Oslo – Marius Borg Høiby (29), der wegen Vergewaltigung zu vier Jahren Haft verurteilte Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit (52), scheint den Sommer in vollen Zügen zu genießen. Trotz einer elektronischen Fußfessel sonnt er sich am Pool von Schloss Skaugum, feiert mit Freunden und verbringt die Abende auf der Terrasse seines Hauses in der Nähe des königlichen Anwesens. Wie die norwegische Illustrierte „Se og Hør“ berichtet, nutzt der 29-Jährige die Annehmlichkeiten des royalen Lebens weiterhin intensiv. Doch wie ist das möglich, obwohl er in 34 Fällen verurteilt wurde?

Zur Erinnerung: Marius war in rund 40 Fällen angeklagt. Die Liste umfasste vier Vergewaltigungen, Drohungen, einen Haschisch-Transport, häusliche Gewalt und Verkehrsdelikte. Am 2. Februar wurde er in Untersuchungshaft genommen, nachdem er trotz eines Kontaktverbots eine Freundin aufgesucht und sie mit einem Messer bedroht hatte. Am 3. Februar begann der siebenwöchige Prozess gegen ihn. Vor Gericht kamen erschütternde Details ans Licht: Marius vergriff sich an schlafenden Frauen und filmte die Übergriffe. In den Jahren vor seiner Festnahme konsumierte er große Mengen Alkohol und Drogen.

An diesem Pool lässt es sich Marius gut gehen. Schwimmen gehen kann er mit der elektronischen Fußfessel jedoch nicht

Am 15. Juni fiel das Urteil: vier Jahre Haft wegen zweier Vergewaltigungen und einer Reihe weiterer Straftaten. In zwei weiteren Vergewaltigungsfällen wurde er freigesprochen. Seine Anwälte legten Berufung ein. Sie fordern einen Freispruch in den beiden Vergewaltigungsfällen sowie in einem Fall häuslicher Gewalt. Das Urteil ist daher noch nicht rechtskräftig. Marius bleibt in Untersuchungshaft, die sich seit dem 14. Juli äußerst königlich gestaltet.

Ob er im Salon auf Schloss Skaugum mit seiner Mutter über seine Taten spricht? Marius muss ab Juli an einer Kriminalitätsvorbeugungsmaßnahme teilnehmen, das war Teil des Fußfessel-Deals

Mette-Marit und Haakon unterstützen Marius

Seit diesem Tag hält sich Marius wieder auf Schloss Skaugum auf. Der Richter hatte am Vortag eine ungewöhnliche Entscheidung getroffen: Die Untersuchungshaft gegen Marius bleibt bestehen, doch er darf sie in seinem Haus auf dem Gelände von Schloss Skaugum verbringen. Das Haus wird ihm von seinem Stiefvater, Norwegens Kronprinz Haakon (53), vermietet. Marius lebte dort bereits bis 2025, und es heißt, er habe dort ausufernde Partys gefeiert.

Kronprinz Haakon hat seinem Stiefsohn wieder sein altes Haus zur Verfügung gestellt

Das Haus wurde ihm erneut zur Verfügung gestellt. Warum durfte er an diesen Ort zurückkehren? Hofsprecherin Guri Varpe erklärte am 14. Juli: „Das Kronprinzenpaar möchte ihn in dieser Lebensphase unterstützen.“

Große Freiheiten für Marius

Bevor Polizisten ihn am 14. Juli um 13:32 Uhr mit einem Gefängnistransporter zum Schloss brachten, errichteten sie auf dem Gelände einen elektronischen Zaun. Überschreitet Marius diesen, wird bei der Polizei ein Alarm ausgelöst. Allerdings zogen die Beamten den Zaun sehr großzügig. So muss Marius nicht in seinem roten Haus bleiben; er kann im Schlosspark spazieren gehen, den Pool hinter dem Schloss nutzen und seine Mutter, die sich kürzlich einer Lungentransplantation unterzogen hat, im Hauptgebäude besuchen. Kurioserweise durfte Mette-Marit am 14. Juli aus der Klinik nach Hause zurückkehren – am selben Tag wie ihr Sohn.

