Im Sportwagenbauer Porsche steht heute eine Entscheidung an, die weitreichende Folgen für den gesamten Volkswagen-Konzern haben könnte. Der Aufsichtsrat berät über einen Sparplan, den Vorstand und Betriebsrat gemeinsam erarbeitet haben. Besonders ein Punkt sorgt im ganzen Konzern für Unruhe.
Der Pik liegt das entscheidende Dokument vor. Darin steht unmissverständlich: „Beschäftigungssicherung bis 31.12.2035.“ Damit wären die Beschäftigten von Porsche fast zehn Jahre lang abgesichert. Die aktuelle Beschäftigungssicherung läuft nach früheren Angaben nur bis Mitte 2030 und betrifft rund 23.000 Mitarbeiter in Zuffenhausen, Weissach und weiteren Standorten.

Welche brisante Frage sich nun stellt
Eine Jobgarantie – ausgerechnet in der schwersten Krise des VW-Konzerns? Während Porsche seinen deutschen Mitarbeitern langfristigen Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen bieten könnte, stehen bei Volkswagen Zehntausende Arbeitsplätze und die Schließung von vier deutschen Werken zur Diskussion. Betroffen sein könnten Emden, Hannover, Zwickau und das Audi-Werk Neckarsulm. Deshalb wird der Porsche-Deal im Konzern mit Argwohn betrachtet. Die entscheidende Frage: Warum erhalten die Mitarbeiter der Luxus-Tochter Sicherheit bis 2035, während die Kollegen bei VW und Audi um ihre Fabriken bangen müssen?
Das sind die Entscheider bei VW und Porsche
Der Konflikt reicht bis in die höchsten Gremien. Mehrere einflussreiche Porsche-Aufsichtsräte sitzen gleichzeitig bei Volkswagen in den Kontrollgremien. Wolfgang Porsche, Hans Michel Piëch und Hans Dieter Pötsch sind in beiden Unternehmen vertreten. Pötsch ist sogar VW-Aufsichtsratsvorsitzender. Sie müssten erklären, warum in Zuffenhausen möglich ist, was bei anderen Marken als kaum finanzierbar gilt.
Auch für VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo wird die Einigung heikel. Sie kämpft gegen Werksschließungen und weitere Einschnitte bei Volkswagen. Sollte der Porsche-Betriebsrat nun eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2035 vorlegen, wächst der Druck auf Cavallo, für die VW-Belegschaft mindestens Gleichwertiges zu erreichen. Im VW-Aufsichtsrat sitzt sie mit denselben Eigentümervertretern am Tisch.

Auch Porsche-Mitarbeiter von Sparmaßnahmen betroffen
Der Porsche-Deal wäre dennoch kein Geschenk. Nach Informationen von The Pik plant Chef Michael Leiters einen Abbau von insgesamt 5000 bis 6000 Stellen bis 2035. Die Produktivität soll um fast 15 Prozent steigen. Brisant: Zudem soll die Zahl der Auszubildenden mehr als halbiert werden. Auch die Mitarbeiter, die bleiben, werden das Sparprogramm deutlich zu spüren bekommen. Sonderzahlungen sollen nur noch ab einer Umsatzrendite von mehr als 4 Prozent fließen. Die jährliche Anerkennungsprämie soll auf 1500 Euro gedeckelt werden. Auch das Weihnachtsgeld soll sinken.
Porsche benötigt die Einschnitte. Leiters will den Sportwagenbauer „über alle Ebenen“ verschlanken, die Modellvielfalt reduzieren und dauerhaft profitabler machen. Für 2026 erwartet das Unternehmen nur noch eine operative Umsatzrendite von 5,5 bis 7,5 Prozent – weit entfernt von früheren Porsche-Ansprüchen. Doch die Garantie bis Silvester 2035 verändert die Statik des Konzerns.
Kommt nun ein Flächenbrand?
Gibt der Aufsichtsrat grünes Licht, hat der Porsche-Betriebsrat einen Maßstab gesetzt, an dem sich künftig jede Sparvereinbarung bei VW, Audi und den anderen Marken messen lassen muss. Der Porsche-Kompromiss könnte so einen Flächenbrand im VW-Konzern auslösen.

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