Barcelona (Spanien) – Einst die erbittertste Kontrahentin von Steffi Graf und auf dem Court eine gefürchtete Größe – nun hat sie eine Niederlage außerhalb des Spielfelds kassiert, und zwar deutlich. Die Tennis-Ikone Arantxa Sánchez Vicario (54) ist wegen Vermögensverschleierung zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Ihr früherer Ehemann, vom Gericht als Drahtzieher des Betrugs eingestuft, muss dagegen hinter Gitter.
Die einstige Profispielerin hatte in einem TV-Interview unter Tränen versichert, ihr gesamtes Vermögen durch ihren Ex-Partner verloren zu haben. Um einer Haftstrafe zu entgehen, sei sie gezwungen, die Hälfte ihrer Einkünfte an eine Bank abzutreten, um die Verbindlichkeiten zu tilgen. Nun ist das Urteil gegen Sánchez Vicario öffentlich, das bereits im Januar 2024 gesprochen, dessen Details aber erst jetzt ans Licht kamen. Es belegt, wie lange das inzwischen geschiedene Paar weiterhin einen luxuriösen Lebensstil pflegte, anstatt Millionen an Schulden zu begleichen.

Immobilien veräußert, Schulden ignoriert
Die 54-Jährige wurde schuldig gesprochen, gemeinsam mit ihrem Ex-Mann Josep Santacana Vermögen vor einem Kreditinstitut verborgen zu haben. Dieses forderte mehr als fünf Millionen Euro zurück, die Sánchez Vicario zur Begleichung ihrer Steuerlast aufgenommen hatte. Als keine Zahlungen erfolgten, erwirkte die Bank einen gerichtlichen Titel und leitete später die Zwangsvollstreckung ein.
Den Gerichtsakten zufolge begann Santacana daraufhin, systematisch Vermögenswerte vor der Bank zu verstecken. Er übernahm die Kontrolle über diverse Firmen, veräußerte Immobilien und löste die Gesellschaften schließlich auf. Insgesamt flossen rund 7,2 Millionen Euro – eine Summe, die zur Deckung der Schulden ausgereicht hätte. Doch kein einziger Euro wurde zur Rückzahlung der Darlehen verwendet.

Geld für Yachten statt für Verbindlichkeiten
Stattdessen sollen die beiden Einkünfte aus Interviews, Buchverträgen und weiteren Geschäften beiseitegeschafft haben. Gegenüber der Bank gaben Sánchez Vicario und ihr Ex-Partner zudem an, keine Kenntnis über ihre eigenen Vermögensverhältnisse zu haben – die Familie des Tennis-Stars habe die Kontrolle darüber. Das Gericht wertete diese Darstellung als widerlegt, da der Ex-Mann die Firmen bereits seit 2009 eigenständig geführt hatte.
Besonders schwer wog laut Urteil dieser Umstand: Das Paar führte sein luxuriöses Leben fort und investierte über eine Million Euro in die Boote „Ancato“ und „Blue Moon“, während die Bank weiterhin auf ihr Geld wartete.

Tennis-Star legt Geständnis ab
Arantxa räumte schließlich ein: Sie war über die Schulden informiert und wusste, dass ihr Ex-Mann die Begleichung blockierte. Aufgrund ihrer Kooperation, ihres Geständnisses und bereits geleisteter Zahlungen von 1,87 Millionen Euro wurde sie zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Ihr Ex-Mann hingegen erhielt eine Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten ohne Bewährung. Zum Zeitpunkt des Urteils beliefen sich die offenen Forderungen weiterhin auf mehr als 6,6 Millionen Euro zuzüglich Zinsen.
Die Spanierin zählte in den 90er-Jahren zu den größten Rivalinnen von Steffi Graf (57): In sieben Grand-Slam-Endspielen stand sie der Deutschen gegenüber und triumphierte in zwei davon. 1995 führte sie für zwölf Wochen die Einzel-Weltrangliste der Damen an. In ihrer Laufbahn sicherte sie sich 29 Turniersiege im Einzel und erspielte knapp 17 Millionen Dollar an Preisgeldern. Hinzu kamen Millionen aus Werbedeals. Davon ist heute nichts mehr übrig.





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