Wenn der Griff zum Handy zur stundenlangen Beschäftigung wird, ist es meist zu spät. Statt Erholung hinterlässt exzessives Scrollen Stress, Schlafmangel und das Gefühl, Zeit verschwendet zu haben. „Dann habe ich schnell das Gefühl, ich erlebe zu wenig“, berichtet eine Betroffene. Sie ist nicht allein: Eine aktuelle Umfrage zeigt, wie stark die ständige Flut an Inhalten die Psyche belastet – besonders bei jungen Erwachsenen.
Die Ergebnisse sind eindeutig: Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, dass „Doomscrolling“ ihre Ängste verstärkt. Besonders betroffen ist die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen, von denen 62,4 Prozent nach dem Konsum negativer Inhalte gestresster und besorgter sind. Nur knapp sechs Prozent verspüren keine emotionalen Auswirkungen. Für die Umfrage von PlayersTime befragte das Marktforschungsunternehmen MarketsChain insgesamt 1509 Erwachsene zu ihrem Online-Verhalten.
Doomscrolling beschreibt das stundenlange Scrollen durch negative Nachrichten, Krisenmeldungen oder belastende Inhalte auf Social Media und Nachrichtenplattformen – oft gegen das eigene Wohlbefinden. Typisch ist das Gefühl, nicht aufhören zu können, obwohl die Inhalte Stress, Angst oder schlechte Stimmung auslösen. Wer scrollt, sucht oft Orientierung: Was ist passiert? Betrifft mich das? Muss ich mir Sorgen machen? Viele Informationen vermitteln ein Gefühl von Vorbereitung – und genau das macht es so schwer, das Handy wegzulegen.
Zeitgefühl verloren, Stress gewonnen
Ein weiteres alarmierendes Ergebnis: 64,4 Prozent der Befragten fühlen sich nach längeren Online-Phasen müde, mehr als die Hälfte klagt über Überforderung, Burnout oder Konzentrationsprobleme. Die ständige Reizüberflutung überlastet den Kopf, beeinträchtigt Aufmerksamkeit und mentale Erholung. Sobald sie zu swipen beginnt, verliert sie schnell das Zeitgefühl. „Danach bin ich oft im Stress, weil mir Stunden vom Tag fehlen.“ Die vielen Informationen wirken nach und beschäftigen ihre Gedanken – auch nachts: „Es bleibt weniger Zeit zum Runterkommen und Schlafen.“
Viele junge Erwachsene kennen dieses Phänomen. Ein Viertel der 18- bis 29-Jährigen gibt an, sich durch Doomscrolling besser informiert zu fühlen. 10,34 Prozent berichten dagegen von deutlich schlechterer Stimmung nach dem Scrollen – ein Zwiespalt.
Doch nicht nur Krisennachrichten ziehen Nutzer in den Sog. Ein lustiges Video, ein Beauty-Tutorial, die Alltagsstory eines Influencers – die Ungewissheit, was als Nächstes im Feed erscheint, hält sie bei der Stange. Jeder Swipe könnte etwas Interessantes zeigen. Hinzu kommt die Bequemlichkeit: Scrollen erfordert keine Entscheidung, keine Anstrengung. Und es füllt die Langeweile. Das Fatale: Es isoliert uns von unserem Umfeld.
Die stille Erschöpfung der „Generation Online“
27,7 Prozent der Befragten fühlen sich nach langer Online-Zeit einsam. 18,2 Prozent berichten sogar von Depression oder Demotivation. Expertin Aleksandra Dimitrova bringt es auf den Punkt: „Social-Media-Plattformen wurden entwickelt, um Nutzer zu binden – doch viele tragen inzwischen zur emotionalen Erschöpfung und sinkendem mentalen Wohlbefinden bei, ohne dass wir das volle Ausmaß erkennen.“ Sie warnt vor der Macht der Algorithmen: „Sie belohnen Aufmerksamkeit und spielen uns endlose, emotional aufgeladene Inhalte aus.“
Aleksandra Dimitrova ist Datenanalystin und Autorin bei PlayersTime, einer Plattform zur Schlichtung von Beschwerden für Online-Spieler. Das Unternehmen gab die Umfrage mit 1509 Erwachsenen in Auftrag. Der Bericht zeigt, wie soziale Medien das Wohlbefinden beeinflussen – besonders durch übermäßige Nutzung, Müdigkeit und Ablenkung. Ergänzt wird der Bericht durch Daten von Google Trends und TikTok zu Themen wie „Digital Detox“.
