Berlin – Mit Temperaturen von bis zu 41 Grad erlebt Deutschland einen der heißesten Tage des Jahres. Viele Bürger fragen sich, ob Grund zur Sorge besteht. Aufgrund ausbleibender Niederschläge in den vergangenen Wochen ist die Waldbrandgefahr vielerorts extrem hoch – der Deutsche Wetterdienst warnt auf seiner Karte insbesondere für den Südwesten. Parallel dazu schlagen zahlreiche Städte und Gemeinden Wasseralarm, während das Robert-Koch-Institut von rund 10.000 Hitzetoten spricht. Die The Pik-Analyse zeigt mit drei Karten, wo heute die größten Risiken lauern.
Hitzetod-Risiko: Diese Regionen sind heute am stärksten betroffen
Das Robert-Koch-Institut (RKI) prognostiziert für diesen Sommer die höchste Zahl an „Hitzetoten“ seit 2016. Auf Basis von Berechnungen, die unter anderem auf der Übersterblichkeit fußen, geht man von bereits 9800 Todesfällen aus. Der Großteil entfällt auf die Altersgruppe ab 75 Jahren, wobei Frauen stärker betroffen sind. Die Hitze selbst ist jedoch nie die alleinige Todesursache.
Besonders die Gluthitze Ende Juni zeigte ihre Wirkung. Damals wurden örtlich Hitzerekorde von über 41 Grad gemessen. Auch die nächtliche Tiefsttemperatur von 29,4 Grad in Kubschütz (Sachsen) stellte einen neuen Höchstwert dar. Die Strategie „Fenster auf“ hilft in Kliniken und Pflegeheimen dann nicht mehr. Allerdings sind Klimaanlagen dort eher die Ausnahme.

Bernd Meurer (69), Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, fordert, dass bei Neu- und Umbauten „alle Möglichkeiten wie Klimatisierung oder Verschattung mitgedacht“ werden müssten. Doch Katrin Staffler (44, CSU), Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, beklagt fehlende finanzielle Mittel, um Pflegeheime und Kliniken mit Klimaanlagen nachzurüsten. Hitzeaktionspläne auf Landes- und kommunaler Ebene sollen zumindest das Warnsystem verbessern und die Vorbereitung auf Extremtemperaturen optimieren.

Dem Sozialverband Deutschland gehen diese Maßnahmen nicht weit genug. Er fordert: „Wir brauchen bundesweit verbindliche Mindeststandards für den Hitzeschutz in allen Einrichtungen der öffentlichen Daseinsvorsorge und der kritischen Infrastruktur. Der Bund darf die Verantwortung dafür nicht länger auf Länder, Kommunen oder einzelne Träger abschieben.“
Fazit: Im Hitzeschutz für Senioren liegt Deutschland im unteren Mittelfeld. Das Pflegepersonal verhindert mit kreativen Lösungen oft das Schlimmste.
Waldbrände: Aktuelle Risikogebiete
Die außer Kontrolle geratenen Waldbrände in Spanien und Frankreich, die sogar die Großstadt Bordeaux bedrohen, verunsichern auch viele Menschen in Deutschland: Droht uns ein ähnliches Szenario? Der Deutsche Wetterdienst warnte für Donnerstag insbesondere für Baden-Württemberg und das westliche Bayern vor extremer Waldbrandgefahr. Bereits zu Wochenbeginn brannten in Baden zwei Weinberge. In Freiburg gilt die seltene Gefahrenstufe 5, was ein streng kontrolliertes Grillverbot im gesamten Stadtwald zur Folge hat.

Die gute Nachricht: Im Vergleich zu Spanien oder Italien hat Deutschland einen entscheidenden Vorteil: ein hervorragend aufgestelltes System mit über einer Million freiwilliger Feuerwehrkräfte. Stefan Hermann (45), Vizepräsident des Feuerwehrverbandes Baden-Württemberg, erklärt: „Unser auf Ehrenamt basierendes System gibt es im gesamten deutschen Sprachraum und darüber hinaus, etwa in Kroatien. Durch die vielen Standorte gelingt es viel besser, Brände bereits im Keim zu bekämpfen, während in den Mittelmeerstaaten oft Löschflugzeuge angefordert werden müssen. Zudem ist Baden-Württemberg sehr dicht besiedelt. Wir sind überzeugt, auf jede Situation schnell reagieren zu können.“
Laut Stuttgarter Innenministerium hat sich ein „Tandemkonzept“ bewährt, bei dem Feuerwehr und Forstverwaltungen eng zusammenarbeiten. Im Ernstfall könne man auf rund 1000 geländegängige Tanklöschfahrzeuge sowie Spezialfahrzeuge für die Waldbrandbekämpfung und Löschwasserförderung zurückgreifen.
Fazit: Beim Waldbrandschutz gehört Deutschland in weiten Teilen noch zur Weltspitze.
Wassermangel: Diese Verbote gelten bereits
Wasser schien in Deutschland bisher unbegrenzt verfügbar. „Dem ist nicht mehr so“, betonte Christian Schuchardt, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags. Auch Bundesumweltminister Carsten Schneider (50, SPD) treibt das Thema voran: Er stellte diese Woche das bundesweite Warnsystem Niwis vor, das erstmals einen einheitlichen Überblick über die aktuelle Niedrigwassersituation bieten soll. Es zeigt aktuell extrem niedrige Pegelstände, etwa an Donau und Rhein.

Die Folge: Über 100 Städte und Landkreise in Deutschland haben bereits Verbote erlassen, um den Wasserverbrauch zu beschränken. München geht am weitesten: Das Befüllen von Pools in Gärten ist untersagt, ebenso das Rasengießen und Autowaschen. Hannover verbietet das Gießen im Garten ab einer Lufttemperatur von 27 Grad. In Potsdam dürfen die staatlichen Schlossgärten nicht mehr bewässert werden.

Die Beschränkungen betreffen meist die Landwirtschaft am stärksten. Konkret bedeutet das: Entnahmen aus Gewässern wie Flüssen oder Seen mit Pumpen sind untersagt, da dieses Wasser vorwiegend zur Feldbewässerung genutzt wird. Oberstes Ziel ist es, Privathaushalte zum Wassersparen zu ermuntern, ohne sie zu zwingen. In Bayern gibt es bereits Pilotprojekte zur Aufbereitung von Abwasser zur Wiedernutzung, das unter anderem als Löschwasser dienen könnte.
Fazit: Das Problem ist erkannt, doch das Wassermanagement bietet noch viel Verbesserungspotenzial. Auf eine längere Dürreperiode ist Deutschland NICHT vorbereitet.



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