Leipzig – Erst vor wenigen Wochen schien für Philipp Preißler (41) ein Traum in Erfüllung gegangen zu sein. Als parteiloser Kandidat der Freien Wähler setzte er sich bei der Oberbürgermeisterwahl in Freiberg gegen einen AfD-Bewerber durch und trat sein neues Amt an. Doch nur kurze Zeit später ist seine politische Karriere offenbar am Ende – zerstört in einem Hotelzimmer!

Wie bekannt wurde, soll Preißler während eines Urlaubsaufenthalts ein Hotelzimmer am Leipziger Hauptbahnhof demoliert, Gegenstände aus dem Fenster geworfen und beim anschließenden Polizeieinsatz zwei Beamte leicht verletzt haben. Nach dem Vorfall wurde er in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Ermittlungen laufen nun wegen Sachbeschädigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

Bürgermeister musste Blutprobe abgeben

Besonders brisant: Nach Informationen soll der Freiberger Oberbürgermeister in Leipzig im Rausch randaliert haben. Auf die Frage, ob ein Alkohol- oder Drogentest durchgeführt wurde, reagiert die Polizei mit Schweigen.

Polizei und Rettungsdienst rückten mit einem Großaufgebot an und sperrten alles ab

Polizeisprecher Paul Engelmann (36) äußerte sich zurückhaltend: „Zu weiteren Details können wir uns aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht äußern.“ Auch zu dem Tatverdächtigen wollte er „zum Schutz von Persönlichkeitsrechten“ keine weiteren Angaben machen. The Pik hat jedoch erfahren: Eine Blutentnahme wurde angeordnet, Insider vermuten einen möglichen Drogeneinfluss.

Bei Strafe von mehr als einem Jahr ist das Amt weg

Während ganz Sachsen über die Vorwürfe debattiert, stellt sich in Freiberg die brisante Frage: Kann Preißler überhaupt im Amt bleiben? Die Antwort lautet – zumindest formal – ja. Nach der Sächsischen Gemeindeordnung führt ein Ermittlungsverfahren nicht automatisch zum Verlust des Amtes. Auch eine Anklage reicht dafür zunächst nicht aus.

Der Einsatz in der Leipziger Innenstadt dauerte mehrere Stunden

Über einen möglichen Amtsverlust entscheidet nicht die Polizei, sondern letztlich das Kommunalrecht und gegebenenfalls ein Gericht. Erst bei einer rechtskräftigen Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr verliert ein Bürgermeister die Wählbarkeit und damit sein Amt.

Abwahlentscheid möglich

Allerdings wächst der Druck. Der Landkreis Mittelsachsen hat bereits ein Gespräch mit der Stadtverwaltung für die kommende Woche angekündigt. Man nehme die Vorwürfe sehr ernst und biete der Stadt Unterstützung an.

Eine erste Fraktion, ausgerechnet die „Bürger für Freiberg“, die Preißler einst unterstützt hatte, fordert bereits Neuwahlen. „Diese müssen zeitnah erfolgen. Eine weitere Hängepartie schadet unserer Stadt. Die Stadt muss wieder handlungsfähig werden“, sagte Holger Reuter der „Freien Presse“.

Sollte ein Drittel der Freiberger ein Bürgerbegehren zur Abwahl des Oberbürgermeisters fordern, käme es zu einem Abwahlentscheid. Falls die Mehrheit – mindestens 50 Prozent – das Aus für Preißler verlangt, müsste er seinen Stuhl im Rathaus umgehend räumen.