Gerade junge Menschen scheinen besonders anfällig, da soziale Medien für ihre Kommunikation, ihren Nachrichtenkonsum und ihre Freizeitgestaltung zentral sind. Alarmierend ist, dass viele sich offenbar an die Erschöpfung nach stundenlanger Online-Zeit gewöhnt haben. Diese digitale Überreizung wird zunehmend als normal wahrgenommen – ein Gefühl, das fast jeder kennt.
Der Vergleich mit anderen setzt viele unter Druck
Die 28-Jährige empfindet die Zeit am Handy zunächst nicht als Anstrengung. Im Gegenteil. Nach längerem Scrollen fühle sie sich eher entspannt als erschöpft. „Ich habe ja nichts Aktives gemacht, sondern einfach viele Informationen aufgenommen“, sagt sie. Doch wenn aus 30 Minuten am Ende Stunden werden, kippt die Stimmung – der Spagat zwischen Information, Unterhaltung und Kontrollverlust ist perfekt.
Hinzu kommt der ständige Vergleich mit anderen – ein Effekt, den Experten schon lange als Belastungsfaktor sozialer Netzwerke beschreiben. Besonders Reise-Content lässt viele zweifeln. „Dann habe ich schnell das Gefühl, ich erlebe zu wenig.“ Gleichzeitig wisse sie rational, dass dieser Eindruck oft nicht der Realität entspricht. „Im echten Leben sagt mir mein Umfeld aber oft das Gegenteil.“ Genau darin liegt laut Fachleuten die Gefahr: Nutzer vergleichen ihren normalen Alltag mit perfekt kuratierten Ausschnitten fremder Leben.
Das hilft gegen Dauer-Scrollen
Einige versuchen inzwischen, bewusster mit ihrem Social-Media-Konsum umzugehen. Am besten funktioniere bei ihr, die Benachrichtigungen auszuschalten. „Sonst bin ich sofort wieder abgelenkt, sobald ich nur die Uhrzeit checken will.“ Damit hat die 28-Jährige einen wichtigen Hebel gegen das Dauer-Scrollen gesetzt. Weitere Hilfen sind feste Grenzen: Zeitlimits für Nachrichten- und Social-Media-Apps sowie handyfreie Zeiten, etwa direkt nach dem Aufstehen oder vor dem Schlafengehen. Ein bewusster Nachrichtenrhythmus kann ebenfalls helfen: Statt immer wieder zwischendurch zu scrollen, lieber ein- oder zweimal am Tag gezielt seriöse Quellen lesen.
Komplett verteufeln möchte sie soziale Netzwerke nicht: „Social Media ist nicht nur negativ – es informiert mich auch.“ Genau dieser Balanceakt macht den Umgang mit digitalen Plattformen für viele so schwierig.







%2520braucht%2520Versta%25CC%2588rkung%2520von%2520Vertrauten.webp&w=1200&q=75)
%2520vor%2520seinem%2520Traditionsgescha%25CC%2588ft%252C%2520das%2520er%2520in%2520dritter%2520Generation%2520leitet.webp&w=1200&q=75)
%2520sto%25CC%2588rt%2520sich%2520daran%252C%2520wie%2520er%2520von%2520Bushido%2520und%2520dessen%2520Ehefrau%2520Anna-Maria%2520Ferchichi%2520dargestellt%2520wurde.%2520Jetzt%2520a%25CC%2588u%25C3%259Fert%2520er%2520sich%2520zu%2520den%2520Vorwu%25CC%2588rfen.webp&w=1200&q=75)
.webp&w=1200&q=75)