Berlin – Die Bundeshauptstadt fungiert nicht nur als politisches Machtzentrum Deutschlands. Sie dient zugleich als Knotenpunkt für Extremisten aus aller Welt. Immer dann, wenn Konflikte im Nahen Osten, in Syrien oder Afghanistan eskalieren, zeigen sich die Folgen unmittelbar in Berlin. Die Sicherheitsbehörden schlagen Alarm: Islamisten, Terroristen sowie deren Unterstützer und Sympathisanten bewegen sich mitten in der Gesellschaft.

Bereits im April hatte der Berliner Verfassungsschutz ausdrücklich vor genau jener Art von Anschlag gewarnt, die Abdul Ballout (†21) am Abend des 25. Juli während des CSD verübte. Der Geheimdienst hatte zuvor die Hetze in islamistischen Online-Netzwerken ausgewertet und dort dokumentierte Aufrufe zu Gewalttaten registriert.

Volksfeste, Konzerte, Sportevents im Visier

Besonders beunruhigend: Die Islamisten zielen auf Orte, die sich kaum umfassend absichern lassen. In seiner Analyse schreibt der Verfassungsschutz: „Diese Anschlagsform bezieht sich auf schwer zu schützende Versammlungen wie Volksfeste, Konzerte und Sportveranstaltungen, die mit leicht zu beschaffenden Tatmitteln wie Messern oder Fahrzeugen angegriffen werden sollen.“

Derartige Aufrufe wie im April richten sich meist an Einzeltäter, die – inspiriert von der Ideologie des „individuellen Jihad“ – in ihren Heimatländern Anschläge verüben sollen, ohne sich zwingend einer Terrororganisation anzuschließen. Auch der CSD-Attentäter Ballout ließ sich offenbar dieser Kategorie zuordnen.

CSD-Attentäter Abdul Ballout (†29) tötete mit einer Amokfahrt in Berlin am vergangenen Sonnabend eine Frau

Gewalt in Nahost, Folgen in Berlin

Die Analyse des Verfassungsschutzes offenbart eine gefährliche Parallelwelt in Berlin. Die Szene sei international stark vernetzt. „Etwa Machtverschiebungen in Afghanistan oder Syrien oder Eskalationen im Nahen Osten, sowie unvorhersehbare islamfeindliche Einzelereignisse (wie zum Beispiel Koranverbrennungen) können auch kurzfristig zu einem Anstieg islamistisch motivierter Straftaten führen.“ Das bedeutet im Klartext: Wann immer die Lage irgendwo auf dem Globus eskaliert, kann sich die Stimmung in Berlin binnen weniger Stunden aufheizen.

Hamas trotz des Verbotes weiter aktiv

Die Sicherheitsbehörden betrachten insbesondere die Entwicklung seit dem Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober 2023 mit großer Sorge. Der Terrorangriff hat die Sicherheitslage in der Hauptstadt nachhaltig verschärft. Obwohl die Hamas seit November 2023 in Deutschland verboten ist, bleiben ihre Anhänger weiterhin aktiv. Die Behörde stellt fest: „Trotz des am 2. November 2023 in Deutschland verhängten Betätigungsverbots gegen die HAMAS setzen deren Anhänger ihre Aktivitäten fort.“

Demzufolge organisieren Unterstützer weiterhin antiisraelische Demonstrationen und kooperieren teilweise mit anderen extremistischen Gruppierungen. Als zentrale Plattform gilt das „Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee“ (VPNK), das sich in Berlin als fester Bestandteil der israelfeindlichen Szene etabliert hat.

Waffenlager entdeckt

Wie real die Bedrohung ist, zeigen Ermittlungen vom Oktober 2025. Damals wurden in Berlin drei mutmaßliche Hamas-Mitglieder festgenommen. Sie sollen Anschläge auf jüdische Einrichtungen geplant haben. Bei den Durchsuchungen stießen die Ermittler auf Langwaffen, Pistolen und Munition. Die Hamas beschränkt sich offenbar nicht mehr allein auf Propaganda und Mobilisierung.

Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes geht die größte Terrorgefahr in Deutschland jedoch weiterhin vom „Islamischen Staat“ (IS) und insbesondere dessen Ableger „Islamischer Staat Provinz Khorasan“ (ISPK) aus.

Messerangriff am Holocaust-Mahnmal

Wie brutal diese Gefahr ist, zeigte sich am 21. Februar 2025. Ein damals 19-jähriger Syrer attackierte am Holocaust-Mahnmal in Berlin einen spanischen Touristen mit einem Messer und verletzte ihn schwer. Nach Erkenntnissen der Ermittler handelte der Täter im Namen des IS und wollte sein Opfer töten.

IS-Attentäter Wassim Al M. (19) griff im Februar 2025 in Berlin-Mitte einen Touristen mit einem Messer an

Auch die Entwicklungen in Syrien verfolgen die Behörden mit erheblicher Sorge. Nach dem Sturz des Assad-Regimes Ende 2024 und den anhaltenden Machtkämpfen im Land kommt es wiederholt zu Spannungen zwischen verschiedenen Gruppierungen. Diese Konflikte wirken bis nach Berlin hinein.

Antisemitische Parolen vor dem Roten Rathaus

So fand am 19. Juli 2025 vor dem Roten Rathaus eine antidrusische Kundgebung statt. Dort wurden laut Sicherheitsbehörden israelfeindliche, antisemitische und gewaltverherrlichende Parolen skandiert.

Mhdei Fares Ch. (30) vor einem Berliner Gericht. Er war unter anderem angeklagt, für die Terrororganisation Hizb Allah im Internet Propaganda gepostet zu haben. Er wurde wegen Kriegswaffenbesitzes und des Verwendens von Kennzeichen terroristischer Organisationen verurteilt

Extremisten agieren im Verborgenen

Der Verfassungsschutz warnt: „Die Agenden der meisten dieser Gruppierungen sind in Berlin eng an die jeweiligen Mutterorganisationen in den Heimatländern gebunden, die die Strategien und Taktiken ihrer Ableger in Deutschland bestimmen. Ihre Anhänger agieren hier weitgehend konspirativ.“

Das bedeutet in der Konsequenz: Viele Extremisten treten öffentlich kaum noch in Erscheinung. Die Netzwerke bestehen jedoch fort und operieren zunehmend im Verborgenen. Für Polizei, Verfassungsschutz und Justiz bleibt Berlin damit eine der zentralen Frontlinien im Kampf gegen den islamistischen Terror.