Frankenthal (Rheinland-Pfalz) – In ihrem Umfeld galt sie als glückliche Familie: Mutter Christina C. (64) wohnte mit ihren erwachsenen Kindern in einer idyllischen Gemeinde in Rheinland-Pfalz. Bis heute bleibt es für Verwandte und Freunde unfassbar, warum ihr Sohn Martin C. (29) zum Messer griff und seinen Bruder attackierte. Als die Mutter entschlossen dazwischenging, stach er auch auf sie ein. Christoph C. überlebte die Tat seines Bruders, Mutter Christina C. erlag ihren Verletzungen. Nun muss sich der 29-jährige Psychologe wegen Totschlags vor Gericht verantworten.
Die Gewalttat ereignete sich in der Nacht vom 22. auf den 23. Februar 2026 in Böhl-Iggelheim (Rheinland-Pfalz). Martin C. und sein Bruder Christoph (35) hatten gemeinsam ferngesehen und anschließend auf der Terrasse eine Zigarette geraucht. Danach begab sich C. in die angrenzende Küche. Staatsanwältin Iris Reiter schilderte den Sachverhalt beim Prozessauftakt am Freitag vor dem Landgericht Frankenthal: „Der Angeklagte ergriff völlig überraschend ein 20 Zentimeter langes Messer aus dem Küchenblock und versuchte, seinen Bruder zu töten.“

Mutter wollte vermitteln, da stach ihr Sohn zu
Mutter Christina (64) versuchte verzweifelt einzugreifen. „Sie wollte die Söhne trennen“, berichtete die Staatsanwältin. In diesem Augenblick rammte ihr der jüngere Sohn das Messer in die Brust. Während Christoph den Angreifer in Richtung Kellertreppe abdrängte, bemühte sich die Schwester vergeblich um die Rettung der Mutter. Die Polizei stoppte den 29-Jährigen letztlich mit Schüssen und nahm ihn schwer verletzt fest.
„Mein Bruder hat immer die Filme ausgesucht“
Der Angeklagte hat die Tat eingeräumt. An konkrete Details könne er sich jedoch nicht erinnern. Als er über seinen Alltag und die familiären Verhältnisse befragt wurde, sagte er: „Mein Bruder hat immer die Filme und das Programm ausgesucht. Dann gab es auch mal Streit.“ Die Richterin hakte nach: „Auch an diesem Abend?“ Martin C. bestätigte mit einem Nicken. Ob dies tatsächlich ein Tatmotiv darstellt, bleibt offen. Laut Nebenklage-Anwalt Alexander Klein sind die Geschwister des Angeklagten durch die Tat schwer traumatisiert und können dem Prozess nicht beiwohnen. Im Gerichtssaal verlas er jedoch eine E-Mail der beiden. Darin heißt es: „Es ist ein unfassbarer Schmerz, dass der eigene Bruder die Mutter getötet hat. Unsere Mutter war so ein herzensguter Mensch.“ Der Jurist ergänzte: „Sie haben aber ein Interesse daran, dass der Angeklagte nicht auf freien Fuß kommt.“

Der Täter besitzt das Abitur und einen Bachelor-Abschluss in Psychologie, soll zuletzt jedoch unter Wahnvorstellungen gelitten haben. Der Gutachter äußerte den Verdacht auf eine paranoide Schizophrenie. Daher ordnete das Gericht an, dass C. nicht in die JVA Wittlich zurückkehrt, sondern vorläufig in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht wird. Ob er vermindert schuldfähig oder schuldunfähig ist, bleibt vorerst ungeklärt. Der Prozess wird fortgesetzt.

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