Der Kopf dröhnt, die Glieder sind schwer. Viele fühlen sich wie in Watte gepackt – als stecke eine Erkältung in den Knochen, die einfach nicht richtig ausbricht. „Viele Patienten sind gerade wirklich am Ende ihrer Kräfte“, berichtet HNO-Arzt Dr. Bernhard Junge-Hülsing (61) aus seinem Praxisalltag.

Sie klagen über Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Schlafprobleme, erhöhte Temperatur oder ein Gefühl der Benommenheit – ohne dass sich ein klassischer Infekt eindeutig feststellen lässt. Bei anderen ziehen sich Infekte ungewöhnlich lange hin oder kehren immer wieder. „Patienten verstehen oft nicht, was mit ihnen los ist.“ Eine große Grippe- oder Corona-Welle gibt es derzeit nicht. Dagegen sind Erkältungsviren wie Rhinoviren, Parainfluenza- und Adenoviren weit verbreitet. „Es kann sein, dass der Körper damit kämpft, aber nur milde Symptome zeigt“, erklärt Internist Dr. Matthias Riedl (62).

Häufig sei dieser Zustand der Mattigkeit ein Mix aus Infektion, Allergie, Stress, Erschöpfung, Schlafmangel oder Viren, die nach früheren Infekten im Körper verbleiben und wieder aufflammen. Dazu zählen das Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber) oder das Varizella-Zoster-Virus (Gürtelrose). Auch depressive Verstimmungen können eine Rolle spielen, da sie das Immunsystem schwächen. Hinzu kommen Wetterwechsel und Pollenflug: Allergien äußern sich nicht nur durch Niesen und juckende Augen, sondern können auch Müdigkeit und Benommenheit verursachen.

Zudem leben laut Riedl viele Menschen gegen die Bedürfnisse ihres Körpers. Das zeige sich ebenfalls unspezifisch: Man fühle sich nicht richtig krank, aber auch nicht leistungsfähig. Nach seiner Erfahrung nehmen Mangelzustände zu, etwa bei Vitamin D, Magnesium, Jod und Eisen. „Hinzu kommt, dass sich die Deutschen zu 50 Prozent von hochverarbeiteten Lebensmitteln ernähren. Auch das schwächt das Immunsystem.“

Dr. Matthias Riedl (62) ist Internist, Diabetologe und Ernährungsmediziner in Hamburg. Er leitet das von ihm gegründete medicum, Europas größtes Zentrum für Diabetologie und Ernährungsmedizin. Bekannt wurde Riedl als Ernährungs-Doc in der NDR-Sendung. Er entwickelte das 20:80-Prinzip, betreibt die App myFoodDoctor und unterstützt die Initiative Leckerhochdrei.

Dr. Bernhard Junge-Hülsing (61) ist Facharzt für HNO-Heilkunde in Starnberg. 2004 gründete er die Gemeinschaftspraxis HNO Starnberg, leitet den Landesverband Bayern des Berufsverbandes und ist Pressesprecher des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte. Zu seinen Fachgebieten zählen unter anderem Allergiediagnostik und -therapie sowie die Schlafsprechstunde.

Was tun, wenn man sich seit Tagen matschig fühlt?

Wer ein paar Tage lang matt ist, muss nicht sofort in Panik geraten. Der Körper darf auch mal müde sein. Dann helfen einfache Maßnahmen: ausreichend schlafen und trinken, ausgewogen essen, an die frische Luft gehen, moderate Bewegung. Laut Junge-Hülsing ist es wichtig, nicht dauerhaft in die Schonhaltung zu verfallen, wenn medizinisch nichts Ernstes gefunden wurde. Ansonsten empfehlen die Experten:

  • Temperatur messen. Wichtig: immer ungefähr zur gleichen Zeit; morgens mit morgens vergleichen, nachmittags mit nachmittags.

Riedl: „Wenn eine erhöhte Temperatur über drei Tage nicht besser wird, sollte man zum Arzt. Wenn Beschwerden nach ein bis zwei Wochen nicht verschwinden oder sich verschlimmern, gehört das abgeklärt. Dauerhaft leicht erhöhte Temperatur, Nachtschweiß oder unklare Schwäche können Warnzeichen für Tuberkulose, Sepsis oder Krebs sein.“

  • Blut checken: Vor allem im Hinblick auf Eisen, Schilddrüse, Folsäure und Vitamin D. „Je nach Beschwerden ist auch ein Allergietest, Abstrich oder eine Nebenhöhlen-Untersuchung sinnvoll“, sagt Junge-Hülsing.

Zum Arzt sollte man auch, wenn Kopfschmerzen stärker werden, bei Schwindel, Seh- oder Hörstörungen, Schwäche, Lähmungsgefühl, auffälligem Juckreiz oder anhaltendem Fieber. Nach einem echten Infekt gilt: nicht zu früh wieder Vollgas geben. Faustregel: pro Tag Fieber eine Woche Sportpause. Viren können auch das Herz betreffen, eine Herzmuskelentzündung kann sich durch Schwäche und geringe Belastbarkeit zeigen und unter körperlicher Belastung lebensgefährlich werden.