Berlin – Diese Kunstaktion sorgt für einen Bauchklatscher: Das geplante Badetag-Event nur für Schwarze im temporären „Volksbad“ vor der Volksbühne in Berlin-Mitte stößt auf deutliche Kritik. „Ich persönlich halte nichts davon, Menschen nach Hautfarben einzuteilen. Ich bin ein Freund des Miteinanders“, erklärt CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers (46).

Das mit 300.000 Euro aus Steuermitteln finanzierte Vorhaben wurde zunächst als sommerlicher Anlaufpunkt beworben. Anders als in den städtischen Bädern der Hauptstadt soll hier das Schwimmen kostenlos und ohne Ausweiskontrolle möglich sein – nur ein Online-Zeitfenster muss man sich sichern. Die Initiatoren verstehen ihr Projekt auch als Protest in einer Stadt, „in der in den letzten Jahrzehnten systematisch Infrastruktur abgebaut wurde, und öffentliche Orte zunehmend kommerzialisiert und kontrolliert werden“.

Politischer Wellengang im Wahlkampf

Hohe Wellen schlug die Ankündigung auf der Website der Volksbühne, wonach freitags ein exklusiver Zugang nur für schwarze Communities vorgesehen war. Das weckte die Berliner Wahlkämpfer. Finanzsenator Evers hatte das Projekt bislang so verstanden: „Ich habe das ‚Volksbad‘ eigentlich als ‚Bad für alle‘ gesehen.“

FDP-Spitzenkandidat Christoph Meyer (50) äußert sich deutlich: „Öffentliche Orte müssen Gesellschaften zusammenführen, nicht nach Hautfarbe trennen. Die Volksbühne ist ein Hort linker ‚Gesellschaftskritik‘, wobei die Kosten von knapp 200 Euro pro Theaterbesucher ohnehin schon ein Schlag ins Gesicht der arbeitenden Bevölkerung sind.“ SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach (47) meint: „Man kann über die Entscheidung der Volksbad-Organisatoren streiten, aber nicht auf dem Rücken von People of Color.“ Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp (44) verteidigt das Konzept: „Am Freitag hat ein Verein das Bad regulär für seine Mitglieder gemietet. Das Volksbad ermöglicht damit Zugänge für Menschen, die oft von Ausschlüssen und Rassismus betroffen sind. Das als eine Form von Diskriminierung zu bezeichnen, lässt tief blicken.“

CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers (46) ist gegen eine Trennung der Besucher nach Hautfarben
Quelle: dpa

Programmhinweis im Nachhinein korrigiert

Die Volksbühne ließ Anfragen unbeantwortet. Allerdings wurde die Online-Seite inzwischen angepasst: Von schwarzen Communitys ist nicht mehr die Rede, stattdessen wird nur noch der Verein (Eoto) genannt, der das Bad von 12 bis 18 Uhr reserviert hat. Diese Organisation engagiert sich für die Interessen Schwarzer und Afrikaner.

„Ich halte es alleine schon für völlig unvertretbar, dass ein mit öffentlichen Mitteln hochsubventioniertes Theater Steuergelder für ein Schwimmbecken zweckentfremdet. Dass der Intendant dann bei den Zugangsregelungen eine Art Rassentrennung erlaubt, ist völlig indiskutabel“, kritisiert Alexander Krauß (55), Chef des Berliner Steuerzahlerbundes. Bei einer staatlichen Einrichtung sei eine Ausgrenzung in jedweder Richtung nicht hinnehmbar.

Kurz nach der Eröffnung des Volksbades fiel der Badebetrieb zunächst für alle aus – zwei Tage lang wegen defekter Duschen. Ob sie am Freitag tatsächlich wieder funktionieren, bleibt abzuwarten.