Die Anfänge einer Institution: Wie die Nachricht vom ersten Nachkriegs-Bundestrainer die Öffentlichkeit erreichte

Als Sepp Herberger im Herbst 1949, nach Abschluss seines erfolgreichen Entnazifizierungsverfahrens, zum Bundestrainer berufen wurde, schenkte das „Hamburger Abendblatt“ dieser Meldung gerade einmal sechs Zeilen Platz.

Der erste Bundestrainer: Sepp Herberger (links) gemeinsam mit Fritz Walter und Toni Turek nach dem Triumph bei der WM 1954 in Bern.

Bei der Ernennung von Bundestrainer Nummer 2 begnügte sich der DFB mit einer knappen Pressemitteilung, die besagte, dass Herbergers Assistent Helmut Schön im Sommer 1964 das Amt übernehmen werde.

Punkt. Nachfragen? Fehlanzeige. Die Vorstellung von Bundestrainer Nummer 12 am vergangenen Freitag verlief da um einiges geräuschvoller als bei seinen Vorgängern aus der Schwarzweiß-Ära.

Jürgen Klopp stand 65 Minuten lang auf der Pressekonferenz Rede und Antwort, verfiel dabei phasenweise in einen Monolog – oder wie man es treffender nennen könnte: einen Kloppolog.

Klopps klare Ansage an die vierte Gewalt

Er präsentierte sich kämpferisch, demütig („es ist eine große Ehre“) und richtete eine unmissverständliche Drohung in Richtung der Medien: „Wenn ihr euch danebenbenehmt und meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg.“ Nein, das wird wohl kein Problem sein! Schließlich wird Ehefrau Ulla bestimmt nicht mit ihrem Jürgen täglich zum Training radeln...

Zwischen den vielen Worten ließ sich jedoch eine gezielte Botschaft heraushören.

Ist es Ihnen aufgefallen, dass er als einzigen Bundesligisten namentlich den FC Bayern München erwähnte? Die Münchner sollten sich keine Sorgen machen, dass er, Aki Watzke und Sven Bender künftig ausschließlich Dortmunder Spieler nominieren würden.

Halt! Es wird doch wohl niemand ernsthaft glauben, dass das nun amtierende DFB/BVB-Trio auf Spieler wie Musiala, Karl, Tah oder Kimmich verzichten würde, nur weil sie in der Liga ein rotes Trikot tragen?

Offensichtlich doch. Klopps Vorgänger Nagelsmann und Flick brachten eine Bayern-Vergangenheit mit, Löw war zumindest als neutral gegenüber dem Rekordmeister bekannt.

Blickt der Rekordmeister nun etwas skeptisch auf die schwarz-gelbe Nummer 12 und die damit verbundene Machtverschiebung im DFB? Tatsache ist, dass sich die Verantwortlichen des FC Bayern sehr viel Zeit ließen, um Klopps Berufung öffentlich zu begrüßen.

Letztlich kann man aber auch in München froh sein, dass Klopp diese Aufgabe übernommen hat. Sonst hätte womöglich die Frage nach einem Bundestrainer Kompany im Raum gestanden. Jetzt liegt es an Klopp selbst, zu beweisen, dass er als Über-Held aus Mainz, Dortmund und Liverpool auch die Nationalmannschaft führen kann.

Ist das denn so eine Herausforderung? Ich habe am Samstag mit Jogi Löw telefoniert. Er bringt den entscheidenden Unterschied mit einem prägnanten Satz auf den Punkt: Der Vereinscoach trainiert die Spieler, der Nationalcoach trainiert die Mannschaft.

Der Weltmeister von 2014! Jogi Löw mit Lukas Podolski (links) und Per Mertesacker, dem neuen DFB-Geschäftsführer Sport

Was Jogi damit meint: Im Verein kannst du dich täglich um jeden einzelnen Profi kümmern und ihn weiterentwickeln. Bei der Nationalmannschaft bleibt dir in den nur drei, vier Tagen vor den Länderspielen keine Zeit für individuelle Betreuung. Hier musst du kurzfristig die richtige Ansprache an das gesamte Team finden und langfristig die passende Formation etablieren. Bundestrainer Nummer 12 benötigt also vor allem Geduld, rät Löw. Er muss es wissen. Schließlich war Bundestrainer Nummer 9 2014 unser letzter Weltmeister-Trainer – nach Nummer 1 (Herberger), Nummer 2 (Schön) und Nummer 4 (Beckenbauer).