Reality-Star Edith Stehfest (30) verspricht auf OnlyFans: „Ich warte auf deine geheimen Fantasien und möchte dir zeigen, welche deiner geilen Wünsche ich umsetzen werde“

Berlin – 2018 sicherte sie sich olympisches Gold, dazu kamen Titel bei Welt- und Europameisterschaften. Sie gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Bobfahrerinnen Deutschlands. Doch die 50.000 Euro, die Lisa-Marie Buckwitz pro Saison für ihr Training, ihre Leistung, ihr Team und damit ihren Erfolg benötigt, muss sie sich anderweitig beschaffen – auf der Erotikplattform OnlyFans.

Für 24,99 Dollar pro Monat (rund 21,70 Euro) erhalten Abonnenten Einblicke in das Leben der Olympionikin abseits des Eiskanals. Die Athletin, die einen Sponsorenvertrag mit OnlyFans abgeschlossen hat, zeigt sich dafür in Unterwäsche, beim Yoga oder im Training. „Komplette Nacktinhalte würde ich dort nie posten“, betont sie. Gegen Aufpreis besteht die Möglichkeit zum Chat mit der Sportlerin oder zur Frage nach privaten Details: etwa was sie im Bett trage („Ein kurzes Höschen und ein Top, sonst ist es im Winter zu kalt …“) oder was sich unter ihrem Rennanzug befinde („Unterwäsche“). Bei Grenzüberschreitungen reagiert sie konsequent – wer sich danebenbenimmt, wird blockiert.

Buckwitz: „Bei OnlyFans sind reale Personen, die mit einer Olympiasiegerin interagieren wollen.“


Olympia-Bobfahrerin Lisa-Marie Buckwitz (31) gibt zu, dass das Sexuelle „natürlich ein Thema“ ist

Bob-Olympiasieger: „Ich bin kein Pornodarsteller“

Lisa-Marie Buckwitz steht mit diesem Schritt nicht allein im Spitzensport. Das OnlyFans-Phänomen beschränkt sich zudem nicht nur auf Frauen. Bob-Olympiasieger Georg Fleischhauer (37, zweimal Gold) bietet seine Inhalte für 17,35 Euro monatlich an. Er verspricht „exklusive Inhalte (…), die du sonst nirgendwo findest“. Sein Programm umfasst Workouts; der Sportler präsentiert sich in Unterhose. Und er stellt klar: „Ich bin kein Pornodarsteller.“

Für Bob-Anschieber Georg Fleischhauer (37) ist im Februar ein Kindheitstraum wahr geworden: Gold bei Olympia. Seinen Fans zeigt er auch gerne seine stählernen Muckis

Hier steht weniger der Trash als vielmehr das Cash im Vordergrund: Was einst als Schmuddelecke des Internets galt, hat sich zu einem Milliardengeschäft entwickelt. Weltweit verzeichnet OnlyFans inzwischen rund 377,5 Millionen Nutzer, mit steigender Tendenz. Etwa ein Drittel der Nutzer ist zwischen 25 und 34 Jahre alt. Die Zahl der Inhaltsersteller, sogenannter Creator, liegt bei rund 4,6 Millionen. Allein 2024 gaben Fans laut „Business Insider“ etwa 6 Milliarden Euro auf der Plattform aus. OnlyFans selbst erzielte dabei Einnahmen von über 1,04 Milliarden Euro.

Sarah Kern: fünfstellige Einnahmen bei OnlyFans

Homeshopping-Queen Sarah Kern (57) ist seit Juni bei OnlyFans aktiv und hat eigenen Angaben zufolge bereits einen fünfstelligen Betrag eingenommen. „Es macht mir auch richtig Spaß, das hätte ich nie gedacht“, erklärt sie: „Ich fühle mich weiblicher und meine körperliche Lust ist zurück. Ein Fan wollte einfach nur, dass ich weiße Tennissocken trage.“

Das Portal ist kulturell im Mainstream angekommen: Die besonders bei jungen Menschen beliebten Serien „Only Margo“ (Apple TV) und „Euphoria“ (HBO Max) greifen das Thema auf. Auch Stars aus der „alten Welt“ entdecken OnlyFans als Einnahmequelle. Schauspielerin Donna Mills (85, „Unter der Sonne Kaliforniens“) ist neuerdings mit einem eigenen Profil vertreten – selbstverständlich nicht nackt. Ihre letzte bedeutende Rolle liegt Jahre zurück. Sie schätze die Möglichkeit, über OnlyFans einen persönlicheren und direkteren Austausch mit ihren Fans zu pflegen. Für Mills, die seit Januar erstmals Großmutter ist, sei es schlicht eine Plattform für „Quality Time“ – und ein kleines Zubrot.

