Washington – In der internationalen Fußballwelt herrscht Fassungslosigkeit. Ein Telefonat zwischen Donald Trump und dem Fifa-Präsidenten soll dazu geführt haben, dass die Rotsperre gegen US-Stürmer Folarin Balogun (25) aufgehoben wurde. Wie Ermittlungen jetzt zeigen, wurde der 80-jährige US-Präsident bereits wenige Minuten nach dem Platzverweis eingeschaltet, um eine Sperre für das Achtelfinale zu verhindern. Anschließend startete das Weiße Haus eine viertägige Kampagne, um Druck auf die Fifa auszuüben.


Unmittelbar nach dem US-Sieg gegen Bosnien-Herzegowina am Mittwoch informierte Andrew Giuliani (40), Leiter der WM-Taskforce im Weißen Haus, Präsident Trump über Baloguns Bestrafung: Der Angreifer hatte wegen eines Fouls die Rote Karte erhalten, was eine Spielsperre zur Folge hatte und ihn damit für das Achtelfinale gegen Belgien ausfallen ließ.

Die Konsequenz: Bereits am Mittwochabend fiel im Weißen Haus die Entscheidung, gegen Baloguns Platzverweis vorzugehen. Giuliani, Handelsminister Howard Lutnick (64) sowie hochrangige Funktionäre des US-Fußballverbands – die das Spiel gegen Bosnien alle live im Levi's Stadium nahe San Francisco verfolgt hatten – begannen, Strategien für einen Einspruch gegen die Rote Karte zu entwickeln.

Die Szene des Fouls: Folarin Balogun (l.) trifft seinen bosnischen Gegenspieler unabsichtlich, aber heftig am Knöchel. Die Folge war der Platzverweis und üblicherweise eine Sperre für ein Spiel.

Dies markierte den Beginn von vier Tagen intensiver, koordinierter Lobbyarbeit, juristischer Schritte und diplomatischer Bemühungen, die sich vom Oval Office bis zur Fifa-Zentrale in Zürich erstreckten. Sie verdeutlichen, in welchem Ausmaß Trumps engster Kreis die zweite Weltmeisterschaft auf US-amerikanischem Boden und das Abschneiden der US-Nationalmannschaft beeinflusst.

Trump und Infantino führten Telefonat

Am Donnerstag kam es dann zu dem Gespräch zwischen Trump und Fifa-Präsident Gianni Infantino (56). Trump erkundigte sich nach den Fifa-Regularien zur Roten Karte und den Gründen für eine Sperre. Infantino hörte aufmerksam zu, gab jedoch keine Zusagen. Gegenüber POLITICO lehnte die Fifa eine Bestätigung konkreter Gesprächsinhalte ab. Man bekräftigte lediglich, dass die Entscheidung zur Aussetzung der Spielsperre von einem unabhängigen Disziplinarausschuss getroffen worden sei.

Andrew Giuliani (40), Sohn des bekannten früheren New Yorker Bürgermeisters Rudy Giuliani, fungiert als Trumps WM-Beauftragter.

Während die Anwälte des US-Fußballverbands die Berufung formal vorbereiteten und bei der Fifa einreichten, konzentrierten sich Giuliani und Scott Goodwin (45) – ein Hedgefonds-Manager, der das Gehalt von US-Trainer Mauricio Pochettino (54) mitfinanziert hatte – auf die Schiedsrichterlaufbahn von Raphael Claus (46), der die Rote Karte gezeigt hatte. In Regierungskreisen kursierten Berichte über angebliche Spielmanipulationen durch den Brasilianer.

Der Fall durchlief danach rasch die juristischen und disziplinarischen Instanzen der Fifa. Insidern zufolge entwickelte sich Emilio García (49), Leiter der Rechtsabteilung des Weltfußballverbands, zu einer Schlüsselfigur bei der Beratung von Infantino.

Fifa setzte Sperre am Sonntag aus

Am Sonntag lag die Entscheidung vor. Einen Tag vor der Partie der USA gegen Belgien gab die Fifa bekannt, dass Baloguns Sperre für ein Jahr ausgesetzt wird. Trump dankte dem Weltverband dafür, „das Richtige getan und ein großes Unrecht wiedergutgemacht zu haben“. Der Belgische Fußballverband und die Uefa erwägen laut einem hochrangigen Uefa-Funktionär rechtliche Schritte gegen diesen Fifa-Beschluss.

Trump dankte der Fifa öffentlich für die Aufhebung der Sperre.

„Um die berechtigten Rechte aller teilnehmenden Mannschaften zu wahren und die grundlegenden Prinzipien des Fair Play in unserem Sport zu schützen – sowohl bei dieser Fifa-Weltmeisterschaft als auch bei künftigen Turnieren –, prüft der RBFA alle verfügbaren Optionen“, ließ der belgische Verband verlautbaren.

Verschwiegenheit bei der Fifa

Die Fifa hingegen betont, es habe sich um eine unabhängige Entscheidung ihres 18-köpfigen Disziplinarausschusses gehandelt. ALLERDINGS: Ob die Entscheidung durch eine Abstimmung zustande kam, ließ der Verband offen. Anders als bei anderen Beschlüssen des Ausschusses hat die Fifa keinen Bericht zu dieser Entscheidung veröffentlicht.

Kurz darauf sprachen Trump und Infantino erneut miteinander. Es wird nun erwartet, dass sie dem Turniersieger nach dem Finale am 19. Juli gemeinsam den WM-Pokal überreichen werden.