Lagos – Während die Weltlage von Krisen erschüttert wird, klingelt bei einem Mann die Kasse: Aliko Dangote (69) – Afrikas reichster Bürger – hat durch den Iran-Krieg ein Vermögen von mehr als fünf Milliarden Dollar hinzugewonnen. Seine neu errichtete Raffinerie in Lagos hat sich zum größten Einzelexporteur von Kerosin weltweit entwickelt und versorgt nun die USA und Europa – während Millionen Afrikaner unter den gestiegenen Kraftstoffpreisen ächzen. Dies berichtet die „New York Times“.

Im Jahr 1981 legte der Nigerianer den Grundstein für die Dangote Group und formte aus einem kleinen Handelsunternehmen ein milliardenschweres Imperium. Heute umfasst das Portfolio des Konzerns nicht nur Zement, sondern ebenso Zucker, Salz, Mehl, Öl und Düngemittel.

Kriegskrise als Geschäftsmodell

Anschließend errichtete er in Lagos eine monumentale Raffinerie, die größte des Kontinents. Laut Unternehmensangaben wurde sie unmittelbar vor den US-Bombardierungen des Iran vollständig betriebsbereit. Die geopolitischen Umstände kamen dem Multimilliardär dabei gelegen: Aufgrund der Spannungen zwischen den USA und dem Iran ist die Straße von Hormus derzeit blockiert. Durch diese Meerenge fließt ein beträchtlicher Anteil des globalen Ölhandels. Zusätzlich haben ukrainische Attacken auf russische Raffinerien die Lieferungen aus Russland nach Afrika reduziert. Die Ölströme aus Europa und dem Persischen Golf in Richtung Afrika sind drastisch gesunken.

Für Dangote läuft das Geschäft daher auf Hochtouren. Der Experte Daniel Evans von „S&P Global Energy“ bezeichnet die Anlage als „den weltweit größten Einzelexporteur von Kerosin“. Auch die Vereinigten Staaten beziehen nun Kerosin aus der Dangote-Raffinerie.

Aliko Dangote 2024 in Paris
Quelle: Reuters

Die Raffinerie beliefert zudem Südafrika in erheblichem Umfang. Ostafrika bezog zuvor über 65 Prozent seiner raffinierten Erdölprodukte aus dem Nahen Osten. Als die Lieferungen kriegsbedingt ausfielen, waren die Tankstellen in Kenia leer – während Dangote gerade erst so richtig Fahrt aufnahm.

Und die Expansion geht weiter: Eine Investmentgruppe aus Dubai investiert eine Milliarde Dollar in die Raffinerie – für einen geplanten Börsengang in Nigeria, der der größte in der Geschichte Afrikas werden könnte.

Millionen Afrikaner müssen tiefer in die Tasche greifen

Während Dangote Milliarden scheffelt, steigen für Millionen Afrikaner die Kraftstoffkosten. Die meisten afrikanischen Staaten sind gezwungen, ihr Rohöl im Ausland verarbeiten zu lassen, da die eigenen Raffinerien stillstehen. Nigeria besitzt drei staatliche Raffinerien, die derzeit alle außer Betrieb sind.

Dangote sieht sich zudem mit Vorwürfen monopolistischer Praktiken konfrontiert. Der nigerianische Menschenrechtsanwalt Deji Adeyanju (46) äußert in der „New York Times“ die Ansicht, der Milliardär besitze zu großen Einfluss auf die Regierung.

Fest steht jedenfalls: Während der Krieg für die meisten Menschen das Leben verteuert, wachsen die Vermögenswerte von Aliko Dangote kontinuierlich.