München – Vor dem entscheidenden Champions-League-Achtelfinalrückspiel gegen Atalanta Bergamo herrscht beim FC Bayern eine noch nie dagewesene Torwart-Krise. Eventuell muss am Mittwoch (21 Uhr/DAZN) sogar der erst 16-jährige Leonard Prescott zwischen den Pfosten stehen!

Die Situation von Manuel Neuer (39): Der Stammtorhüter fehlt seit zehn Tagen aufgrund eines erneuten Muskelfaserrisses in der linken Wade. Trainer Vincent Kompany (39) hatte am vergangenen Freitag erklärt, dass ein Comeback ursprünglich erst nach der Länderspielpause beim Auswärtsspiel in Freiburg (4. April) vorgesehen war.

Manuel Neuer (39) in der Einheit am Montag mit Torwart-Trainer Michael Rechner (45/l.) und Reha-Coach Simon Martinello (41/r.)
Manuel Neuer (39) in der Einheit am Montag mit Torwart-Trainer Michael Rechner (45/l.) und Reha-Coach Simon Martinello (41/r.)

Neuer zeigt sich im Montagstraining erstaunlich fit

Doch am Montagvormittag beeindruckte Neuer mit seinem Trainingspensum während der Reha-Einheit an der Säbener Straße. Abgesehen von spektakulären Flugparaden absolvierte der Weltmeister von 2014 in den 30 Minuten unter Aufsicht von Torwarttrainer Michael Rechner (45) und Reha-Coach Simon Martinello (41) bereits wieder sämtliche Übungen: Bodensicherungen, Volleyannahmen, Fangübungen, Kurzsprints und Dehnübungen. Auch Teamarzt Dr. Jochen Hahne (47) warf einen kurzen Blick auf die Aufbautrainingseinheit.

Team-Arzt Dr. Jochen Hahne (47) schaute kurz bei der Neuer-Einheit vorbei
Team-Arzt Dr. Jochen Hahne (47) schaute kurz bei der Neuer-Einheit vorbei

Neuer hatte sich am 6. Februar beim 4:1-Sieg gegen Gladbach erneut einen Faserriss in der linken Wade zugezogen – und das bei seinem Comeback nur drei Wochen nach derselben Verletzung an identischer Stelle. Aus diesem Grund möchte der FC Bayern eigentlich kein Risiko eingehen, weshalb ein Einsatz Neuers gegen Bergamo als äußerst unwahrscheinlich gilt.

Comeback von Urbig gewinnt an Konturen

Wahrscheinlicher ist hingegen die Rückkehr der Nummer 2! Jonas Urbig (22) hatte sich beim Kopfzusammenstoß im Hinspiel in Bergamo vor einer Woche eine Gehirnerschütterung zugezogen. Nach vorliegenden Informationen spricht jedoch vieles dafür, dass Urbig bis Mittwoch wieder einsatzfähig sein könnte. Passend dazu: Am Montagmittag nahm der Vertreter Neuers erstmals wieder am Mannschaftstraining teil!

Bayerns Ersatz-Keeper Jonas Urbig (22) am Montagmittag auf dem Weg zum Geheimtraining
Bayerns Ersatz-Keeper Jonas Urbig (22) am Montagmittag auf dem Weg zum Geheimtraining

Urbig verließ um 13.51 Uhr die Kabine – gemeinsam mit den Ersatztorhütern Prescott (16 U19-Einsätze), der Nummer 5 Jannis Bärtl (19/aktuell bei Bayern II in der Regionalliga) sowie dem weiteren U19-Keeper Leonard Ruland (18). Was Urbig während der Einheit hinter dem blickdichten Vorhang genau absolvieren konnte, bleibt unklar. Dennoch markierte er zwei Tage vor dem Rückspiel gegen Bergamo einen bedeutenden Schritt in Richtung Comeback.

Expertenmeinung zur möglichen Urbig-Rückkehr

Wie bewertet ein Hirnexperte eine mögliche Rückkehr Urbigs gegen Atalanta? Neurologe Prof. Dr. Christoph Kleinschnitz (52/Universitätsklinikum Essen) erklärt gegenüber BILD: „Wenn strukturell keine Schäden vorliegen und das neuronale Netzwerk nur kurz unterbrochen war, spricht aus medizinischer Sicht nichts gegen einen Einsatz Urbigs nach acht Tagen.“

Die jungen Keeper aus dem Bayern-Nachwuchs (v.l.): Leonard Ruland (18/U19), Leonard Prescott (16/U19) und Jannis Bärtl (19/Bayern II)
Die jungen Keeper aus dem Bayern-Nachwuchs (v.l.): Leonard Ruland (18/U19), Leonard Prescott (16/U19) und Jannis Bärtl (19/Bayern II)

Ganz sicher nicht zur Verfügung stehen werden die Nummer 4, Leon Klanac (19/Oberschenkelverletzung), sowie die Nummer 3. Sven Ulreich (37) hatte nach anderthalb Jahren ohne Einsatz in Leverkusen beim 1:1 eine herausragende Leistung gezeigt, sich dabei jedoch einen Muskelbündelriss in den rechten Adduktoren zugezogen: sechs Wochen Pause. Seit dem Samstag herrscht daher akuter Torwart-Notstand!

Steht am Mittwoch tatsächlich ein 16-Jähriger im Tor?

Sollten Neuer, Ulreich, Klanac und überraschenderweise auch Urbig ausfallen, würde Prescott nach Informationen den Vorzug vor Bärtl erhalten. Intern setzen die Bayern jedoch auf das Comeback Urbigs gegen Atalanta.

Unabhängig vom Ausgang – die Münchner können sich glücklicherweise auf einen komfortablen 6:1-Vorsprung aus dem Hinspiel in Bergamo stützen!