Hamburg/Sønderborg (Dänemark) – Während sich der Entführungsprozess um die Kinder der Steakhaus-Unternehmerin Christina Block (53) am Hamburger Landgericht dem 69. Verhandlungstag nähert, rückt ein Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn in den Fokus dänischer Ermittlungsakten. Im Zentrum steht ein gescheiterter Entführungsversuch, der dem späteren Fall vorausging.

Die Hamburger Geschäftsfrau, die die Restaurantkette „Block House“ führt, sieht sich im laufenden Verfahren mit dem Vorwurf konfrontiert, ihre Kinder Theo (12) und Klara (15) in der Silvesternacht 2023/24 mithilfe einer israelischen Sicherheitsfirma gewaltsam nach Deutschland gebracht zu haben. Die Geschwister lebten seit 2021 bei ihrem Vater Stephan Hensel (52) und dessen Partnerin in Dänemark.

44.000 Euro Honorar für die „Rückführung“ der Kinder

Ein bislang nicht behandelter Aspekt des aktuellen Verfahrens: Bereits 13 Monate zuvor soll Block ein Unternehmen mit der Rückholung ihrer Kinder beauftragt haben. Die Wahl fiel offenbar auf die Sicherheitsfirma BPS 360° aus Gera in Thüringen, für die auch der Bahn-Angestellte tätig gewesen sein soll. Ein Dokument der dänischen Staatsanwaltschaft, das The Pik vorliegt, belegt ein schriftliches Angebot des damaligen Geschäftsführers über 44.000 Euro für die „Rückführung“ der Kinder. Bemerkenswert: Im Angebot wurde der Name der Auftraggeberin falsch geschrieben – statt „Block“ steht dort „Brock“, allerdings mit korrekter Adresse der Hamburgerin.

Christina Block neben ihrem Rechtsanwalt Ingo Bott auf der Anklagebank des Hamburger Landgerichts
Quelle: dpa

Die Ermittlungsakte der dänischen Behörden, die The Pik ebenfalls vorliegt, enthält zudem Fotos eines etwa 60-jährigen Mannes in Handschellen sowie seine Visitenkarte, die ihn als Security-Manager bei der Deutschen Bahn ausweist. Zu seinen Aufgaben zählen demnach Personenschutz und Sabotage-Abwehr. Die Polizei hielt nach umfangreichen Ermittlungen fest, dass er „im Alltag bei der DB als Sicherheitspersonal beschäftigt“ sei.

Der Mann, der im Großraum Berlin lebt und dessen Identität The Pik bekannt ist, war bis Ende vergangener Woche bei der Bahn tätig. Inzwischen wurde er von seinen Aufgaben entbunden.

Bahn-Mitarbeiter als Fahrer des Fluchtfahrzeugs vorgesehen

Den Akten zufolge wurde er am Morgen des 9. November 2022 gemeinsam mit fünf weiteren Deutschen im dänischen Gravenstein festgenommen. Die Gruppe soll die Block-Kinder auf ihrem Schulweg abgefangen und über die Ostsee nach Deutschland gebracht haben. Der Plan wurde jedoch nie umgesetzt, da die Männer schnell entdeckt wurden.

Dem Bahn-Angestellten war die Rolle des Fahrers eines VW-Transporters mit Geraer Kennzeichen zugedacht, der als Fluchtwagen dienen sollte.

Dänische Ermittler konnten auch das Angebot für den Entführungsversuch sicherstellen. Es ist Bestandteil der Akten. Der Verfasser hat allerdings den Namen der Steakhaus-Erbin falsch geschrieben
Quelle: Privat

Dienstausweis des DB-Mitarbeiters von der Polizei beschlagnahmt

Neben der Visitenkarte dokumentierten die Ermittler auch einen Dienstausweis des Bahn-Mitarbeiters. Die Unterlagen enthalten zudem Hinweise auf seine Tätigkeit in der Konzernsicherheit der Deutschen Bahn. Ob der Mann seine Arbeit für „BPS360Grad“ bei seinem Arbeitgeber angemeldet hatte, bleibt unklar.

Vor Gericht in Sønderborg bestritten alle Beschuldigten die Entführungsvorwürfe. Der Bahn-Mitarbeiter äußerte sich gegenüber einer Nachrichtenagentur lediglich mit den Worten, er möchte „dazu nichts sagen“.

Der mutmaßliche Beinahe-Entführer nach seiner Festnahme. Bei der Deutschen Bahn ist er für Sabotage-Abwehr und Personenschutz zuständig
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Bahn stellt Mitarbeiter „bis auf Weiteres“ frei

Eine Sprecherin der Bahn erklärte auf Anfrage: „Der betroffene Mitarbeiter hat uns erst gestern über den Vorgang informiert. Nach seinen Angaben sind die gegen ihn geführten Ermittlungen bereits vor geraumer Zeit eingestellt worden. Unabhängig davon haben wir ihn mit sofortiger Wirkung bis auf Weiteres freigestellt.“

Die leitende Polizei-Staatsanwältin in Süd- und Südjütland, Jannie Dahl Nøhr, hatte das Verfahren gegen die Deutschen tatsächlich vorläufig eingestellt. Den vorliegenden Informationen zufolge wartet man nun gespannt auf das Urteil im Hamburger Block-Prozess – anschließend könnte der Fall an die deutsche Justiz übergeben werden.