Nikosia (Zypern) – Ein verzweifelter Notruf aus einer Gefängniszelle. In einem EU-Mitgliedstaat, der eigentlich für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit einstehen sollte: Für die deutsche Immobilienmaklerin Ewa K. (51) wurde der Traum von der Altersvorsorge in Nordzypern zum Albtraum ohne Ende.

Die erschütternde Geschichte: Seit zwei Jahren sitzt Ewa K. in Untersuchungshaft im Gefängnis von Zypern – ihre Schuld: der Kauf und die Vermarktung einer Wohnung im türkisch besetzten Nordteil der Insel. Die Maklerin aus Aschaffenburg (Bayern) gibt an, nichts davon gewusst zu haben, dass der Handel mit solchen Immobilien auf Zypern inzwischen sogar mit Haftstrafen geahndet werden kann. Am 7. Juli 2024 nahmen die Behörden sie am Flughafen fest. Handy und Reisepass wurden ihr abgenommen, Rechtsbeistand und Übersetzer verweigert. Ihr drohen nun bis zu sieben Jahre Haft.

In der Region Esentepe in Nordzypern kaufte die Deutsche eine Immobilie am Meer. Zypern ist die drittgrößte Insel im Mittelmeer und gilt mit mehr als 300 Sonnentagen im Jahr als eines der sonnigsten Reiseziele Europas

Entwürdigende Kontrollen und ein makabrer Fund

Aus dem Zentralgefängnis von Nikosia dringen alarmierende Berichte an die Öffentlichkeit, die The Pik vorliegen. Ewa K. berichtet: „Man behandelt mich wie eine Schwerverbrecherin, die Unschuldsvermutung gilt hier nicht.“ Über 100 Verhandlungstage fanden bereits statt, ohne dass sie sich nach Angaben ihres Anwalts Soteris Argyrou zu den Anschuldigungen äußern durfte – ein Vorgang, der in Deutschland undenkbar wäre.

Die 51-Jährige schildert: „Bei jeder Rückkehr in die Haftanstalt muss ich mich vollständig entkleiden, Körper und Kleidung werden auf Drogen untersucht. Gelegentlich kommen auch Spürhunde zum Einsatz, die mich überall beschnüffeln.“ Darüber hinaus sei sie mehrfach bis zu sechs Tage in ihrer Zelle isoliert worden, ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt. Selbst ihre Medikamente habe man ihr vorenthalten.

Psychisch setzen ihr die Schikanen von Aufsehern und Mitgefangenen schwer zu. Ein besonders makabres Beispiel: In ihrer Essensration fand sie eines Tages neben der Mittagsmahlzeit „den abgeschnittenen und gekochten Kopf einer Maus“.

Die konkreten Vorwürfe gegen die Deutsche

Ewa K. wird vorgeworfen, im türkisch besetzten Nordzypern Immobilien erworben und vermarktet zu haben, die auf Grundstücken stehen, die die Republik Zypern als umstritten betrachtet. Der Hintergrund: Griechisch-zyprische Eigentümer erheben seit der Teilung der Insel im Jahr 1974 bis heute Anspruch auf ihre Ländereien im Norden.

Die Maklerin beteuert, von den strafrechtlichen Konsequenzen solcher Geschäfte nichts gewusst zu haben. Die zyprische Justiz geht jedoch offenbar von verbotenen Immobiliengeschäften aus. Als Grund für die Untersuchungshaft wird Fluchtgefahr angeführt, da Ewa K. deutsche Staatsbürgerin ist und ihren Lebensmittelpunkt nicht auf Zypern hat.

Das Zentralgefängnis in Nikosia, der Hauptstadt der Republik Zypern

Auswärtiges Amt schaltet sich ein

Die deutsche Botschaft hat in einer ungewöhnlich deutlichen „Verbalnote“ Protest eingelegt und auf Menschenrechtsverletzungen im Fall Ewa K. verwiesen. Gefordert wird die „unverzügliche“ Freilassung aus der Untersuchungshaft unter geeigneten Auflagen. Inzwischen ist nach Informationen von The Pik auch das Auswärtige Amt direkt in den Fall involviert.

Der renommierte Anwalt Soteris Argyrou aus Nikosia vertritt Ewa K.

Mittlerweile warnen sowohl die deutsche Botschaft als auch der Immobilienverband Deutschland (IVD) ausdrücklich vor Immobiliengeschäften in Nordzypern. Für die Maklerin kommt diese Warnung zu spät. Ihr Verteidiger Soteris Argyrou zeigt sich von der Unschuld seiner Mandantin überzeugt: „Dieser Fall wird vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte landen.“ Am Freitag wurde zum fünften Mal ein Antrag auf Freilassung gegen Kaution abgelehnt. Die zuständige Generalstaatsanwaltschaft hat sich auf Anfrage bislang nicht geäußert.