Auf dem prachtvollen Anwesen darf Marius sich innerhalb eines Zaunes bewegen. Dieser soll viel Spielraum lassen. Rechts, mit braunem Dach, sein Haus

Wie The Pik erfuhr, muss Marius ein strenges Alkohol- und Drogenverbot einhalten. Die Polizei kann jederzeit – auch nachts und an Wochenenden – spontane Tests durchführen. Laut „Se og Hør“ haben seit dem 14. Juli bereits mehrere Partys bei Marius stattgefunden. Es gab eine Reihe von Abenden, an denen seine Freunde fröhlich am Grill saßen, feierten und laute Musik hörten. Kurios: Marius grillt an einem Gerät, das ihm laut „Se og Hør“ Polizeibeamte eigenhändig zusammenschraubten, weil er damit offenbar überfordert war.

Mette-Marit (52, hier Anfang Juni bei einem Kurzbesuch zu Hause mit Haakon, 53) wurde am 14. Juli aus der Klinik entlassen. Sie unterzog sich einer Lungentransplantation

Trotz der Einschränkungen erinnert Marius’ Leben in Untersuchungshaft an einen langen Urlaub. Entspannen am Pool, Zeit mit seiner Mutter verbringen, Freunde empfangen – alles ist erlaubt. Sollte Marius jedoch mit Drogen oder Alkohol im Blut erwischt werden, landet er sofort wieder hinter Gittern.

Marius’ Dolce Vita im Schloss verkürzt Haftzeit

Bitter für Marius’ Opfer: Jeder Tag auf dem prächtigen Schlossgelände verkürzt seine spätere Haftstrafe. Birgitte Storvik (57), Dozentin für Strafrecht an der norwegischen Hochschule für Strafvollzug, erklärt: „Høiby wird die Zeit, die er auf Skaugum mit Fußfessel in Untersuchungshaft verbracht hat, vollständig auf seine Haftstrafe angerechnet. Nach Paragraf 83 des norwegischen Strafgesetzbuches muss die gesamte Zeit, in der einem Beschuldigten im Zusammenhang mit dem Verfahren die Freiheit entzogen wurde, von der endgültigen Strafe abgezogen werden. Untersuchungshaft mit elektronischer Kontrolle wird dabei der Untersuchungshaft im Gefängnis gleichgestellt.“

Marius (hier im Juni 2022 auf Schloss Skaugum) wird möglicherweise nur noch wenig Zeit im Gefängnis verbringen

Marius könnte nach einem Jahr und acht Monaten freikommen

Sollte die vierjährige Haftstrafe im Berufungsverfahren im Frühjahr 2027 bestätigt werden, müsste Marius Borg Høiby nur noch drei Jahre absitzen. Schließlich sitzt er bereits seit Februar 2026 in Untersuchungshaft. In Norwegen werden Häftlinge oft bereits nach zwei Dritteln der Strafe entlassen. Damit käme Høiby nach 32 Monaten frei. Da davon bereits rund ein Jahr in Untersuchungshaft verbracht wäre, blieben für ihn noch etwa 20 Monate hinter Gittern – also nur ein Jahr und acht Monate.

Jonas Jørstad (54), Rechtsexperte bei Se og Hør: „Jeder Tag auf Skaugum ist ein Tag weniger im Gefängnis. Rein juristisch gesehen ist er ja immer noch in Haft, aber natürlich wirkt diese Form von Haft sehr privilegiert.“ Falls Marius im Berufungsverfahren in den beiden Vergewaltigungsfällen für nicht schuldig erklärt wird, würde das Urteil deutlich geringer ausfallen. Dann müsste Marius vielleicht überhaupt nicht mehr ins Gefängnis.