Die Diebstähle in deutschen Supermärkten erreichen neue Höhen – organisierte Banden gehen gezielt vor. Ein erfahrener Ladendetektiv gibt Einblicke in ihre Methoden.

„Die Täter agieren nicht mehr solo – es sind professionelle, eingespielte Gruppen“, berichtet Ladendetektiv Matthias Dreiucker (58). Mit präziser Planung und Organisation leeren die Kriminellen die Regale. Sie kennen genau die Produkte, die auf dem Schwarzmarkt schnell zu Geld gemacht werden können: Markenkaffee in Kartonmengen, hochwertiger Alkohol, ganze Schokoladenpackungen und abgepacktes Fleisch.

Der Coup läuft nach einem festen Schema ab: Ein Teil der Bande füllt im Markt die Einkaufswagen bis zum Rand. Draußen wartet das Fluchtfahrzeug mit laufendem Motor. Wenn an der Kasse zu viele Kunden stehen, wird der Haupteingang als Fluchtweg genutzt – unverfroren und direkt. Dann nur noch: Sprint zum Auto, einsteigen und abhauen.

Die Angestellten sind meist machtlos. Der gesamte Diebstahl dauert oft nur Sekunden, eine Reaktion ist kaum möglich. Zu schnell, zu dreist, zu professionell geplant.

Diebe nutzen Sicherheitslücken skrupellos aus

Die Kriminellen profitieren von einer gezielten Schwachstelle. Immer mehr Supermärkte verzichten auf Eingangsschranken oder Kassensperren. Der Grund? Solche Barrieren schrecken nicht nur Diebe ab, sondern auch ehrliche Kunden.

Besonders nach der Corona-Pandemie setzten viele Händler auf offene Systeme, um ein Gefühl von Sicherheit und Normalität zu vermitteln. Kunden sollten sich freier bewegen können – und dadurch mehr kaufen.

Doch genau das erleichtert den Tätern die Arbeit enorm. Detektiv Dreiucker: „Für Diebe bedeutet das oft freie Fahrt.“

Wohin fließt die Beute?

Der Schwarzmarkt floriert. „Die Ware wird an Kioske, Restaurants oder Shisha-Bars weitergegeben. Dort wird sie unter der Hand verkauft – häufig zum halben Preis. Für die Betreiber ist das ein lukratives Geschäft, für den Einzelhandel ein Verlust in Millionenhöhe“, so Dreiucker.

Fleisch, Kaffee und Schokolade werden ebenfalls auf diesen Wegen vertrieben. Die Käufer stellen keine Fragen – die Herkunft der Ware ist ihnen egal.