Köln (NRW) – Seine Kreation Horst Schlämmer sei populärer als er selbst, sagt Hape Kerkeling. Zuletzt war der Komiker 2009 in der Kinokomödie „Isch kandidiere“ in dieser Rolle zu sehen. Eine 17-jährige Pause folgte – bis jetzt. Am Donnerstag startet „Horst Schlämmer sucht das Glück“ in den Kinos. Im Interview erklärt Kerkeling, warum die Rückkehr seines Alter Egos an der Zeit ist, weshalb die Figur heute relevanter denn je erscheint, wie er mit Bedrohungen umgeht und wie er das schauspielerische Debüt von Markus Söder bewertet.
Mit „Horst Schlämmer sucht das Glück“ (Kinostart: 26. März) kehrt eine Ihrer Ikone nach 17 Jahren zurück. Fühlt sich das an, als wäre nie eine Pause gewesen?
Hape Kerkeling: Manchmal täuscht man sich im Leben. Die Rückkehr von Horst Schlämmer beweist, dass ich mich geirrt habe.
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Nach dem Film „Isch kandidiere“ 2009 dachte ich, die Geschichte sei erzählt. Fünfzehn Jahre später kam die Erkenntnis: Es fehlt noch der letzte Schliff! Horst passt perfekt in die Gegenwart. Damals hörte ich auf, weil ich die abgetragenen Schuhe, das Herrenhandtäschchen, das blöde Gebiss, den klebrigen Leim unter der Nase und die Nadeln im Kopf für die Perücke leid war. Die Verkörperung war stets eine Qual. Die Maskenbildnerei hat sich jedoch weiterentwickelt. Und in Horsts Hose schwitze ich heute auch nicht mehr so stark – die macht jetzt richtig Spaß.

Man hört heraus: Es gab keine lange Anlaufphase?
Nein. Ich bin direkt hineingesprungen, wie in kaltes Wasser. Schwimmen verlernt man nicht. Ich spürte, dass ich mich in diesem Charakter sehr wohlfühle. Obwohl wir uns damals abrupt trennten, war die Wiedersehensfreude groß.
„Meine Figuren sind alle wie Kinder für mich“
Wie beschreiben Sie die Beziehung? Sind Sie und Horst wie Brüder oder ist er eher Ihr Kind?
Meine Figuren sind alle wie meine Kinder. So empfinde ich es heute. Da ich mittlerweile älter bin, könnten einige sogar meine Enkel sein. (lacht) Ich bin zwar kein Vater. Aber so stelle ich mir eine Vater-Kind-Beziehung vor: Ich passe auf alle auf, kritisiere manchmal und versuche, sie im Zaum zu halten.
Gehorcht Horst eigentlich immer? Oder entwickelt er manchmal ein Eigenleben?
Nein, das ist das Schöne an ihm. Manchmal läuft er Amok. Dann überrasche ich mich selbst und frage mich: Was ist mir da gerade entfahren? Das ist wunderbar.
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„Ich war damals zu jung“
Anfangs war Horst Schlämmer eher peinlich und fremdschämend. Heute wünscht man sich mehr Menschen wie ihn. Überrascht Sie das? Oder war Ihnen das immer bewusst?
Ich erfand Horst Schlämmer auch, weil ich eine Figur brauchte, mit der ich gut altern kann. Ich wollte eine Kreation, die mir erlaubt, nicht perfekt zu sein. Dafür war Horst ideal. Heute denke ich: Ich war damals zu jung für die Rolle. Inzwischen bin ich gereift und wir passen genau zusammen. Es stimmt: Die Welt war vor 20 Jahren noch verträglicher. Heute ist sie unverträglicher geworden. Da erscheint Horst Schlämmer wie ein alter Perserteppich: Man will ihn eigentlich loswerden, aber ohne ihn geht die Gemütlichkeit verloren. Vielleicht sehnen sich deshalb so viele nach seiner Rückkehr.
Nun begibt sich Horst Schlämmer auf die Suche nach dem Glück. Ob er es findet, zeigt der Film. Kennen Sie diese Suche? Wie findet man Glück?
Dazu gehört vor allem die Bereitschaft, das eigene Glück zu erkennen. Man muss mit offenen Armen und Augen durch die Welt gehen. Rechthaberei führt nicht zum Ziel. Ein leiser Zweifel an den eigenen Positionen hilft eher. Je flexibler man Geist und Körper hält, desto leichter trifft man auf das Glück. Und man muss es auch wollen. Glück kommt manchmal ganz leise. Es ist keine Party am Ballermann.
Gab es Situationen, in denen Sie das Glück verpasst haben?
Sicherlich. Glücksmomente sind auch an mir vorbeigezogen. Mit dem Alter schärft sich jedoch das Bewusstsein für das eigene Glück und das der anderen. Das bilde ich mir zumindest ein. Ich werde aufmerksamer für die Bedürfnisse meiner Umgebung. Vielleicht will ich das auch nur so sehen.
Im Alltag dürften Ihnen viele Menschen sagen, dass Sie sie mit Ihrer Arbeit glücklich machen. War das Ihr Plan oder geschieht das automatisch mit Erfolg?
