Hildesheim – Sein Überleben grenzt an ein Wunder. Nur durch Zufall entdeckte ein Landschaftsgärtner eine Paketbombe, die unter seinem Firmenfahrzeug angebracht worden war.

Ante Simunovic (50) sitzt in seinem Büro im Fachwerkhaus und trinkt nach einer durchwachten Nacht seinen Kaffee. Der Kroate lebt seit 1992 in Grasdorf, einer beschaulichen Gemeinde mit 800 Einwohnern im Landkreis Hildesheim (Niedersachsen). Er führt einen kleinen, aber erfolgreichen Gartenbaubetrieb mit drei Angestellten. Stolz präsentiert er seinen Meisterbrief an der Wand. Simunovic ist ein Arbeiter durch und durch, mit Händen, die so breit sind wie Schaufeln. Im Dorf ist er als Handwerker geschätzt. „Ich habe hier mit niemandem Schwierigkeiten“, erklärt er. Trotzdem wollte jemand seinen Tod.

Im Gras liegt die mit schwarzem Klebeband umwickelte Paketbombe. Um den Auspuff herum sind Kabel sowie der Stift des Zünders zu erkennen. Am roten Kabel baumelt eine schwarze Batterie
Quelle: Privat

Bombe mit Schraubenmuttern bestückt

Entgegen der polizeilichen Darstellung war es nicht ein Nachbar, sondern der Gartenbauer selbst, der den gefährlichen Gegenstand entdeckte: „Am Sonntag, kurz nach 16 Uhr, sah ich etwas unter unserem Firmen-Pritschenwagen liegen. Größer als eine Brotdose, mit schwarzem Klebeband umwickelt. Ich dachte zunächst an einen Streich der Nachbarskinder oder eine liegen gebliebene Postsendung. Ich hob das Paket hoch und bemerkte, dass es mit etwa zwei Handvoll Schraubenmuttern gefüllt war.“ Daran waren Kabel befestigt, die zur Auspuffanlage führten. Im Paket befand sich ein Stift, daneben hing eine kleine Batterie am Kabel. Simunovic alarmierte umgehend die Notrufzentrale.

Setzte der Täter Plastiksprengstoff ein?

Der Fund löste einen Großeinsatz aus: Streifenwagen, Rettungskräfte, Feuerwehr, das gesamte Areal wurde abgesperrt. Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes der Bundespolizei rückten an, ein Roboter untersuchte das Paket. Dann die Gewissheit: Es handelt sich um eine professionell gefertigte Vorrichtung mit Zünder. Simunovic erfuhr von Plastiksprengstoff: „Ich war fassungslos.“ Offenbar sollte das Paket an der Fahrertür explodieren. Mit einem Sprengstoffspürhund wurden Haus und Grundstück durchsucht, jedoch nichts Weiteres gefunden. Am Montagmorgen entschieden die Experten, die Paketbombe auf einem Feld kontrolliert zur Detonation zu bringen.

„Ich lasse mich nicht einschüchtern!“

Die Ermittler stellten dem ledigen Gartenbauer Fragen, die ihm selbst durch den Kopf gingen: Wer könnte dahinterstecken? Hat er Feinde? Streit mit Wettbewerbern? Dunkle Geschäfte mit Geldgebern? War vielleicht ein Mitarbeiter das Ziel? Ante Simunovic hat darauf keine Antworten: „Ich arbeite ehrlich, zahle meine Steuern, mehr gibt es dazu nicht.“ Inzwischen hat sich auch der Bürgermeister bei ihm gemeldet und nach seinem Befinden gefragt.

Der Gartenbauer führt seinen Betrieb in diesem Fachwerkhaus in Grasdorf
Quelle: Google

Da der Betrieb vier Wochen geschlossen war, lässt sich der Zeitpunkt der Bombenplatzierung nur schwer eingrenzen. Auf das angebotene Angebot von Polizeischutz verzichtete er: „Ich möchte dem Staat keine Kosten verursachen. Das war eine feige Aktion, aber ich lasse mich nicht unterkriegen.“ Ante Simunovic ist sich jedoch bewusst, dass der Tag auch eine andere Wendung hätte nehmen können. Er blickt nach oben: „Ich danke Gott.“

Die Polizei ermittelt wegen versuchten Tötungsdelikts und versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion. Aus „ermittlungstaktischen Gründen“ gibt es derzeit keine weiteren Informationen.