Lauenburg/Elbe (Schleswig-Holstein) – Was andere entsorgen oder liegen lassen, nutzt Sven Schleßelmann (41) als Geschäftsmodell. Der Unternehmer handelt mit nicht zustellbaren Paketen und retournierten Waren. Einen Teil vertreibt er als sogenannte Mystery-Pakete, deren Inhalt die Käufer erst beim Auspacken erfahren. Andere Sendungen öffnet Schleßelmann live im Netz und versteigert den Inhalt. Doch bei einem Paket war der Spaß vorbei: Erstmals in seiner Karriere musste der Händler die Polizei einschalten.
Retouren-Händler entdeckt Pistole
Beim Entladen seines Transporters fiel ein Paket heraus. Die Verpackung war beschädigt, Schleßelmann wurde neugierig und öffnete sie. Darin fand sich ein kleiner Koffer mit heiklem Inhalt. „Ich hatte eine 9-mm-Knarre in der Post.“ Im Koffer lag eine CZ Shadow 2, eine halbautomatische Sportpistole im Kaliber 9 Millimeter. „Wäre das schiefgelaufen, hätte ein Kunde sie bekommen.“

Auf dem Paket fehlte das Versandetikett. Vermutlich war es während des Transports verloren gegangen. Die Sendung ließ sich keinem Empfänger mehr zuordnen und gelangte so in den Retourenhandel.
Wie die scharfe Waffe ursprünglich verschickt wurde, ist noch unklar. Sicher scheint jedoch: Das Paket durchlief den normalen Versandprozess und war nicht als Waffensendung gekennzeichnet. Schleßelmann bezieht seine Ware von verschiedenen Paketdiensten und erklärt: „Meine Waren stammen aus Retourenlagern von DHL, Hermes, UPS und Co.“

Schleßelmann alarmierte umgehend die Polizei
Der 41-Jährige verständigte sofort die Beamten. Sie stellten die Schusswaffe sicher. Eine Polizeisprecherin teilte mit: „Die genauen Hintergründe zur Herkunft und zum ursprünglichen Empfänger sind derzeit noch unklar und werden durch die Polizei geprüft.“ Es gibt bereits eine erste Spur: „Es gibt einen Hinweis, dass die mutmaßliche Waffe möglicherweise aus Nordrhein-Westfalen stammen könnte.“

Vor fünf Jahren war Schleßelmann selbst als Paketzusteller tätig. Damals erlebte er täglich, wie Sendungen aufgrund fehlender Aufkleber oder falscher Adressen aus dem normalen Versandkreislauf aussortiert wurden. Gleichzeitig sah er die enormen Retourenmengen. Daraus entwickelte er ein Geschäftsmodell. Heute beschäftigt der Unternehmer mit seiner Firma Mr. Mystery acht Mitarbeiter.


Cartier-Ring war bisher der wertvollste Fund
Der Inhalt der Pakete reicht meist von skurril bis kostbar. „Cannabis haben wir gefunden. Gebrauchte Unterwäsche, Kloreiniger, Perücken. Ein Kunde meldete sich mal, weil er 2,5 Gramm Feingold in einem bei mir gekauften Wertbrief-Set hatte.“
Der wertvollste Fund war bisher ein Cartier-Ring im Wert von 7800 Euro, den Schleßelmann später online versteigerte. Sein jüngster Fund ging jedoch nicht an den Höchstbietenden – sondern an die Polizei.

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