Washington – Die Auseinandersetzung zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran verschärft sich weiter. Inzwischen wird deutlich, dass sich der Militäreinsatz für US-Präsident Donald Trump anders entwickelt als ursprünglich beabsichtigt. Leon Panetta (87), früherer US-Verteidigungsminister und CIA-Direktor unter Barack Obama (64), äußert im Gespräch mit BILD ein vernichtendes Fazit: Die Strategie des Präsidenten für einen raschen Erfolg sei „krachend gescheitert“, erklärt der Demokrat. „Was als schneller Feldzug geplant war, ist nun ein festgefahrener Krieg.“

Die USA und ihr Verbündeter Israel hätten sich „massiv verkalkuliert“, ist Panetta überzeugt. „Sie gingen davon aus, erste Angriffe würden das Regime zu Fall bringen – stattdessen ist das Gegenteil eingetreten.“ Das Herrschaftssystem der Mullahs habe die Bombardements überstanden. Nun suche der amerikanische Präsident „verzweifelt nach einem Ausweg“, um den Konflikt unter Wahrung des Gesichts zu beenden.

Der frühere US-Verteidigungsminister Leon Panetta (87) verlässt nach seiner Rede beim Parteitag der Demokraten (DNC) das United Center in Chicago
Der frühere US-Verteidigungsminister Leon Panetta (87) verlässt nach seiner Rede beim Parteitag der Demokraten (DNC) das United Center in Chicago

Leon Panetta ist ein US-amerikanischer Politiker und Sicherheitsexperte. Unter Präsident Barack Obama leitete er den Auslandsgeheimdienst CIA (2009–2011) und war später Verteidigungsminister (2011–2013). Zuvor war er viele Jahre Kongressabgeordneter und führte das Haushaltsbüro sowie das Weiße Haus unter Präsident Bill Clinton.

Im Gegenzug sei es dem Regime gelungen, durch die Blockade der Straße von Hormus „die gesamte Weltwirtschaft in Geiselhaft zu nehmen“. Für Trump stelle dies laut Panetta ein enormes Problem dar. Solange die Meerenge blockiert bleibe, gebe es „keinen Ausweg aus dem Krieg“. Der Demokrat hofft, dass der Iran die Ölpassage selbst freigibt: „Weil sie wissen, wo die Minen liegen.“

„Drohungen, Diplomatie und Chaos“

Panetta kritisiert zudem Trumps Führungsstil, der „weniger nach Strategie und mehr nach Improvisation“ aussehe. Dass kein klares Kriegsziel definiert wurde, erweise sich nun als Bumerang. Seit der gescheiterte Versuch eines Regimewechsels durch den „Enthauptungsschlag“ gegen Ober-Mullah Ali Chamenei (†86) fehlgeschlagen sei, wisse niemand mehr genau, „wofür dieser Krieg eigentlich geführt wird“. Panetta: „Das ist strategisch brandgefährlich!“

Haben Israels Premierminister Benjamin Netanjahu (76, l.) und US-Präsident Donald Trump das Iran-Regime unterschätzt?
Haben Israels Premierminister Benjamin Netanjahu (76, l.) und US-Präsident Donald Trump das Iran-Regime unterschätzt?

Für Trump sei das militärische Abenteuer im Nahen Osten toxisch geworden. „Die Unterstützung bröckelt – und Trump spürt das“, erläutert Panetta. „Eine Einigung könnte sein einziger Ausweg sein.“ Auch ohne einen echten Sieg. Problematisch sei, dass das Regime in Teheran am Ende sogar gestärkt daraus hervorgehen könnte: „Das Überleben wird zur Propaganda und zur neuen Machtbasis.“ Die USA und Israel hätten einen grundlegenden Lehrsatz der Kriegspolitik ignoriert: „Man kann keinen Regimewechsel

durch Bomben herbeiführen – das ist eine Illusion.“

„Merz hat gegenüber Trump Haltung bewiesen“

Zumindest dem Streit mit Europa kann Panetta etwas Positives abgewinnen: „Es hat eine Weile gedauert, aber ich glaube, der Präsident beginnt zu begreifen, warum Allianzen wichtig sind.“ Der Alleingang der USA führe in eine Sackgasse. Der ehemalige CIA-Chef hebt besonders die Rolle von Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) hervor: „Er hat die Schwachstellen dieses Krieges sehr direkt angesprochen und klargestellt, dass dies nicht sein und nicht Europas Krieg ist.“

Ehrlichkeit sei kein schlechter Ausgangspunkt für Gespräche, findet Panetta: „Die transatlantische Achse könnte sogar gestärkt werden, weil Merz Haltung bewiesen hat.“ Als indirekte Gewinner des Nahost-Krieges könnten am Ende Moskau und Peking hervorgehen, glaubt der Ex-CIA-Chef: Was beide Länder derzeit bei den USA beobachten könnten, sei „trotz aller harten Worte eher ein Bild der Schwäche“.