Berlin – Millionen Beschäftigte müssen sich im Jahr 2027 darauf einstellen, dass ihnen netto weniger Geld zur Verfügung steht, als ihnen eigentlich zustehen würde. Hintergrund ist eine geplante, verdeckte Steuererhöhung durch die Bundesregierung: Über die Inflation fließen dem Fiskus automatisch höhere Einnahmen zu, eine Rückgabe dieser Mehreinnahmen an die Steuerzahler ist jedoch nicht vorgesehen.
Damit durchbrechen Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil (48, SPD) erstmals eine steuerpolitische Leitlinie, die 2016 vom damaligen Ressortchef Wolfgang Schäuble (†2023) etabliert worden war.
Der Bund der Steuerzahler hat für eine Nachrichtenagentur ermittelt, wie stark die heimliche Mehrbelastung für Arbeitnehmer tatsächlich ausfällt. So wird etwa eine Alleinerziehende mit einem Kind und einem Bruttoverdienst von 3000 Euro monatlich im Jahr 2027 unterm Strich rund 2,60 Euro pro Monat weniger in der Haushaltskasse haben. Bei einem Ledigen mit 4000 Euro Brutto summiert sich das Minus auf fast fünf Euro monatlich, eine vierköpfige Familie mit 6500 Euro Brutto muss sogar mit 7,50 Euro weniger pro Monat rechnen (siehe unten). In der Gesamtsumme greift der Staat auf diese Weise zusätzlich rund sechs Milliarden Euro ab.
Steuerzahler-Präsident Reiner Holznagel (50) zeigt sich empört: „Die Regierung spricht von einer fairen Steuerreform. Gleichzeitig aber erhöht sie heimlich die Steuern. Jetzt müssen die Koalitionsfraktionen im Bundestag die Notbremse ziehen und diese sogenannte kalte Progression vollständig ausgleichen.“
Auch die Chefin des Gastro-Verbands Dehoga, Jana Schimke (46), reagiert mit Entsetzen. Es handele sich um einen „Tabubruch“, so Schimke: „Heimliche Steuererhöhungen sind Gift für Bürger und Wirtschaft. Denn wer weniger Geld im Portemonnaie hat, gibt auch weniger aus. Für unsere ohnehin angeschlagene Branche wäre dies eine weitere Last.“
Auf Nachfrage hatte das Finanzministerium zuletzt erklärt, der Koalitionsausschuss habe am 2. Juli eine entsprechende Entscheidung getroffen. Zudem werde die Regierung „im Herbst 2026 den 7. Steuerprogressionsbericht vorlegen“. Dieser sei maßgeblich für die „kalte Progression“ im Jahr 2027.
Kalte Progression bezeichnet die schleichende Steuererhöhung, bei der eine Gehaltserhöhung vollständig durch die Inflation aufgezehrt wird – und dennoch zu einer höheren prozentualen Besteuerung führt.
Single

Alleinerziehend, ein Kind

Familie mit 2 Kindern

Doppelverdiener (ohne Kinder)

Quelle: Bund der Steuerzahler. Berechnung auf Basis von 2,5 Prozent Inflation. Angaben für Familie beziehen sich auf Alleinverdiener.



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