Plan wäre übertrieben. Aber ich hatte Vorbilder: Loriot, Jürgen von Manger, Gisela Schlüter, Helga Feddersen, Trude Herr, Heinz Erhard. Sie waren in trüben Kindheitsmomenten meine größten Glücklichmacher. Als ich in den Beruf einstieg, wünschte ich mir, das für andere auch sein zu können.
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In kurzer Zeit wirkten Sie in zwei großen Kinofilmen mit, die wie ein Gesellschaftsspiegel wirken. „Extrawurst“ war ein Erfolg. Haben Sie neben der Unterhaltung die Ambition, die Welt ein Stück zu verbessern?
„Horst Schlämmer sucht das Glück“ ist hoffentlich ein gelungener Unterhaltungsfilm. Die einzige Botschaft lautet: Habt Spaß! Lacht so viel ihr könnt! Mehr will ich nicht. Falls jemand sagt: „Das nehme ich noch mit...“, freut mich das. Aber ich erwarte es nicht. Ich gebe mich nicht der Illusion hin, dass ein Film die Welt verändert. Die Hoffnung werde ich dennoch nicht aufgeben.
Ein politisches Amt haben Sie nie angestrebt?
Nein. Dann hätte ich einen anderen Weg gehen müssen, als Uschi Blum und Horst Schlämmer zu spielen. Die beiden disqualifizieren mich für jedes politische Amt... (lacht)
Ist es nicht dennoch auffällig, dass prominenten Persönlichkeiten wie Ihnen oft mehr zugetraut wird als Politikern?
Ist das so?
Man hat zumindest den Eindruck, dass man Ihnen eher zuhört.
Das mag sein. Ich überlege mir sehr genau, wann und wie ich mich zu Themen äußere. Wenn ich nach langer Reflexion zu einer Überzeugung gelange, die auch anderen helfen könnte, dann spreche ich. Auch unter dem Risiko von Kritik oder Bedrohung.

„Bei mir schellen jedenfalls die Alarmglocken“
Niemand sollte sich bedroht fühlen, wenn er seine Meinung äußert. Haben wir verlernt, wie man miteinander umgeht?
Meine persönliche Befindlichkeit stelle ich zurück. Damit muss ich rechnen. Aber tatsächlich verlieren wir Maß und Mitte. Das betrifft nicht nur Deutschland, sondern viele Staaten Europas und besonders die USA. Wir können uns nicht mehr auf die Idee einigen, in Freiheit und Demokratie zu leben. Das ist die schönste Idee der letzten 300 Jahre. Wenn wir uns darauf nicht mehr verständigen, müssen alle Alarmsignale losgehen! Bei jedem Bürger, Politiker und Verantwortlichen. Bei mir schellen sie jedenfalls. Deshalb melde ich mich zu Wort. Ob ich gelobt, verlacht oder bedroht werde, ist mir egal, denn ich weiß, dass es richtig ist.
Wann genau haben wir Maß und Mitte verloren?
Fragen Sie das einen Politologen. Das ist übrigens eine Motivation für den Film: Menschen sollen ins Kino kommen und alles vergessen, was uns umgibt. Der Kompass spielt bei vielen verrückt.
Dazu fällt mir Ihre entfernte Verwandtschaft im britischen Königshaus ein. Sollte Andrew aus der Thronfolge fliegen, rücken Sie auf...
Ach, wissen Sie, ich habe das mit meinem Steuerberater durchgerechnet. Das Problem: Sobald ich offiziell aufsteige, muss ich Schloss Windsor als Zweitwohnsitz anmelden – bei den Heizkosten in diesen zugigen Gemäuern zahle ich am Ende drauf!
Zurück zum Film: Ihr Mann ist als Produzent beteiligt. Wie war die Zusammenarbeit?
Ganz einfach: eng! (lacht) Es war harmonisch und kreativ. Ich hoffe, es ist uns gut gelungen. Zum ersten Mal bin ich richtig zufrieden mit dem Ergebnis. Ich bin sonst sehr selbstkritisch.
„Ich bin fürchterlich nervös“
Sind Sie nervös vor dem Kinostart?
Oh ja. Ich bin fürchterlich nervös.
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Der Bayerische Ministerpräsident ist vielleicht auch nervös vor seinem Leinwand-Debüt. Überraschte Sie sein schauspielerisches Talent?
Unabhängig von seiner Politik – dass Markus Söder klug ist, bestreitet niemand. Er hat sich auf das Abenteuer eingelassen. Er vertritt eine Partei, die für Freiheit steht. Konkret lebt er das auch persönlich. Er wollte kein Konzept lesen, keine Fragen vorab wissen, kein geschnittenes Material sehen. Kein Mitarbeiter aus der Staatskanzlei saß daneben und sagte: „Nein, das geht nicht!“ Söder und Schlämmer saßen da, und das Gespräch wurde fast eins zu eins verwendet, nur etwas gekürzt und verschärft. Markus Söder bleibt seinem freiheitlichen Motto sehr treu.
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Müssen Spitzenpolitiker per se gute Schauspieler sein?
Schauspielerisches Talent schadet in keinem Beruf. Je mehr, desto besser. Man sollte sich darauf aber nichts einbilden.
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