Koblenz (Rheinland-Pfalz) – Es ist der frühe Herbst des Jahres 1994. Amy Lopez (24) blickt voller Zuversicht in die Zukunft. Die US-amerikanische Medizinstudentin reist mit dem Rucksack durch Europa und freut sich auf das Wiedersehen mit ihrem Vater – ein Treffen, das jedoch nie stattfinden wird. Am 26. September kreuzt sich ihr Weg in Koblenz mit dem ihres Peinigers und Mörders. Hans S. führt nach der Tat jahrzehntelang ein unbehelligtes Leben. Erst im Februar 2026, ganze 31 Jahre später, nehmen Ermittler den inzwischen 81-Jährigen in einem Altenheim fest. Vor Gericht hat er nun ein Geständnis abgelegt – und gewährt damit Einblicke in die Psyche eines Serientäters.

Am Dienstag erscheint Hans S. gestützt auf einen Rollator zur Verhandlung am Landgericht. Seine Augen wirken wach. Während Staatsanwalt Julian Gislei die Anklage verliest, bleibt das Gesicht des Angeklagten regungslos. Die Anklagepunkte: Mord aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen.

Die amerikanische Studentin Amy Lopez (24) wurde 1994 in Koblenz vergewaltigt und ermordet
Quelle: Polizei Rheinland-Pfalz

Hans S. war mit Handschellen und Messer auf der Jagd

Wir schreiben das Jahr 1994. Amy Lopez ist auf dem Weg zur Festung Ehrenbreitstein in Koblenz (Rheinland-Pfalz), als sie an der Bushaltestelle Rhein-Mosel-Halle auf Hans S. trifft. Wie Staatsanwalt Gislei ausführt, führte der Mann an diesem Morgen „ein Messer und Handschellen mit sich, um seine abartigen sexuellen Fantasien zu verwirklichen“. Amy wird zum Zufallsopfer.

Hans S. fiel auf der Festung Ehrenbreitstein über sein Opfer her
Quelle: dpa

Der Psychiater Dr. Gerhard Buchholz berichtet im Gerichtssaal – mit Einverständnis des Angeklagten – von dessen Schilderungen aus der Untersuchungshaft: Der damalige Tischler-Umschüler habe am Tattag „keine Lust“ auf Arbeit gehabt. An der Bushaltestelle sei ihm der Gedanke gekommen, „eine Frau zu vergewaltigen, falls er eine finden würde“. Er fand Amy Lopez. Jahrzehnte später erinnert sich der Angeklagte: Sie habe „nicht schlecht ausgesehen“.

Über bemooste Stufen führte Hans S. Amy Lopez ins abgelegene General-von-Aster-Zimmer
Quelle: Polizei Rheinland-Pfalz

Er folgte der jungen Frau und sprach sie auf dem Felsenweg zur Festung an: „It’s not the right way.“ – „Das ist nicht der richtige Weg.“ Er lockte sie ins abgelegene General-von-Aster-Zimmer der Festung. Dem Psychiater erklärte Hans S. später, „dass dies ein idealer Tatort war“ – denn dort konnte niemand Amys Schreie hören. Er fesselte sein Opfer und missbrauchte es. Anschließend stach er mit einem elf Zentimeter langen Klappmesser zu – neun Mal. Zudem schlug er Amy Lopez laut Anklage mit einem Stein auf den Kopf. Danach fuhr er zu seiner späteren Ehefrau Monika.

Hans S. ist ein Serienvergewaltiger

Obwohl Hans S. seit 1961 wiederholt verurteilt wurde – unter anderem als Autoknacker sowie wegen versuchter und vollendeter Vergewaltigung –, geriet er nie in den Fokus der Ermittlungen. Auch nicht, als er 1999 wegen versuchter Vergewaltigung einer 16-Jährigen zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde. Nach der Haft zog er mit Monika ins Altenheim. Erst Anfang 2026 führte eine neue DNA-Analyse zu seiner Überführung.

Über seinen Anwalt räumt Hans S. die Tat „in vollem Umfang“ ein, gibt jedoch an, nach dem ersten Messerstich einen „Filmriss“ erlitten zu haben. Nur die Entsorgung von Amys Habseligkeiten – darunter Turnschuhe, eine Bauchtasche und ihre Uhr – in den Rhein sei ihm in Erinnerung geblieben. Die Polizei war bis zur Festnahme davon ausgegangen, dass der Täter die Gegenstände als Trophäen aufbewahrt hatte.

Amys Vater Robert Rimbau und ihr Bruder treten als Nebenkläger auf, vertreten von Anwältin Kathrin Kienle. Sie äußert sich wie folgt: „Der Vater ist außerordentlich dankbar für die Ermittlungsarbeit über mehr als drei Jahrzehnte hinweg. Er erhofft sich jetzt eine lückenlose Aufklärung durch das Gericht und hofft auf eine Verurteilung wegen Mordes.“