Sylt – Nach den Schüssen auf den Friseursalon „Ocean’s Cut“ in Westerland auf Sylt am Mittwoch sitzt der mutmaßliche Täter nun in Untersuchungshaft. Eine Richterin ordnete Haftbefehl wegen versuchten Totschlags und Verstößen gegen das Waffengesetz an. Laut Informationen handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen 15-jährigen Aserbaidschaner. Der Jugendliche soll von bislang unbekannten Auftraggebern als Killer auf die Nordseeinsel geschickt worden sein.

Der Teenager sollte eigentlich in einer Jugendeinrichtung in Niedersachsen betreut werden. Nach Informationen wurde er dort seit einiger Zeit vermisst. Nun steht er im Verdacht, am helllichten Tag mehrere Schüsse auf den Friseursalon in der Strandstraße auf Sylt abgegeben zu haben.

Auch gegen einen 23-jährigen Mann aus der Türkei wurde Haftbefehl erlassen. Er soll an der Schießerei beteiligt gewesen sein
Auch gegen einen 23-jährigen Mann aus der Türkei wurde Haftbefehl erlassen. Er soll an der Schießerei beteiligt gewesen sein

Schütze als Teenie-Killer angeheuert?

Neben dem 15-Jährigen soll laut Staatsanwaltschaft Flensburg ein zweiter Verdächtiger an der Tat beteiligt gewesen sein. Gegen den 23-jährigen Mann aus der Türkei erließ Richterin Andrea Soltau am Freitag Haftbefehl wegen Beihilfe zum versuchten Totschlag. Der Verdächtige verfügt lediglich über eine Aufenthaltserlaubnis. Jetzt ermittelt die Flensburger Staatsanwaltschaft. Nach Informationen soll der Jugendliche als Teenie-Killer angeheuert worden sein. Die Fahnder gehen davon aus, dass er Kontakte zur Organisierten Kriminalität hat. Wie er nach Deutschland kam, ist noch unklar.

Der 15-Jährige wird in Handschellen zur Haftrichterin gebracht
Der 15-Jährige wird in Handschellen zur Haftrichterin gebracht

Bislang ist völlig unklar, wie der Minderjährige überhaupt an die Schusswaffe gelangen konnte. Die Anwälte der beiden Verdächtigen wollten sich auf Anfrage zu den Vorwürfen gegen ihre Mandanten derzeit nicht äußern. Ebenso rätseln die Ermittler über das Motiv. Nach Informationen soll es unter mehreren Friseurladen-Betreibern zu Streitigkeiten gekommen sein.

DHL-Fahrer nur wenige Meter neben dem Schützen

Wie dramatisch die Situation tatsächlich war, schildert jetzt Zeuge Marcel T. (28). Der DHL-Fahrer befand sich unmittelbar am Tatort und geriet selbst in höchste Gefahr, weil der Schütze sogar noch auf der Flucht über Köpfe hinweg einen letzten Schuss auf den Friseursalon abgab. „Ich stand zwei, drei Meter vom Schützen entfernt“, berichtet Marcel T. „Er ist an mir vorbeigelaufen, zog plötzlich die Waffe und feuerte zweimal. Ich bin direkt in einen Hauseingang gerannt und habe überall Sturm geklingelt, wollte nur irgendwo rein.“

DHL-Fahrer Marcel T. (28) wurde Augenzeuge der Attacke auf den Friseursalon.
DHL-Fahrer Marcel T. (28) wurde Augenzeuge der Attacke auf den Friseursalon.

Während der erste Täter flüchtete, tauchte plötzlich ein zweiter Verdächtiger auf. „Ich dachte schon, die Situation wäre vorbei. Dann kam von der anderen Seite noch ein Täter. Ich hatte Glück, dass eine Frau die Tür geöffnet hat.“ Noch immer steht der 28-Jährige unter Schock. „Damit rechnet man hier auf Sylt nicht.“ Aus seiner Sicht hätte die Tat leicht mehrere Opfer fordern können. „Hätte der Täter wahllos herumgeschossen, wäre ich wahrscheinlich einer der Ersten gewesen, die getroffen worden wären.“


Eines der Einschusslöcher im Friseursalon: Die Täter schossen mehrmals auf das Geschäft
Eines der Einschusslöcher im Friseursalon: Die Täter schossen mehrmals auf das Geschäft

Mehrere Projektile in Friseursalon geschossen

Videoaufnahmen, zeigen die letzten Sekunden der Tat. Nachdem bereits Schüsse gefallen waren, drehte sich einer der jungen Schützen beim Weglaufen um und feuerte einen weiteren Schuss auf den Salon ab. Mehrere Projektile schlugen in Fensterscheiben und im Innenraum ein. Nach bisherigen Erkenntnissen wurden die Schüsse in Kopfhöhe abgegeben. Zum Glück wurde niemand verletzt.

Die Polizei teilte in einer ersten Mitteilung zu dem Fall mit, dass der 23-jährige Mann der Schütze gewesen sein soll. Das wurde mittlerweile korrigiert. Die Polizei teilte nun offiziell mit, dass der 15-Jährige die Schüsse abgegeben hat.