Das quelloffene Werkzeug Mirall ermöglicht den direkten Datentransfer großer Dateien zwischen Endgeräten – ganz ohne Cloud, ohne Nutzerkonto und mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.
Terabyteweise Daten verschieben, ohne sie zuvor in die Cloud zu laden? Das ist machbar. Mirall setzt auf direkte Übertragungen von Gerät zu Gerät. Dank der P2P-Technologie soll das Tool eine datenschutzorientierte Alternative zu herkömmlichen Cloud-Diensten bieten. Wir haben uns die Open-Source-Software des Berliner Entwicklers Oliver Kohl genauer angesehen. Verfügbar ist das Programm für Linux, macOS und Windows.
Kostenfreie Alternative zu klassischen Cloud-Anbietern
Wer regelmäßig mit großen Dateien oder Archiven arbeitet, kennt das Dilemma: Ein paar Gigabyte lassen sich schnell übertragen. Bei mehreren hundert Gigabyte wird es jedoch kompliziert. Cloud-Speicher verursachen Kosten, Uploads dauern ihre Zeit, und sensible Daten liegen zunächst auf fremden Servern – womöglich in Ländern, die Behörden gegenüber auskunftspflichtig sind. Das möchte wohl niemand.
Genau hier setzt Mirall an. Der noch junge Dienst überträgt große Dateien direkt zwischen den beteiligten Geräten. Dabei kommt weder ein Cloud-Speicher noch ein zentraler Server als Zwischenstation zum Einsatz. Laut Dokumentation sind sogar Datenmengen im Terabyte-Bereich vorgesehen. Eine Begrenzung der Dateigröße oder eine Abrechnung pro übertragenem Gigabyte existiert nicht. Wer die plattformübergreifende Software testen möchte, kann sie von dieser Seite herunterladen.
Mirall setzt beim Transfer auf P2P-Technologie
Im Hintergrund arbeitet eine Software, die etwa auch der P2P-Messenger Keet verwendet. Der P2P-Transfer bleibt auf dem Gerät des Besitzers. Es gibt keinen zentralen Tracker und auch keine Möglichkeit für Dritte, sich in die Übertragung einzumischen. Die Daten gelangen über eine verschlüsselte Verbindung direkt von Gerät zu Gerät. Eine Cloud als Zwischenablage existiert nicht.
Das kann etwa bei großen Videodateien, Archiven, Backups, RAW-Fotos oder umfangreichen Projektdateien von Vorteil sein. Ein 500-GB-Archiv muss nicht erst irgendwo hochgeladen werden. Sind beide Tauschpartner online, startet die Übertragung direkt und ist durchgehend Ende-zu-Ende-verschlüsselt.
Das Filesharing-Tool ist vollständig Open Source
Wer möchte, kann den Quellcode für Linux, macOS oder Windows auf GitHub einsehen. Der Code wurde unter einer AGPL-Lizenz veröffentlicht. Wenn jemand eine AGPL-Software verändert und diese modifizierte Software über ein Netzwerk anderen bereitstellt, muss er diesen Nutzern ebenfalls den entsprechenden Quellcode zugänglich machen. Das bedeutet, die Freiheiten gelten in gleichem Umfang auch für die neu entstandene Software. Das ist das Besondere an einer GNU Affero General Public Lizenz (AGPL).
Shared Spaces: Mehr als nur ein Download-Link
Interessant sind beispielsweise auch die sogenannten Shared Spaces. Dabei handelt es sich um private Bereiche, die man etwa für Teams, gemeinsame Projekte oder bestimmte Personengruppen einrichten kann. Die Teilnehmer sehen innerhalb eines solchen Bereichs die verfügbaren Dateien und können selbst entscheiden, was sie davon benötigen. Damit geht Mirall über klassische File-Transfer-Dienste hinaus.
Außenstehende können die Inhalte nicht einsehen. Der Zugang erfolgt über einen Einladungslink. Standardmäßig reicht der Link allerdings nicht aus: Neue Teilnehmer müssen zunächst eine Beitrittsanfrage stellen, die der Besitzer des Spaces bestätigt. Wer es unkomplizierter mag, kann alternativ eine automatische Aufnahme aktivieren.

Ganze Ordner statt einzelner Dateien
Besonders praktisch dürfte Mirall für Nutzer sein, die nicht ständig einzelne Dateien verschicken möchten. Das Tool kann komplette Ordner auf der heimischen Festplatte freigeben. Diese lassen sich anschließend auf den beteiligten Geräten synchronisieren. Andere Teilnehmer können die Inhalte durchsuchen und einzelne Dateien abrufen oder den gesamten Ordner auf ihrem eigenen Gerät spiegeln.
Ändert sich der ursprüngliche Ordner, können die Änderungen anschließend auch auf die lokale Kopie übertragen werden. Damit erinnert Mirall teilweise an klassische Synchronisationslösungen – nur eben ohne Gebühren oder einen zentralen Cloud-Speicher.
