München – Dieser Wechsel dürfte zu den größten Irrläufern der jüngeren Bayern-Historie zählen. Joao Palhinha (31) wechselte einst für knapp 50 Millionen Euro Ablöse an die Isar. Nach einem Jahr Leihgabe an Tottenham ist der Portugiese nun zurückgekehrt – und die Lage ist festgefahren. Der FC Bayern drängt auf einen Verkauf, Sportvorstand Max Eberl (52) machte unmissverständlich klar: Wir rechnen nicht mit ihm, er besitzt hier keine Perspektive. Palhinha hingegen konterte: „Ich möchte meinen Platz hier verteidigen.“ Bedeutet: Bleiben und sich durchsetzen.

In der aktuellen Ausgabe des Podcasts „Bayern Insider“ analysieren Fußballchef Christian Falk und Chefreporter Heiko Niedderer den Fall Palhinha. Im Fokus stehen Versäumnisse der Bayern-Verantwortlichen, mögliche Druckmittel und fragwürdige Einsatzzeiten...

Die Faktenlage im Fall Palhinha!

Falk: „Rein statistisch betrachtet ist es ein Absturz. Für 50 Millionen kam er zum FC Bayern, heute liegt sein Marktwert bei 15 Millionen – und Bayern wird ihn nicht los. Tottenham weigerte sich, die vertraglich festgeschriebenen 30 Millionen zu zahlen, das war ihnen der Spieler nicht wert.“ Niedderer äußert sich zu dem mutmaßlichen Fehleinkauf: „Den Begriff Flop finde ich unpassend, weil er aus meiner Sicht nicht viel falsch gemacht hat. Es ist eher ein Fehleinkauf für Bayern, da er schlicht zum falschen Zeitpunkt verpflichtet wurde.“ Hintergrund: Ex-Coach Thomas Tuchel (52) bestand 2023 auf Palhinha, der Deal über rund 60 Millionen Ablöse war nahezu perfekt, der Mittelfeldmann weilte am Deadline Day bereits in München für Foto-Shootings und Vertragsunterschrift. Im letzten Augenblick platzte der Transfer jedoch, da sein Klub Fulham keinen Ersatz verpflichten konnte.

Niedderer: „Tuchel wollte diesen kompromisslos defensiven Sechser, der notfalls die Konter mit aller Härte unterbindet. Genau das ist er, das beherrscht er. Nur hat es damals eben nicht funktioniert, und das lag nicht an Palhinha.“ Der entscheidende Fehler: Bayern vollzog den Transfer ein Jahr später nach – obwohl Tuchel längst nicht mehr im Amt war und Neu-Trainer Vincent Kompany (40) für einen Spieler vom Schlage Palhinhas keine Verwendung hatte. Falk: „Dreesen hatte ihm damals beim Abschied am Deadline Day versprochen: Wir sehen uns wieder. Damit wurde quasi ein Versprechen abgegeben.“

Niedderer: „Vor der Verpflichtung 2024 hätte man ehrlich kommunizieren müssen: Joao, wir haben dir das zwar zugesichert, aber unter dem neuen Trainer ergibt das keinen Sinn. Das wäre für alle Beteiligten die klügere Lösung gewesen. Der zentrale Denkfehler war: Für welche Spielphilosophie ist Palhinha geeignet? Tuchels System war auf weniger Ballbesitz und mehr Umschaltspiel ausgelegt, dafür hätte er ihn gebraucht. Bei Kompany findet er keinen Platz, er ist kein Ballkünstler, der die entscheidenden Pässe spielt. Er verkörpert den athletischen Kämpfer. Und genau das hat er in der zweiten Saisonhälfte in Tottenham bewiesen, wo er eine zentrale Rolle einnahm. Er hat unermüdlich gekämpft, und in einem englischen Team passt er optimal. Er arbeitet, erobert Bälle, initiiert Angriffe. In München hat die Chemie nie gestimmt.“

Palhinha kam in den entscheidenden Partien nicht zum Zug

Ein weiteres Problem bei Bayern, für das Palhinha nichts konnte: Kompany setzte ihn überwiegend in nachrangigen Partien ein. Falk: „Er wurde in den falschen Begegnungen aufgestellt, ausschließlich in Spielen, wo ein solcher Sechser nicht gefragt ist.“ Niedderer: „Er ist genau der Typ, den du gegen Top-Gegner benötigst, doch genau dann sitzt du als Reservist auf der Bank.“

Die aktuelle Situation: Beide Parteien sind alles andere als zufrieden. Niedderer: „Palhinha fühlt sich von Bayern nicht fair behandelt, seine Haltung ist: Tottenham wollte mich behalten, warum war Bayern preislich nicht gesprächsbereit? Das wäre vermutlich die beste Lösung für alle gewesen.“ Falk: „Die Fronten haben sich verhärtet. Eberl sagt: Du hast hier keine Chance mehr, er entgegnet: Vielleicht bleibe ich. Es geht um erhebliche finanzielle Summen. Palhinja will eigentlich weg, das ist ihm bewusst. Doch mit der Ansage, dann eben zu bleiben, baut er ein Druckmittel auf: Ich kann auch hierbleiben, dann müsst ihr mich weiter bezahlen und kassiert keinerlei Ablöse.“

Die Hoffnung besteht nun darin, dass Bayern zu Zugeständnissen bereit ist und ihn zu einer reduzierten Ablöse nach Portugal oder zu Aston Villa ziehen lässt. Niedderer: „Bayern ist sich bewusst, dass die 30 Millionen nicht mehr zu erzielen sind. Man sollte verhandlungsbereit sein, um die Angelegenheit zu einem Abschluss zu bringen und sie nicht so lange hinauszuzögern, bis am Ende gar kein Geld mehr fließt – oder man sogar draufzahlt...“

Die gute Laune täuscht etwas: Max Eberl (52) möchte Palhinha möglichst bald verkaufen