Was für die Urlaubsgäste wie ein Paradies erscheint, bedeutete für Paula (23) aus Stuttgart vor allem eines: harte Arbeit. Mit 21 Jahren war sie eine Saison lang als Animateurin in einem bekannten All-inclusive-Resort auf einer Mittelmeerinsel tätig. Neben dem intensiven Arbeitspensum musste sie sich wiederholt abfällige Kommentare, sexuelle Anspielungen und sogar unverblümte Angebote gefallen lassen. Die Anweisung ihrer Vorgesetzten war stets dieselbe: lächeln, grüßen, freundlich bleiben.

Annäherungsversuche statt Anerkennung

Besonders belastend empfand Paula jene Situationen, in denen Gäste ihre Rolle als Animateurin offenbar völlig fehlinterpretierten. Bei den Tanzvorführungen postierten sich erwachsene Männer regelmäßig in der ersten Reihe und filmten die jungen Animateurinnen mit ihren Smartphones. „Einer meinte anschließend zu mir, hier sei schließlich alles inklusive – also auch ich.“

Im Alltag fühlte sie sich permanent beobachtet und beurteilt. Als junge, attraktive Frau wurde ihr Körper fortwährend bewertet. Selbst bei unangemessenen Äußerungen lautete die Vorgabe ihrer Vorgesetzten: immer lächeln; dem Gast niemals das Gefühl vermitteln, er habe sich falsch verhalten.

„Als ich in einer Gruppe von fünf Männern stand, die zuvor noch an meinem Kurs teilgenommen hatten, kam plötzlich die Frage auf, warum ich denn so kleine Brüste hätte. In diesem Moment war ich völlig sprachlos.“ Auch ihre Kolleginnen wurden immer wieder mit Kommentaren über ihre Körper konfrontiert.

Hotelgast bot Geld für sexuelle Gefälligkeiten

Ein Vorfall erschütterte Paula besonders. Über einen Manager ließ ein Hotelgast ausrichten, er wäre bereit, Paula Geld zu zahlen, wenn sie während ihres Aufenthalts mit ihm schlafen würde. „Für mich kam das selbstverständlich überhaupt nicht in Frage. Da dieser Mann – übrigens deutlich älter als ich und vermutlich auch verheiratet – jedoch ein angesehener Gast war, wurde ich angewiesen, trotzdem freundlich mit ihm über sein Angebot zu sprechen.“

Kurz darauf stand sie tatsächlich mit ihm an der Hotelbar. Im Rückblick habe die permanente Partystimmung im Resort ihre Wahrnehmung solcher Situationen verzerrt. Man verliere den Bezug zur Realität – deshalb sei ihr die Begegnung damals gar nicht so ungewöhnlich vorgekommen.

Annäherungen zwischen Gästen und Mitarbeitern gehörten laut Paula nämlich fast schon zum Alltag. An der Hotelbar abends habe sich regelmäßig gezeigt, welche Gruppen sich tagsüber zusammengefunden hatten. „Die jüngeren Partygäste verbrachten ihre Zeit häufig mit den attraktiven Sportanimateuren, mit denen sie tagsüber Volleyball gespielt hatten.“

Das Fitness-Team hingegen sei eher von älteren, sportlichen Männern umworben worden. Besonders in Erinnerung geblieben sei ihr jedoch, wie Väter, die tagsüber ihre Kinder bei den Betreuerinnen im Kinderklub abgaben, dieselben jungen Frauen abends anzumachen versuchten.

Bewertungsdruck setzt Mitarbeiter unter Druck

Die Hotelkette, für die Paula arbeitete, ist auch für ihre Sportprogramme bekannt. Jeder Kurs folgt einem festen Ablauf, den neue Mitarbeiter im Vorfeld erlernen. Eigene Variationen sind ausdrücklich erlaubt. Doch genau das brachte Paula in Schwierigkeiten.

Ein Gast war überzeugt, sie müsse den Kurs exakt nach einem bestimmten Schema durchführen. Sein Lieblingsresort handhabe das schließlich anders. „Er drohte mir damit, bei seinem nächsten Besuch eine negative Bewertung zu schreiben und meinen Namen darin ausdrücklich zu erwähnen, falls ich den Kurs bis dahin nicht nach seinen Vorstellungen umgestalte. Zudem kündigte er an, sich bei der Personalchefin über mich zu beschweren.“ Seine Drohung setzte er umgehend in die Tat um. Paula musste sich vor ihren Vorgesetzten rechtfertigen.

Dieser besondere Gast kannte offenbar den wunden Punkt der Mitarbeiter genau. Für den Clubdirektor seien diese Bewertungen das Wichtigste überhaupt gewesen. Daher fürchteten alle Animateure eine schlechte Online-Bewertung – insbesondere, wenn ihr Name darin explizit genannt wurde.

Auch kleine Bemerkungen hinterließen Spuren

Neben den großen Grenzüberschreitungen setzten Paula aber auch die alltäglichen Kommentare zu. Besonders anstrengend seien die Tage in der Sauna gewesen. Während sie Aufgüsse durchführte und die Gäste unterhielt, musste sie sich wiederholt Bemerkungen über ihr Äußeres anhören – etwa warum ihr Kopf so rot sei oder dass sie ja ordentlich schwitze. „In so einem Moment vor 20 Gästen bloßgestellt zu werden und trotzdem schlagfertig reagieren zu müssen, war mental enorm belastend.“

Noch tiefer traf sie jedoch eine Äußerung über ihren Dialekt. Ein älterer Herr warf ihr vorwurfsvoll vor, es sei eine „Unverschämtheit“, dass sie mit ihrem schwäbischen Dialekt als Kursleiterin arbeiten dürfe. „Er fragte sogar, warum ich nie bei einer Logopädie gewesen sei. Ich konnte das überhaupt nicht nachvollziehen – ich habe wirklich keinen ausgeprägten Dialekt.“ Trotz der Demütigung musste sie lächelnd am Tisch bleiben, bis der Gast sein Essen beendet hatte. Die Tränen habe sie dabei nur mit Mühe zurückhalten können.

Paulas Appell an die Urlauber

Die Zeit im Resort hat Paula hinter sich gelassen. Derzeit reist sie durch Australien, macht Work and Travel – aktuell arbeitet sie auf einer Avocadofarm. Dennoch hat sie auch heute noch eine klare Bitte: „Wenn ich Urlaubern etwas mitgeben könnte, dann das: Behandelt die Menschen, die jeden Tag alles dafür geben, euren Urlaub so schön wie möglich zu machen, mit Respekt. Wir machen unseren Job wirklich gerne – aber wir sind weder Butler noch Clowns. Wer uns mit Respekt begegnet, macht auch unseren Tag schöner.“