Edith Stehfest will finanziell unabhängig sein

Ihr neues Leben und ihre neue Karriere begannen mit der Trennung von ihrem Ehemann. Edith Stehfest (30) und Schauspieler Eric Stehfest (37) gaben 2025 nach zehn Jahren Ehe ihre Trennung bekannt. Nun möchte Edith, Mutter von zwei Kindern, über die Plattform eigenes Geld verdienen. Auf OnlyFans setzt sie auf exklusive und deutlich persönlichere Inhalte als auf ihren übrigen Social-Media-Kanälen. Sie spricht von einer besonderen „Intimität“. Auf Instagram zeigte sie sich begeistert von dem „krassen neuen Raum“, der sich ihr eröffnet habe. „Der stärkt mich. Der ist besonders.“

Ein Abo für Reality-Star Edith Stehfest kostet auf OnlyFans 17,30 Euro im Monat

Der Aufstieg von OnlyFans zum Milliarden-Business

Gegründet wurde OnlyFans 2016 vom britischen Geschäftsmann Timothy Stokely (43). Sein Bruder Thomas übernahm die operative Leitung, Vater Guy kümmerte sich um die Finanzen des Familienunternehmens. Ursprünglich ging es nicht um Erotik. Musiker und andere Kreative sollten auf OnlyFans mit exklusiven Inhalten Geld verdienen – vollständig bekleidet. Dann wurde Nacktheit erlaubt und die Plattform zum Erfolgsmodell. 2018 erwarb der ukrainisch-amerikanische Unternehmer Leonid Radvinsky 75 Prozent der Anteile. Mit der Corona-Pandemie explodierte das Geschäft: Die Nutzerzahl stieg von 13,5 Millionen (2019) auf 82,3 Millionen (2020). Zwischen 2020 und 2024 erhielt Radvinsky 1,3 Milliarden Dollar (ca. 1,13 Milliarden Euro) an Dividenden. Sein Vermögen wurde zuletzt auf 4,1 Milliarden Euro geschätzt. Forbes führte ihn auf Platz 872 der reichsten Männer der Welt. Im März verstarb er im Alter von 43 Jahren an Krebs.

Katja Krasavice: intime Inhalte mit anderen Frauen

Videobotschaften oben ohne – für die selbst ernannte „Boss Bitch“ Katja Krasavice (29) Alltag. Seit Februar 2021 ist auch sie bei OnlyFans. „Preislich habe ich schon für 20.000 Euro ein getragenes Höschen verkauft“, verrät sie. Manche Anfragen betreffen benutzte Piercings und gekaute Kaugummis. Nach Fußfotos werde ohnehin gefragt. Sie mache „keine halben Sachen“, verspricht die Sängerin, zeige Sexspielzeuge und intime Inhalte mit anderen Frauen, die besonders gut ankommen. Wie hoch ihre Einnahmen sind? „Darum kümmert sich mein Steuerberater“, so Krasavice. „Ich weiß nur, dass ich einen roten Benz durch OnlyFans habe.“

Katja Krasavcie (29) zeigt für 21,70 Euro im Monat fast alles, darunter erotische Inhalte mit anderen Frauen

Der außergewöhnlichste Wunsch: „Ein Fan hat mich dafür bezahlt, dass ich ihm dabei helfe, seine Freundin komplett nach meinem Ebenbild umzugestalten. Er hat mich dann nach meinem Lieblingsduft ausgefragt, weil er wollte, dass sie genauso riecht wie ich.“

„Vom ersten Tag an Geld verdienen“

Seit drei Jahren steht die Irin Keily Blair (44) als CEO an der Spitze des Unternehmens. Auf der Digitalmesse OMR in Hamburg erklärte sie im Mai: „Creator kontrollieren hier ihren Content, ihre Preise und ihre Grenzen. Man kann auf der Plattform vom ersten Tag an Geld verdienen.“ Das Portal profitiert stets mit: OnlyFans erhält pauschal 20 Prozent Provision.

Offizielle Zahlen gibt es nicht, doch nach Nutzerzahlen sind die USA der größte Markt für OnlyFans, gefolgt von Großbritannien und Mexiko. Deutschland rangiert bei den Nutzern auf Platz vier. Bei den Ausgaben liegt Deutschland nur auf Platz 9. Die durchschnittliche Verweildauer beträgt 10 Minuten und 40 Sekunden. Ein Abonnement kostet im Schnitt etwa 7,85 Euro. Eine Analyse von über einer Million Abonnenten ergab, dass nur rund 4,2 Prozent der Nutzer überhaupt Geld ausgeben. Diese zahlenden Nutzer geben dann aber im Schnitt 42,33 Euro pro Creator aus.

