Gütersloh (NRW) – Nur mit einem Spezialeinsatzkommando wagte sich die Polizei in sein Kinderzimmer. Schwer bewaffnete Elitebeamte umstellten am Freitagmorgen das Elternhaus von Nikodem R. (17) – doch der junge Pole hatte sich bereits abgesetzt. Sieben Stunden lang verfolgte das SEK den Teenager durch St. Vit, einen Stadtteil von Rheda-Wiedenbrück. Die Anwohner wurden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Sogar ein spezieller Führungsstab für Großeinsätze unter dem Namen „Amok“ wurde eingerichtet. Die Beamten rechneten offenbar mit dem Schlimmsten!
Und das offenbar nicht ohne Grund: Um 17.22 Uhr wurde der Heranwachsende in Handschellen einem Haftrichter am Amtsgericht in Gütersloh vorgeführt. Wegen sieben bewaffneter Raubüberfälle innerhalb von zwölf Tagen ordnete dieser Untersuchungshaft an – das vorläufige Ende einer beispiellosen kriminellen Karriere des gefährlichsten Teenagers Deutschlands. Zuvor war Nikodem R. der Polizei bereits wegen einer Sexualstraftat, gefährlicher Körperverletzung, Erpressung und Bedrohung bekannt.
Der Einsatz begann in den frühen Morgenstunden
Ab 6.30 Uhr kreiste ein Polizeihubschrauber über dem kleinen Ort in Ostwestfalen. Mantrailer-Hunde nahmen die Spur des Gesuchten auf, eine Drohne schwebte in der Luft. Der Festnahme-Krimi endete erst nach einem Hinweis eines Nachbarn – schließlich kroch Nikodem zerkratzt aus einem dornigen Gebüsch.
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Zuletzt soll der Teenager sechs Tankstellen und ein Wettbüro überfallen haben. Ganz in Schwarz gekleidet und mit einer Sonnenbrille maskiert, soll er den Informationen zufolge meist kurz vor Ladenschluss zugeschlagen haben.
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So skrupellos gingen die Überfälle vonstatten
Aus Polizeikreisen heißt es: Nikodem R. soll äußerst skrupellos vorgegangen sein. Selbst erfahrene Ermittler seien von dem routinierten und brutalen Auftreten schockiert. So soll er seine Waffe vor den Augen der Mitarbeiter durchgeladen und an deren Köpfe gehalten haben. Wenn es ihm nicht schnell genug ging, soll er den völlig verängstigten Angestellten die Pistole über den Schädel gezogen haben.
„An einem Abend überfiel der Tatverdächtige gleich zwei Tankstellen“, sagt ein Ermittler fassungslos. „Das ist einfach abgebrüht.“ Seine Beute aus sieben Raubüberfällen: rund 7000 Euro. Wofür er das Geld benötigte, bleibt zunächst unklar.
Der Beschuldigte schwieg vor dem Haftrichter
Vor dem Haftrichter schwieg der Teenager beharrlich. Seine Verteidigung hat jetzt Ali Mojab (36) übernommen. Der renommierte Jurist sagt: „Mein Mandant wird sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zum Tatvorwurf und den Hintergründen äußern. Es bleibt abzuwarten, ob ihm alle Taten nachzuweisen sind.“
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Die Liste der vorgeworfenen Straftaten ist lang: Erpressung, Körperverletzung, gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Diebstahl, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, Bedrohung – Nikodem R. scheint kaum eine Straftat ausgelassen zu haben. Seit diesem Jahr ist er den Informationen zufolge außerdem Beschuldigter wegen eines Sexualdelikts.
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