Große Transfers lassen sich fortsetzen
Bei einem Transfer von mehreren hundert Gigabyte kann schon eine kurze Netzwerkunterbrechung zum Problem werden. Genau hier will Mirall Abhilfe schaffen. Unterbrochene Übertragungen können pausieren und später fortgesetzt werden. Kommt der andere Teilnehmer wieder online, läuft der Transfer weiter. Niemand muss bei dieser Software wieder von vorne beginnen. Nach Abschluss überprüft Mirall die empfangene Datei und vergleicht sie mit dem Original. Dadurch lässt sich feststellen, ob die Übertragung vollständig und korrekt durchgeführt wurde.
Es geht auch einfach: Kein Konto, keine zentrale Datenspeicherung
Ein weiterer Unterschied zu vielen bekannten Cloud-Diensten: Für Mirall ist kein klassisches Benutzerkonto erforderlich. Es gibt keinen Grund für eine Registrierung oder die Speicherung der E-Mail-Adresse oder anderer Nutzerdaten. Man lädt die App herunter, gibt ein Pseudonym (Anzeigename) ein und benutzt sie einfach – fertig!
Hinzu kommt: Die Dateien verbleiben auf dem eigenen Gerät. Die Tauschpartner laden sie direkt von dort herunter. Erst durch den Download entsteht beim Empfänger eine eigene lokale Kopie. Wie bereits erwähnt, muss der andere Tauschpartner dafür online sein.
Datenschutz ist Teil des Konzepts
Mirall positioniert sich ausdrücklich als datenschutzfreundliche Alternative zur klassischen Cloud. Neben den verschlüsselten Verbindungen verschlüsselt die Anwendung auch ihre eigenen lokalen Informationen. Dazu gehören etwa Angaben darüber, welchen Spaces man beigetreten ist, wer daran teilnimmt und welche Dateien freigegeben oder geteilt wurden. Der für die eigene Identität verwendete Schlüssel wird im System-Schlüsselbund des jeweiligen Betriebssystems gespeichert. Selbst bei einem gestohlenen Notebook sollen dadurch möglichst wenige verwertbare Informationen über die Nutzung von Mirall offengelegt werden.
Was bietet das Tool alles?
Der aktuell von Mirall beworbene Funktionsumfang umfasst unter anderem:
- Die bereits erwähnten Shared Spaces für Teams, Projekte und Gruppen
- Einladungslinks für Shared Spaces mit optionaler manueller Freigabe
- Wahlweise eine automatische Aufnahme von Nutzern über einen Einladungslink
- Freigabe einzelner Dateien oder kompletter Ordner
- Spiegelung von Ordnern auf anderen Geräten
- Synchronisation von Änderungen
- Fortsetzen unterbrochener Transfers
- Prüfung abgeschlossener Dateiübertragungen
- Durchgehende Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
- Keine Anmeldung und keine Benutzerkonten
- Keine Dateigrößenbegrenzung!
- Der Dienst ist und bleibt kostenlos! Anders als bei Cloud-Diensten fallen keine Gebühren pro übertragenem Gigabyte an.
Wo liegen die Grenzen von Mirall?
Der Cloud-Verzicht bringt natürlich auch Nachteile mit sich. Bei einem direkten Transfer hängt die Geschwindigkeit vom langsamsten Tauschpartner ab. Beide müssen zwingend online sein, andernfalls findet keine Übertragung statt. Wer rund um die Uhr auf seine Dateien zugreifen möchte und keinen Datenschutz benötigt, ist mit einem klassischen Cloud-Speicher unter Umständen besser beraten. Dort liegen die Daten auf Servern, die unabhängig vom eigenen PC oder dem Tauschpartner permanent erreichbar sind. Was man bevorzugt, hängt natürlich von den eigenen Vorlieben ab.
Auch beim Thema Sicherheit sollte man zwischen verschlüsselter Übertragung und vollständiger Anonymität unterscheiden. Mirall verschlüsselt zwar die Kommunikation Ende-zu-Ende. Dennoch sollten Nutzer genau prüfen, welche Metadaten und Verbindungsinformationen außerhalb der eigentlichen Dateien anfallen. Das beginnt schon mit der eigenen IP. Bei P2P-Transfers gibt es keine Verschleierung der IP-Adresse. Wer das wünscht, muss zusätzlich ein VPN* verwenden. Andernfalls können beim Filesharing mit Unbekannten womöglich teure Abmahnungen drohen.
Fazit: Interessante Cloud-Alternative für große Datenmengen
Mirall verfolgt einen bemerkenswert einfachen Ansatz: Die Datei soll nicht erst irgendwo in der Cloud landen, sondern direkt vom eigenen Gerät zum Empfänger gelangen. Das ist ein anderer Weg, als dafür einen Cloud-Dienst, FTP-Server oder einen Sharehoster zu nutzen. Besonders die Shared Spaces, die Ordnersynchronisation und die Möglichkeit, große Transfers nach Unterbrechungen fortzusetzen, machen das Konzept attraktiv.
Wer häufig große Datenmengen verschiebt, sollte sich das Tool einmal genauer ansehen. Die Dokumentation ist hier verfügbar. Die aktuelle Version des Tools kann man kostenlos von dort herunterladen. Die Software Mirall aktualisiert sich übrigens automatisch. Neue Releases verteilt der Entwickler über das Peer-to-Peer-Netzwerk, um die neue Version beim nächsten Start zu installieren.







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