OnlyFans-CEO Keily Blair (44) warb auf der OMR in Hamburg mit der Selbstbestimmung der Creator. Jeder legt seinen Preis selbst fest

Vom Elektroingenieur zum OnlyFans-Star

Einer der erfolgreichsten deutschen Männer ist Elektroingenieur Fabius (29), der als „Blondfitboy“ mit Muskeln und 18 Zentimetern wirbt. Er zeigt Sextapes und Sportvideos: „Von mir und meinem Körper ist dort wirklich alles zu sehen. Ich nehme meist eine dominantere Rolle ein.“ Das kommt bei seinen Fans gut an: „Gewünscht werden Sprachnachrichten oder Videos, in denen ich sie erniedrige und beleidige.“ Nebenbei verkauft er getragene Unterwäsche und Socken. Seine Grenze: „Bilder, die Urin oder Fäkalien beinhalten.“

Elektroingenieur Fabius (29) verkauft sein Abo für 9,54 Euro im Monat. Für Sonderwünsche nahm er schon 350 Euro

Elektroingenieur Fabius (29) verkauft sein Abo für 9,54 Euro im Monat. Für Sonderwünsche nahm er schon 350 Euro

Als Fabius 2024 startete, nahm er im ersten Monat über 4300 Euro vor Steuern ein. Danach sei es weniger geworden, „als die erste Neugier erloschen ist“. Heute schwanken seine Einnahmen zwischen 3500 und 8700 Euro monatlich. Davon gehen die Plattformgebühr und Steuern ab. „Dann bleibt mir ungefähr die Hälfte der Einnahmen.“ Privat führt er eine Beziehung. In der Familie ist sein Account bekannt. „Die meisten sind erst mal etwas überrascht, ein Problem hatte damit bisher niemand. Mein Freund versteht, dass das Körperliche und Emotionale dort getrennt wird.“

Nur Spaß bei OnlyFans?

Es gibt auch Schattenseiten. Kritiker bemängeln unzureichenden Jugendschutz auf der Plattform. Zudem besteht der Verdacht, dass bezahlte Interaktionen zwischen Profilen und Kunden oft KI-generiert sind und nicht echt. Die Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ (TDF) kritisiert darüber hinaus, dass Frauen unter Druck stünden, besonders nachgefragte Inhalte zu veröffentlichen, die „patriarchale Rollenbilder und Machtverhältnisse“ reproduzieren – ganz nach dem veralteten Motto: „Der Mann hat das Geld, die Frau den Körper …“ Inzwischen gebe es zahlreiche Agenturen, die Creator „zu immer pornografischeren Inhalten überreden“ und mindestens 50 Prozent des Umsatzes einbehalten.

Dem hält Keily Blair entgegen: Das Unternehmen bezahle Millionen von Menschen dafür, was sie ohnehin tun würden. Ihr stärkstes Argument: „Für jeden Dollar, den wir verdienen, verdienen die Urheber vier.“

Anne Wünsche: 4,2 Millionen Euro verdient

Der wohl größte deutsche OnlyFans-Star ist Anne Wünsche (34). Die Mutter von drei Kindern wurde durch die RTLZWEI-Soap „Berlin – Tag & Nacht“ (2011 bis 2015) bekannt. Heute produziert sie ihre Inhalte auf einer Luxus-Jacht – und prahlt anschließend, wie schnell sie die Kosten wieder hereingeholt habe. Ihr Abo ist sogar kostenlos, gegen Geld erfüllt sie viele Anfragen: „Das letzte Mal bekam ich 4000 Euro für ein zehnminütiges Video, in dem ich in Heels hin- und herlaufe. Mehr wollte er nicht.“ Männer wünschten sich eine Bewertung ihres besten Stücks, sagt sie. „Ich liebe das.“

TV-Star Anne Wünsche (34) sorgt sich, dass exklusive Bezahlinhalte im Netz kursieren. „Das ist schon öfter passiert“, sagt sie. „Ich arbeite mit zwei Leaking-Firmen zusammen, die sehr streng darauf achten und dann auch Anzeigen stellen.“

Doch nicht alle Wünsche erfüllt Anne: „Ich sollte mich in Dessous auf einen Luftballon setzen und so lange wippen, bis er platzt. Ich hätte mich total affig gefühlt.“ Richtig Kasse macht sie trotzdem: „Ich habe bisher über 4,8 Millionen Dollar (4,2 Mio. Euro, d. Red.) vor Steuern verdient.“ Sie zähle zu den erfolgreichsten 0,04 Prozent der Creator weltweit. Ihr treuester Kunde habe mit Extrawünschen 35.000 Euro für sie ausgegeben.