„Ich zog mir Koks im Wert von mehreren Ferraris durch die Nase“
Deniz* (45) konsumierte über zehn Jahre lang Kokain und berichtet über seinen harten Kampf zurück ins Leben

Janine
Wollbrett




Mannheim (Baden-Württemberg) – Noch immer bekommt Deniz* (45) kaum Luft durch die Nase. Sein exzessiver Kokainkonsum hat seine Nasenscheidewand völlig zerfressen – nur eine von vielen schmerzhaften Erinnerungen an die dunkelste Zeit seines Lebens. Denn der Mannheimer geriet schon in seiner Jugend in den Drogensumpf und konsumierte über zehn Jahre lang Kokain. Erst durch eine Haftstrafe kam die Wende. Heute lebt der Mannheimer ohne harte Drogen, doch bis dahin war es ein harter Kampf.
„Hier am Neckarufer fing alles an“, erinnert sich der Grafiker aus Mannheim (Baden-Württemberg), der aus Scham anonym bleiben möchte. Er erzählt: „Ich war damals in einer Clique, gerade mal 16 Jahre alt, und hier gab es Dealer, die uns mit jeder Droge versorgten. Meine Kumpels holten sich Haschisch, doch ich fing gleich mit Ecstasy an, da ich schon damals auf dieses aufputschende Gefühl abfuhr.“
Verhängnisvolle Nacht führte in die Kokain-Sucht
Zunächst schien er noch alles im Griff zu haben. Deniz* absolvierte mit 18 Jahren sein Abi, studierte an der Dualen Hochschule in Mannheim und schloss sein Studium der dualen Medien mit Bravour ab. Aber im Alter von 20 Jahren kam Kokain dazu: „Ich war auf einer Feier, da lud mich ein Kumpel zu Koks ein. Er sagte, es sei besser als jeder Orgasmus.“ Deniz wurde schwach, zog die erste Line und es war nicht die letzte in dieser verhängnisvollen Nacht: „Es war wie ein Feuerwerk in meinem Kopf, ich war hellwach, fühlte mich selbstbewusst, war gut gelaunt, fühlte mich so stark und machte zwei Tage durch“, erinnert sich der heute 45-Jährige.
Eine Unterführung an der Jungbuschbrücke am Neckarufer. Hier trifft sich bis heute die Drogen-Szene
Erst kokste er nur am Wochenende, dann täglich
Ab diesem Moment wurde das weiße Pulver zu seinem ständigen Begleiter: „Es gab keine Party mehr ohne Kokain. Ich zog mir jedes Wochenende bis zu zehn Gramm Koks in die Nase. Schon bald hatte ich die besten Kontakte in die Szene, bekam den besten Stoff, war spendabel und sehr beliebt, auch die Frauen in den Klubs lagen mir zu Füßen.“ Schon bald hatte die Droge sein Leben im Griff: „Mein Konsum steigerte sich schleichend. Irgendwann nahm ich es auch täglich, brauchte bis zu drei Gramm Kokain, allein um funktionieren zu können und um die Depressionen, die nach jedem Rausch zunehmend kamen, wieder verschwinden zu lassen.“
Während seine Werbeagentur mit mehreren Mitarbeitern erfolgreich weiterlief, versank er immer tiefer im Drogenstrudel. Deniz: „Am Ende drehte sich alles nur noch um die Droge, ich lebte in einer Partywelt, war unfähig, eine echte Liebesbeziehung zu führen, konnte meinen Verpflichtungen kaum noch nachkommen. Um meine Sucht zu finanzieren, verkaufte ich das Kokain auch im Freundeskreis.“
Kokain „im Wert von mehreren Ferraris“ konsumiert
Über zehn Jahre lang sei das so gegangen: „Keine Ahnung, wie viel mich meine Sucht gekostet hat. Aber ich schätze mal, dass ich mir Koks im Wert von mehreren Ferraris durch die Nase gezogen habe. Für das Geld hätte ich mir locker eine geile Villa leisten und mir sieben Nasenoperationen ersparen können.“
ThePik-Reporter im Gespräch mit dem früheren Kokain-Junkie
Die Haftstrafe und der Neuanfang
Erst als Deniz* beim Konsumieren am Neckarufer von einer Streife mit fünf Gramm Kokain erwischt und zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wurde, kam die Wende: „Das war ein Schock. Mir wurde klar: Die Droge hat mein ganzes Leben ruiniert und mir am Ende sogar die Freiheit genommen. Da habe ich mir geschworen, das Zeug nie mehr anzufassen, machte einen Entzug. Es war hart. Ich fühlte mich wie ein psychisches Wrack, doch ich schaffte es, fing nach dem Knast ganz neu an.“
Sein harter Weg zurück ins Leben
Seither meidet er seine alten Freunde, lebt in einer festen Beziehung und hat sich wieder erfolgreich selbstständig gemacht. „Es war ein harter Weg zurück ins Leben, doch sonst wäre ich heute vielleicht schon tot.“ Sein Gesicht wirkt ernst, immer wieder reibt er sich nervös seine Hände an der Hose ab, sagt dann stockend: „Es ist verrückt. Ich bin jetzt schon seit Jahren weg von dem Zeug, doch allein der Gedanke an Kokain löst oft noch ein starkes Suchtverlangen bei mir aus. Die Gier in meinem Kopf nach Koks wird mich wohl nie ganz loslassen. Viele meiner alten Freunde landeten in der Psychiatrie, andere sind sogar auf Heroin umgestiegen und inzwischen tot.“
Wenn Sie oder Ihre Angehörigen mit Drogensucht zu kämpfen haben, finden Sie hier Hilfe: Bundesweite Sucht- und Drogen-Hotline 01806 - 31 30 31
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