London (England) – Kann man einen zwanzig Jahre alten Film fortsetzen? Einen Kultfilm, den man auch heute noch immer und immer wieder sehen kann (und will!) und sich dennoch nicht langweilt? Dessen messerscharfe Einzeiler („Bewegen Sie sich ruhig im Schneckentempo. Sie wissen ja, wie sehr mich das begeistert“) sich in unser kollektives Kinogedächtnis eingeschrieben haben? Und kann man diese Fortsetzung, wenn man sie denn endlich macht, dann auch noch besser machen? Achtung, Spoiler: Abgesehen davon, dass Meryl Streep in ihrem Fach wohl keine Herausforderung zu groß scheint – ja, man kann. Und das sogar richtig, richtig gut.

Am Donnerstag startet „Der Teufel trägt Prada 2“ in den deutschen Kinos. Wieder mit dabei: Meryl Streep als Miranda Priestly, die ikonische Chefredakteurin des (fiktiven) Modemagazins „Runway“. Anne Hathaway als deren ehemalige Assistentin und inzwischen Journalistin. Emily Blunt, ebenfalls Priestlys Ex-Assistentin und mittlerweile Managerin in der Modebranche. Und Stanley Tucci, immer noch Art Director Nigel.

Rückkehr in die alten Rollen: Meryl Streep (76), Anne Hathaway (43) und Stanley Tucci (65)
Rückkehr in die alten Rollen: Meryl Streep (76), Anne Hathaway (43) und Stanley Tucci (65)

„The Pik“ trifft Meryl Streep und Stanley Tucci zum Doppel-Interview im ultranoblen Londoner Hotel „Corinthia“ (Doppelzimmer: 970 Euro, ohne Frühstück). Haben die beiden 2006, als der erste Film in die Kinos kam – also in einer Zeit vor iPhone, Instagram und TikTok – damit gerechnet, dass sie ein Stück Filmgeschichte erschaffen haben, das bis heute Gültigkeit haben würde? Einen Klassiker? Meryl Streep: „Die Modetrends kommen heute zack, zack, zack. Es gibt ja auch keine Jahreszeiten mehr. Und ganz nebenbei brauchen wir nicht mal mehr Mäntel. Ich glaube, wir alle versuchen, unsere Balance zu finden in dieser neuen Welt. In jeder Art von Business, in der Familie, in der Schule, in den Universitäten.“

Meryl Streep (in Givenchy), Emily Blunt (43, in Schiaparelli), Stanley Tucci (in Armani) und Anne Hathaway (43, in Louis Vuitton, v.l.) strahlen am 20. April bei der Weltpremiere in New York
Meryl Streep (in Givenchy), Emily Blunt (43, in Schiaparelli), Stanley Tucci (in Armani) und Anne Hathaway (43, in Louis Vuitton, v.l.) strahlen am 20. April bei der Weltpremiere in New York

Meryl Streep ist keine Fashionista

Würden sich die beiden als Fashionistas bezeichnen? Meryl Streep lacht. „Nein!“ Aber Freunde sind sie. Und zwar gute! „Ja, das sind wir“, sagt Stanley Tucci. Wie ist diese Freundschaft seit 2006 gewachsen? „Wir kannten uns ja vor dem ersten Film schon. Danach haben wir uns nie mehr aus den Augen verloren. Wir haben in den letzten 20 Jahren auf der persönlichen Ebene eine Menge durchgemacht. Wir haben miteinander Freud und Leid geteilt. Das hat uns immer näher zusammengebracht. Das beeinflusst dann auch, was wir gemeinsam vor der Kamera machen.“ Meryl Streep nickt. „Und Stanley schreibt die lustigsten E-Mails. Leider undruckbar! Ich kann sie nicht teilen, aber für mich sind sie ganz wundervoll.“

Stichwort Trends und Mode: Äußerlichkeiten haben in den letzten Jahren nicht zuletzt durch Social Media enorm an Bedeutung gewonnen. Würden die beiden heute gern noch einmal am Anfang stehen? Oder sind sie froh, dass sie ihre Karrieren Stück für Stück aufgebaut haben – und nicht Post für Post? „Ich würde heute auf keinen Fall mit der Schauspielerei am Anfang stehen wollen“, sagt Tucci. Meryl Streep stimmt ihm zu: „Ich habe drei Töchter, die Schauspielerinnen sind. Ich bin mit vielen jungen Schauspielerinnen befreundet. Daher weiß ich: Wenn du heute anfangen willst, brauchst du schon eine bestimmte Anzahl an Followern, bevor du überhaupt zum Vorsprechen eingeladen wirst. Die zählen wirklich deine – wie heißt das – Instagram-Follower.“

Online-Casting? „Wie bei Tinder“, sagt Meryl Streep

Sie sagt sehr deutlich: „Ich denke, ich würde mich umbringen! Wir haben angefangen in einer Zeit, in der man noch persönlich vorgesprochen hat. Das ist ja auch vorbei. Man kann nur noch online vorsprechen. Du musst dir also zu Hause ein Set aufbauen, dein eigenes Licht, deine eigene Kamera, und anschließend etwas verschicken. Dann wischen sie durch, und wenn das, was du da bei dir zu Hause gemacht hast, nicht gefällt, dann wischen sie dich weiter, wie bei Tinder. So kannst du nicht beurteilen, ob jemand gut oder schlecht ist. Alles sieht gleich aus, alle sehen gleich aus. Furchtbar.“ Sie schüttelt den Kopf, Tucci nickt.

Stanley Tucci und seine Ehefrau Felicity Blunt (45). Sie ist die Schwester von Emily Blunt
Stanley Tucci und seine Ehefrau Felicity Blunt (45). Sie ist die Schwester von Emily Blunt

Ist es also irgendwie doch gut, dass Meryl Streep und Stanley Tucci viele Follower haben, nur echte? Also Menschen, die für sie ins Kino gehen? Schon jetzt soll der Vorverkauf für „Der Teufel trägt Prada 2“ auf ein enormes Interesse schließen lassen. Streep: „Ich glaube, die Leute werden sich langsam wieder ins Kino wagen, weil sie es satthaben, sich diese riesigen Formate so anzusehen.“ Sie formt mit den Händen ein Smartphone. „Jetzt werden Kurzfilme gedreht, in denen alles so großformatig ist, nur damit man es auf dem Handy anschauen kann ...“ Sie rollt mit den Augen. So wie es wohl nur sie und Miranda Priestly können.