Erneut richtet der US-Präsident seine Drohungen gegen den Iran – diesmal kündigt er einen "Wirtschaftskrieg" ohne historisches Vorbild an. Doch wie viel Substanz steckt hinter diesen Machtdemonstrationen? Und warum erfolgen sie ausgerechnet in diesem Moment?
Es ist ein vertrautes Muster: US-Präsident Donald Trump droht dem Iran mit vernichtender militärischer Gewalt und harten Wirtschaftssanktionen, nur um seine aggressive Rhetorik kurze Zeit später wieder abzuschwächen. Parallel dazu wurden immer wieder angebliche Fortschritte bei den Gesprächen über eine diplomatische Lösung kolportiert – konkrete Ergebnisse blieben jedoch aus. Nun poltert Trump erneut auf seiner Plattform Truth Social und kündigt einen "Wirtschaftskrieg" beispiellosen Ausmaßes an. Hinter seinen abermals drastischen Worten dürfte in erster Linie eines stecken: wachsende Frustration.
Weder bei der Wiedereröffnung der für den weltweiten Handel mit Öl, Gas und Dünger essenziellen Straße von Hormus noch bei einer Einigung zur Beendigung des seit fast einem halben Jahr andauernden Konflikts sind erkennbare Fortschritte zu verzeichnen. Nun droht Trump jedem Staat, der wirtschaftliche Beziehungen zum Iran unterhält, mit Sanktionen. Welche konkreten Maßnahmen die US-Regierung über die bereits verhängten Strafmaßnahmen gegen Teheran hinaus ergreifen will, ließ der Republikaner allerdings offen. Auch konkrete Länder nannte er nicht.
Emirate frieren Handel mit Iran ein
Bereits kurz zuvor hatte das Außenministerium der mit Washington verbündeten Vereinigten Arabischen Emirate erklärt, sämtliche Handelsaktivitäten und Finanztransaktionen mit dem Iran vorerst auszusetzen. Zwischen beiden Staaten besteht eine umfangreiche Handelspartnerschaft, deren jährliches Volumen sich auf mehrere Dutzend Milliarden US-Dollar beläuft.
Eine derartige Aussetzung des Handels- und Finanzverkehrs würde die wirtschaftlichen Beziehungen beider Nationen erheblich belasten. Allerdings dürfte sich ein vollständiger Bruch als schwierig erweisen, wie das "Wall Street Journal" anmerkte. Ein Großteil der Aktivitäten werde nämlich gezielt verschleiert. Zudem bleibt abzuwarten, ob weitere Staaten dem Vorgehen der Emirate folgen, wie Gregory Brew, Iran-Analyst bei der Eurasia Group, auf X feststellte. Der bedeutendste Handelspartner der Islamischen Republik ist China.
Rückzieher nach der Drohung?
Wie bereits bei seinen Zollankündigungen gegen Handelspartner und Verbündete sowie bei der Ankündigung militärischer Aktionen gegen den Iran, besteht auch diesmal eine realistische Aussicht, dass Trump am Ende doch wieder einen Rückzieher macht. Genau das geschah erst am Dienstagabend, als er kurz vor Ablauf einer von ihm gesetzten Frist gegenüber Kanada auf einen zusätzlichen Zoll auf Importe aus dem Nachbarland verzichtete.
Trump sieht sich sowohl innen- als auch außenpolitisch unter starkem Druck. Ob beim russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, im Konflikt zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen oder in seiner eigenen Auseinandersetzung mit dem Iran – ein Durchbruch ist nirgends in Sicht. Angekündigte Erfolge wie die Vereinbarung zur Entwaffnung der Hamas oder das im Juni geschlossene Rahmenabkommen zwischen Washington und Teheran erwiesen sich als kurzlebig.
Kriegsfolgen belasten Trump zunehmend
Dabei wäre es gerade jetzt, wenige Monate vor den bedeutenden US-Kongresswahlen Anfang November, für den Republikaner entscheidend, seiner Wählerbasis zumindest einen kleinen Erfolg präsentieren zu können. Insbesondere der festgefahrene Konflikt zwischen Washington und Teheran sowie der dadurch verursachte Anstieg der Lebenshaltungskosten setzen seinen Landsleuten zunehmend zu.
Durch die seit Monaten andauernde Blockade der Straße von Hormus sind die Preise für Treibstoff und Düngemittel drastisch gestiegen. Weltweit müssen Verbraucher deutlich mehr Geld ausgeben. Die Energiekrise hat zudem die Inflation in den USA weiter angeheizt, sodass Trump mit einem seiner früheren Kernthemen im Wahlkampf – bezahlbares Leben – nicht mehr punkten kann. Ganz im Gegenteil.
Dabei hatte Trump bereits im März, kurz nach Beginn des gemeinsam mit Israel initiierten Krieges gegen den Iran, selbstbewusst erklärt: "Wir haben gewonnen." Schon in der ersten Stunde sei die Sache entschieden gewesen. Auch jetzt behauptet der Republikaner erneut, die iranische Marine sei vernichtet, die Luftwaffe zerstört und die Rüstungsindustrie des Landes liege in Trümmern. Zudem sei die Währung der Islamischen Republik praktisch wertlos. Das Land hänge "am seidenen Faden".
Iran bleibt gelassen
Trotz Trumps wiederholter Drohungen zeigt der Iran bislang kaum Bereitschaft, von seiner Forderung nach Kontrolle über die Straße von Hormus abzurücken. Schließlich stellt die Meerenge wohl das größte Druckmittel in den Händen der Iraner dar.
In Teheran reagiert man auf Trumps Ankündigung eines beispiellosen Wirtschaftskriegs demonstrativ gelassen. Die USA versuchten bereits seit Jahren, "jegliche finanziellen und wirtschaftlichen Beziehungen zum Iran zu unterbinden", schrieb die iranische Nachrichtenagentur Tasnim. Der Iran habe jedoch "gelernt, diese Beschränkungen zu umgehen, und ist darin mittlerweile sehr erfahren".



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