Gräfenhainichen (Sachsen-Anhalt) – Seine eigenen Worte: „Es wäre besser, wenn sie mich wegsperren.“ Über Monate hinweg versetzte Steve G. (23) seinen Heimatort in Angst und Schrecken. Steinwürfe, Gewalttaten, Einschüchterung. Doch selbst nach einem Urteil blieb G. auf freiem Fuß – und legte weiter los. Erst nach über einem Jahr und mehr als 200 Delikten zogen die Richter die Reißleine und kamen seinem Wunsch nach.

Am Dienstag verhängte das Gericht eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren gegen den Intensivtäter. Seine Bilanz ist beachtlich: unter anderem gefährliche Körperverletzung, Exhibitionismus, Beleidigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte sowie das Verwenden verfassungsfeindlicher Kennzeichen. Diesmal führt der Weg direkt hinter Gitter.

Der Weg dorthin war jedoch steinig. Bereits am 28. April 2025 war Steve G. zu sieben Monaten Haft verurteilt worden. Da das Urteil zur Bewährung ausgesetzt wurde, blieb der Mann auf freiem Fuß – sehr zum Unmut der Bewohner von Zschornewitz, einem Ortsteil von Gräfenhainichen in Sachsen-Anhalt. Denn sobald der junge Mann Alkohol getrunken hat, entblößt er sich vor Supermärkten, brüllt herum, schlägt Nachbarn die Fensterscheiben ein, attackiert Passanten und belästigt junge Mütter mit Kindern.

Auf diese Weise sammelte Steve G. in kürzester Zeit über 200 weitere Straftaten. Regelmäßig rückte die Polizei an, nahm den Intensivtäter in Gewahrsam und ließ ihn kurz darauf wieder laufen. Steve G. griff dabei auch Einsatzbeamte an und verletzte mehrfach Polizisten. Ein Reporter suchte Steve G. wiederholt auf und führte Gespräche mit ihm. Seine Sicht der Dinge: „Die Leute sollen mich in Ruhe lassen, dann mache ich auch nix.“

Simone K. (62) leidet noch heute unter den Attacken ihres gewalttätigen Nachbarn
Quelle: Unbekannt
Mehrfach hat der Unruhe-Stifter das Auto von Simone K. angegriffen, er zerschlug auch ihre Handys
Quelle: Privat

Opfer benötigt Trauma-Therapie

Besonders hart trafen die Übergriffe des Intensivtäters sein direktes Umfeld. Simone K. (62) lebte direkt neben Steve G. Er verwüstete ihre Wohnung und drohte ihr mit dem Tod. K.: „Wegen dieses Intensivstraftäters muss ich mich in der Trauma-Ambulanz behandeln lassen. Ich habe 31 Kilo verloren.“ Ihre Ärztin diagnostizierte Angstzustände, Panikattacken und Schlafstörungen.

Unruhestifter zog Haft vor

Kurz vor seiner Festnahme hatte Steve G. in sämtlichen Supermärkten der Stadt Hausverbot. Er sagte damals: „Es wäre besser, wenn sie mich wegsperren.“ Die Staatsanwältin brachte es in ihrem Plädoyer treffend auf den Punkt: „Wir haben es hier mit einem ganz besonderen Ausnahmefall zu tun. Der Angeklagte hat regelmäßig ein ganzes Dorf in Angst und Schrecken versetzt, wenn er zur Flasche griff. Und trotz der schlimmen Folgen hat er jeden Tag wieder zur Flasche gegriffen.“

Im Prozess überraschte G. seine Nachbarn dann mit einer Entschuldigung: „Es tut mir leid, was ich getan habe, auch wenn ich mich an das meiste nicht mehr erinnern kann.“ So will er an zwei Tagen bis zu 120 Bier getrunken haben. Die Richter schenkten ihm dennoch nicht genug Vertrauen für eine erneute Bewährung.