München – Vom Rennstrecken-Sieger zum Dauerinsassen der Behörden: Peter Muggianu aus Geretsried (Bayern) erwarb seinen knallroten VW Golf 5 GTI Edition 30 (330 PS) für 26.900 Euro und steckte zusätzlich 6.000 Euro in die Veredelung. Der Aufwand zahlte sich aus: Der Flitzer triumphierte zweimal beim Tuner Grand Prix auf dem Hockenheimring.

Anschließend zogen die Beamten den Golf ein – und gaben ihn erst nach sieben Jahren wieder heraus. Heute ist das einst so stolze Fahrzeug nur noch 6.025 Euro wert.

Polizei konfisziert den Golf

Der Ausgangspunkt war der 6. Februar 2018: Die Verkehrspolizei Weilheim durchsuchte die Werkstatt des Auto-Tuners. Ihr Verdacht: manipulierte TÜV-Einträge, verursacht durch aufgeschweißte Plaketten an der Abgasanlage. Die Einsatzkräfte beschlagnahmten seinen Golf.

Peter Muggianu (1. v. l.) mit Team-Mitgliedern beim Tuner Grand Prix 2009 in Hockenheim, wo sein Golf den 1. Platz holte

Was dann geschah, gleicht einem Märchen aus der Welt der Bürokratie: über 800 Seiten Aktenmaterial, neun Ordner, diverse Gutachten, unzählige Staatsanwälte und zwei nahezu endlose Gerichtsprozesse wegen Betrugs und Urkundenfälschung. „Nach der Beschlagnahmung tat sich lange Zeit gar nichts“, erinnert sich der 55-Jährige heute.

Muggianu zeigt die 9 Aktenordner, die im Rahmen von Ermittlungen und zwei Verfahren anfielen

Gutachten entlasten den Tuner

Letztlich blieb von den Anschuldigungen nichts übrig. Auf Nachfrage begründete das Gericht die lange Verfahrensdauer mit „umfangreichen und technisch äußerst detaillierten Sachverständigengutachten“. Diese Gutachten sprachen Muggianu frei: Die Überprüfung seines Golfes im Jahr 2008 sei „bis 2012 völlig in Ordnung“ gewesen, hieß es im Sitzungsprotokoll des Sachverständigen. Erst danach seien die Anforderungen an Umbauten verschärft worden. Im Urteil des Amtsgerichts steht, der VW Golf 5 sei „als zulassungsfähig einzustufen“. Dennoch blieb er beschlagnahmt.

Ursache des jahrelangen Zoffs waren u.a. solche aufgeschweißten Schilder, wie hier auf der Abgasanlage des Golfs: Die vom TÜV geforderte Kennzeichnung wurde von den Ermittlern als Urkundenfälschung und Betrug ausgelegt. Sachverständige sagten: „Bis 2012 völlig in Ordnung.“

Denn die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein. Erst am 29. Oktober 2025 stellte das Landgericht München II das Verfahren ein – mehr als siebeneinhalb Jahre nach der Hausdurchsuchung. Für Muggianu kam dieser Schritt zu spät: „Wegen meines angeblich schlechten Rufs musste ich die Werkstatt schließen und sieben Angestellte entlassen.“ Seine Anwaltskosten beziffert der Kfz-Meister auf rund 20.000 Euro. Nun prüft er Schadensersatzforderungen.

Golf wieder in Schuss gebracht

Den Golf bekam er zunächst ohne Abgasanlage samt Katalysator und ohne Motorsteuergerät zurück. Die beschlagnahmten Teile erhielt er am 4. Februar. Seitdem ist der GTI wieder zugelassen. „Ich habe ihn aufgearbeitet und im Champion-Design von 2009 originalgetreu restauriert. Und ob ich nun zur Tuning-Messe oder zu einem Rennen fahre – überall mache ich auf die absurden Ermittlungen aufmerksam.“

Muggianu mit der Betriebserlaubnis des TÜV Süd vom 13. März 2008, welche die Tuning-Umbauten auflistet. Die Ermittler unterstellten ihm hingegen, den Prüfingenieur mittels eines Teilegutachtens über die verbaute Schalldämpferanlage getäuscht zu haben