Vorfälle am selben Sonntag wird gegen ihn ermittelt. Aktenkundig sind bei der Polizei eine Beleidigung an einer Tankstelle (19.25 Uhr), ein Faustschlag gegen einen 18-Jährigen (20.20 Uhr) sowie Randale an einem Imbiss.

Später stellten die Beamten Felix B. an seiner Wohnanschrift und führten eine Gefährderansprache durch. Eine Festnahme erfolgte jedoch nicht – offenbar wiegen die vorgeworfenen Taten nicht schwer genug für eine Inhaftierung.
Kaum war er weg, kehrte der Axtmann zurück
Felix B. selbst möchte sich zu den Anschuldigungen nicht äußern. Fest steht jedoch, dass er die Polizei seit Wochen immer wieder beschäftigt: Am Abend des 9. Juli soll er drei Kinder im Alter von 11 bis 12 Jahren mit erhobener Axt bedroht haben, vier Tage später zog er stundenlang randali erend durch die 10.000-Einwohner-Stadt.

Am Nachmittag des darauffolgenden Tages geriet die Gartenlaube des Axtmanns in Brand. Wer das Feuer gelegt hat, ist Gegenstand laufender Ermittlungen. Feuerwehr und Rettungskräfte berichten allerdings von B.s aggressivem Auftreten am Brandort. „Seit Mai 2026 wurden im Bereich Gräfenhainichen insgesamt 34 Polizeieinsätze registriert, aus denen 21 Strafanzeigen gegen den Beschuldigten hervorgingen“, erklärt die Polizeisprecherin.
Rätselraten um die Ursache der Gewalt
Als der Reporter den Ort besucht, ist es gerade ruhig. Auf dem Lidl-Parkplatz neben der Polizeistation steht ein Grillwagen, vier Kunden diskutieren inmitten des Hähnchengeruchs darüber, was aus Felix B. den „Axtmann“ gemacht hat. „Die Drogen haben ihn völlig kaputt gemacht“, meint einer, der einst mit ihm zur Schule ging. Ein anderer will erfahren haben, dass er den Tod einer Freundin nie verwunden habe. Auch Haftzeiten und Obdachlosigkeit hätten ihre Spuren hinterlassen.

So unterschiedlich die Erklärungsansätze auch sind, die Bewohner von Gräfenhainichen eint ein Wunsch: endlich wieder ohne Angst leben zu können. Denn Felix B. ist nicht der einzige Gewalttäter im Ort. Aktuell muss sich Steve G. vor Gericht verantworten, dem diverse Straftaten vorgeworfen werden – begangen während seiner Bewährungszeit. Diese wird derzeit neu verhandelt. Als die Reporter Steve G. zuvor im Ort trafen, saß er allein auf einer Bank. „Die Leute sollen mich in Ruhe lassen, dann mache ich auch nichts“, sagte er trotzig. „Es wäre besser gewesen, sie hätten mich für sieben Monate eingesperrt. Dann hätte ich im Knast eine Ausbildung machen können.“



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