Berlin – Ausgerechnet die Berliner Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) sieht sich nur wenige Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl mit schweren Plagiatsvorwürfen zu ihrer eigenen Dissertation konfrontiert. Der österreichische Plagiatsgutachter Stefan Weber (56) erhebt schwere Anschuldigungen gegen die CDU-Politikerin. In ihrer juristischen Doktorarbeit „Das Recht des Kindes auf Kenntnis der eigenen Abstammung unter Berücksichtigung der Problematik der anonymen Geburt“ aus dem Jahr 2005 will er insgesamt 83 Plagiatsfragmente identifiziert haben. Diese stuft Weber als „schwerwiegend und werkprägend“ ein.
Von besonderer Brisanz ist der Umstand, dass Badenberg seit 2023 das Amt der Justizsenatorin von Berlin bekleidet. In ihren Zuständigkeitsbereich fällt unter anderem das Prüfungsamt, das für die Organisation der juristischen Staatsexamina in Berlin und Brandenburg verantwortlich zeichnet. Darüber hinaus tritt Badenberg bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus im September im Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf an. Die erhobenen Vorwürfe treffen die CDU somit mitten in der heißen Phase des Wahlkampfs.
„Schwerster Fall seit Guttenberg“
Der Vergleich fällt drastisch aus: Weber bezeichnet den Fall als den „schwersten mir bekannten Plagiatsfall in der bundesdeutschen Rechtswissenschaft seit Karl-Theodor zu Guttenberg“. Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (54, CSU) war im Jahr 2011 aufgrund einer Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit zurückgetreten und hatte daraufhin sein Ministeramt niedergelegt.
Besonders bemerkenswert ist ein Detail der Untersuchung: Nach Webers Erkenntnissen soll Badenberg sogar die Danksagung an ihre Eltern und ihren Ehemann ohne entsprechende Kennzeichnung aus einer anderen Arbeit zum selben Themengebiet übernommen haben. Zunächst hatte das Portal „Nius“ über die Plagiatsvorwürfe gegen die Senatorin berichtet.
Badenberg veranlasst Prüfung der Dissertation
Die Senatorin weist die Vorwürfe nicht ausdrücklich zurück, hat jedoch eine Überprüfung ihrer Arbeit durch die Universität veranlasst. Badenberg erklärte dazu: „Die Dissertation wurde nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt. Ich habe die Universität zu Köln gebeten, meine Dissertation unabhängig und umfassend zu prüfen. Die wissenschaftliche Bewertung einzelner Fundstellen ist Gegenstand dieses Verfahrens.“
Bereits im Jahr 2023 war Badenberg im Zusammenhang mit den Plagiatsaffären anderer Berliner Politiker zu ihrer Dissertation befragt worden. Damals hatte sie versichert, stets nach wissenschaftlichen Standards gearbeitet zu haben.







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